Tja, die Wurzeln!

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Ich kam ins Atelier, und Juergen saß vor seinem Rechner und schaute. Er sah sich Bilder von Felix Droese an. Mein Gott sagte er: „Wie lange habe ich das schon nicht mehr gesehen. Und jetzt das. Einfach phantastisch. Man sollte seine Wurzeln nicht vergessen.“

Und ein paar Tage später dann der Blick über seine Schulter. Und was schaut er sich fasziniert an: einen WDR-Reisebericht mit Wolfgang Niedecken auf den Spuren von Bob Dylan.

Wieder ein paar Tage später sehe ich wie er um eine kleine Bühne aus Dachlatten herumschleicht, die er vor Jahren gebaut hat, die jetzt eingelagert im Flur liegt  und deren Vorbild die Box von William Kentridge war.

Tja, die Wurzeln!

Buchalov

P.S. Wir wünschen allen Besuchern des Blogs ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute fürs Neue Jahr.

„Buchalovs Salon“ im Dezember

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Während ich dies hier schreibe, höre ich im Hintergrund Bob Dylan, eine lange Playlist. Ich schreibe jetzt nicht über Bob Dylan, der gestern den Nobelpreis verliehen bekommen hat, was Juergen schon sehr beschäftigte, wie er sagte, weniger der Nobelpreis als Dylans Leben, seine Absichten, seine Rollen, das Prinzip des Verschwindens und all diese Dinge um ihn herum,  und was dies alles mit uns zu tun hat.

Nein, ich schreibe über unseren Salon von gestern, über „Buchalovs Salon“ im Dezember. Weil dies etwas mit uns zu tun hat, unserem heutigen Leben und unserer kleinen Welt.

Juergen meint, das klinge ein wenig zu groß. Schließlich hätten wir uns im Salon ja nur unterhalten, unterhalten über unsere momentanen Projekte, über die Möglichkeiten eines offenen Kunstbegriffes, über die Bedeutung von Galerien und über den Zustand der Ateliergemeinschaften am Ostwall. „Der Kosmos“ als künstlerischer Gegenstand bei Beuys, einer Malerin aus Rees und bei Juergen sei auch besprochen worden. Klar, auch Bob Dylan sei anwesend gewesen. Und zu seinen neuesten Drucke habe er, Juergen,  auch etwas sagen dürfen.

Der Nusszopf sei aber der heimliche Star des Nachmittags gewesen, keine Frage. Ich stimmte ihm zu.

Buchalov

 

 

 

dieses nach Hinten schauen

Na, habe ich gedacht,  dann suche doch mal bei Spotify den „alten Donovan“. Als junger Bursche habe ich mich an seinem Gitarrenspiel orientiert. Und bums lande ich auf seinem Album „fairy tales“ und bin erstaunt, wie tief diese Lieder in mir verankert sind. Vor circa fünfzig Jahren habe ich die zum letzten Male gehört und bin verblüfft, dass ich sie aus dem Stehgreif mitsingen kann. Sogar große Teile der  Texte sind noch da.

Ich muss die Platte damals tausend mal gehört haben, denke ich. Und das alte Gefühl von damals ist auch als nostalgische Erscheinung wieder da. Schön!

Und dann finde ich auch noch das hier:

Aber dann, ja dann denke ich, und Juergen bestätigt mich darin, dass dieses  nach Hinten schauen es alleine irgendwie ja auch nicht bringt.

Buchalov

es hat gut getan

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Juergen und ich sind immer noch sehr berührt, wirklich sehr berührt. Ein paar Tränen haben wir auch weggedrückt. Der Grund ist simpel und vielleicht unbedeutend: Bob Dylan bekommt ja den Literaturnobelpreis.

Es hat richtig gut getan zu erleben, dass mal die gesamten negativen Tagesnachrichten – von den Kriegen um uns herum bis hin zu den rechten, nationalistisch – populistischen Tönen und Taten in Deutschland, die ja so massiv aufs Gemüt drücken, von dieser Nachricht der Nobelpreisverleihung überlagert wurden. Endlich mal wieder etwas wirklich Positives und das mit einer Person, die uns ja schon seit Mitte der Sechziger begleitet. Bob Dylan ist unser Weggefährte, und wir sind der seine. Ich sehe mich noch mit fünfzehn Jahren wie ich mit der Gitarre beim gemeinsamen Urlaub mit meinen Eltern in Bayern auf der Gitarre immer wieder „Blowing in the wind“ spiele. Und bei diesem Lied ist es ja nicht geblieben – bis heute wenn wir mit „Band M“ proben und auftreten.Von daher ist es ja nicht nur ein Preis, der an Bob Dylan geht, sondern auch an uns, an diese Generation, die ihn über Jahre begleitet hat. Das ist schon mal etwas Rührseligkeit wert.

Nobelpreise werden in der Regel für ein Lebenswerk verliehen. Die Preisträger sind in der Regel dadurch gekennzeichnet, dass sie im letzten Teil des Lebensweges angekommen sind. Sie haben das Alter. Tja, und das ist das, was ja auch für uns gilt: auch wir sind mittlerweile mit vielen Lebensjahren gesegnet. Und das Zeitfenster schließt sich, keine Frage. Da darf man zusätzlich berührt sein, oder?

Buchalov

alles kann verwendet werden

IMG_5043Im Hintergrund von „Zelle k5“ laufen die Songs der frisch veröffentlichten „new basement tapes“. Und Juergen sieht sich veranlasst auf seine Bewunderung für Bob Dylan hinzuweisen.

Und das eben nichts weggeworfen werden sollte. Denn aus Textfragmenten, die wohl in der Schublade lagen und die Dylan nun zur Bearbeitung freigegeben hat, sind diese Songs entstanden. Also meinte Juergen, und das habe er schon immer so gehalten: keine Skizze, keinen scheinbar überflüssigen Papierfitzel, kein Foto, kein Hingekritzeltes Wort oder Ähnliches darf weggeworfen werden – alles kann irgendwie irgendwann verwendet werden.

Ja, sage ich zu Juergen. Genau so sieht es ja auch hier in Deinem Atelier aus.

Buchalov