Kein Zweifel: die Beschäftigung mit dem Thema „Null“ – ein dialogisch, zeichnerisches Projekt zwischen Susanne Haun und Juergen – konzentriere sich momentan auf den Nullraum und die Nullwerkzeuge. Meinte Juergen eben zu mir.
Und da sei dann noch der Kommentar von Gerda, der ihm durch den Kopf tanze. Aber das habe er gedanklich noch nicht klar. Das müsse erst wachsen.
Wenn man auf bildnerische Vorgaben antwortet, so Juergen zu mir, als wir von der „Bar terassa“ in Montroig aus aufs Meer blickten, wenn man also auf Vorgaben antwortet, sucht man Punkte in der Zeichnung oder der Titelunterschrift, bei denen man sich einklinken kann, die einen anspringen und die mit dem, was man schon vorher angemacht hat, korrespondieren. Juergen und Susanne Haun schicken sich nämlich per Mail Zeichnungen zu, auf denen auch zeichnerisch geantwortet werden soll. Das Thema ist „die Null“.
Er gab also unumwunden zu, dass er sich schon vorher überlegt, was er antworten könne – so ungefähr zumindest – und dass er dies dann anschließend mit Impulsen aus Susannes Zeichnungen verbindet. Wenn man auf das, was die Partnerin sagt, achten möchte und den Dialog vorantreiben will, um nicht auf der Stelle zu kommunizieren, so „dozierte“ er, sei das eben notwendig.
Ich fand jetzt die Lichtreflexe auf dem Meer sehr interessant.
Juergen hat da was gefunden, in „Cambras Blog“, einen Post über den Nullraum: >>>. Das hat ihn sehr erstaunt, denn wer beschäftigt sich schon mit solch einem Thema. Und es hat ihn sehr gefreut. Er konnte sich aber nicht dazu durchringen, den Artikel zu rebloggen. Zu literarisch, meinte er.
Ich habe ihn aufgefordert, den Text zu überarbeiten, den inhaltlichen Kern aus dem Originaltext freizuschaufeln. Das fand er eine gute Idee. Das Ergebnis, hinter dem er jetzt voll und ganz steht, hat er mir dann übergeben. Hier ist es:
„Null ist der geheime Raum des Nichts und Alles. Es ist der „empty space“, aus dem sich alles gebiert. Dieser offene Raum ist wertfrei, es ist der Raum der Möglichkeiten, der Spielraum.
Manche Gegenstände bringen uns in den Nullraum. Dort ist alles auf Null gestellt. Es ist der Erneuerraum. Er ist ungetrübt, ein Freiraum, der das gesamte Potenzial in sich birgt. Es ist der Raum hinter den Begrenzungen. Wenn ich den Nullraum betreten möchte, bleibt mir nichts anderes übrig, als Grenzerkunderin meines Geistes zu werden. Denn das erst ermöglicht mir den Schritt hinter Sicherheiten und Kontrolle.
Das, was wir wiederholt tun, das werden wir.
Die nicht in Frage gestellte Normalität darf berührt werden, abgeklopft. Das Gewöhnliche wird unterbrochen. Gewohnheiten dürfen sich ändern. Forschend können wir Neuland betreten im Raum der Null, im Leerraum. Dort ist alles möglich, Anfang und Ende tanzen miteinander. Aus dem Nullraum entsteht Leben.
Es ist der Chaosraum in den Schöpfungsmythen, der Raum des Spinnens.“
Und ich solle bloß nicht vergessen Cambra Skadefür die Vorlage und „die Kerngedanken“ zu danken. Was ich hiermit tue!