Schlagwort: Kuester

  • digitales Zeichnen: Erkenntnis sieben und acht

    Die verwendeten Zeichenprogramme enthalten eine große Vielfalt an verwendbaren Effekten, Stiften, Oberflächen und Hilfsmitteln. Ihr Einsatz sollte gut überlegt sein. Man ist stets in der Gefahr sich in der Vielfalt der Verwendungen zu verlieren und damit das Bild zu überfrachten. Ein wenig ist mehr. Die Künstlichkeit bzw. Retortenhaftigkeit einiger Hilfsmittel verbietet ihren Einsatz. Die Beschränkung auf ein persönliches Kerninstrumentarium, welches einem persönlich liegt – Juergen verwendet in der Regel die Hilfsmittel des traditionellen Zeichnens – ist angebracht.

    Erkenntnis sieben: Digitales Zeichnen bedeutet, sich bei de Anzahl der zu verwendeten Hilfsmittel zu begrenzen und mit einem Kerninstrumentarium, das man vorsichtig in der Benutzung ausbaut, zu arbeiten.

    Digitalen Zeichnungen sieht man schnell ihre „digitale Künstlichkeit“  auch in Form von „Leblosigkeit“ an, da die Oberflächen der Linien und Farbverläufe flach angelegt sind. Sie wirken bisweilen wie gedruckte Flächen. Ihnen fehlt das oberflächlich Materielle. Ihnen fehlen die Reste von Farbpigmenten, die Papierunebenheiten, die Materialspuren eben, welche im Licht körperlich wirken. Digitale Flächen ähneln in ihrer Erscheinung gedruckten Flächen von Druckstöcken aus Linoleum, Holz oder Gummi.

    Erkenntnis acht: Es gilt, so Juergen, digital durch die Verwendung weniger und traditionelle – orientierter Hilfsmittel so zu zeichnen, dass die „digitale Künstlichkeit“ der Flächen oder Linien durch Bearbeitung möglichst wenig in Erscheinung tritt und die Bilder oder Skizzen sich traditionell gefertigten Ergebnissen in der Wirkung annähern.

    (Fortsetzung folgt)

    Buchalov

  • Kopf durchpusten

    Juergen ist wieder da, zurück aus dem Urlaub, gut erholt.

    Er hat ein paar Zeichnungen mitgebracht. Und ein paar postkartentypische Fotos von Strand, Wellen, Sand und Wolken. Das Licht sei wirklich sehr schön gewesen. Er habe sich auf mehr nicht einlassen können und wollen, da die maritime Ästhetik so dominant gewesen sei.

    Ansonsten, so sagte Juergen, sei nicht viel Kreatives gewesen. Der Nordseewind habe seinen Kopf kräftig durchpustet und einigen kreativen Müll beseitigt und das habe erst einmal genügt. Er habe auch nicht groß Rückblick gehalten – dOCUMENTA13 und so -, sondern habe sich einfach nur durch wenig Tun ordentlich zurückgefahren. Und erholt. Drei Wochen lang.

    Buchalov

  • Geschichten zeichnen

    Er rief mich an, elektrisiert, und fragte, ob ich mit ins „Museum Folkwang“ nach Essen fahre, Ausstellungsthema „Geschichten zeichnen“. Das passte ja gut zu dem, was wir gestern in Kleve gesehen hatten.

    Und Juergen war mehr als begeistert als er mit mir durch diese Ausstellung ging. Er fand sich mit seinen Arbeiten wieder, er fühlte sich in der Arbeit mit „KGB“ bestärkt, er sah das, was er auch machte.

    Vier Punkte haben ihn ungemein angesprochen. Darüber hat er im Auto auf der Rückfahrt unentwegt geredet: Erstens das vielfältig Narrative in den Zeichnungen aller Vertreter. Zweitens das Konzeptionelle der Arbeiten. Drittens die zeichnerische Perfektion und die zeichnerische Energieleistung. Und viertens die Kombination von Zeichnung und Film in animierten Künstlerfilmen.

    Ich konnte merken, dass ihm das Alles einen massiven gedanklichen Schub gab, weil sich Juergen mit seinen Arbeiten wiederfand, er war dem, was er da gesehen hatte sehr nahe und wenn das die Speerspitze des Zeichnerischen in der zeitgenössischen Kunst war, dann befand er sich auf Augenhöhe. So meinte er.

    Und deshalb hier noch einmal der Link zu seinen Videos und einem Beispiel, dass ich unten zeige. Und der Hinweis an Boris den Maler, diese Ausstellung unbedingt noch bis zum Wochenende zu schauen. Dann endet sie nämlich.

    Buchalov