„Buchalovs Salon“ im Dezember

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Während ich dies hier schreibe, höre ich im Hintergrund Bob Dylan, eine lange Playlist. Ich schreibe jetzt nicht über Bob Dylan, der gestern den Nobelpreis verliehen bekommen hat, was Juergen schon sehr beschäftigte, wie er sagte, weniger der Nobelpreis als Dylans Leben, seine Absichten, seine Rollen, das Prinzip des Verschwindens und all diese Dinge um ihn herum,  und was dies alles mit uns zu tun hat.

Nein, ich schreibe über unseren Salon von gestern, über „Buchalovs Salon“ im Dezember. Weil dies etwas mit uns zu tun hat, unserem heutigen Leben und unserer kleinen Welt.

Juergen meint, das klinge ein wenig zu groß. Schließlich hätten wir uns im Salon ja nur unterhalten, unterhalten über unsere momentanen Projekte, über die Möglichkeiten eines offenen Kunstbegriffes, über die Bedeutung von Galerien und über den Zustand der Ateliergemeinschaften am Ostwall. „Der Kosmos“ als künstlerischer Gegenstand bei Beuys, einer Malerin aus Rees und bei Juergen sei auch besprochen worden. Klar, auch Bob Dylan sei anwesend gewesen. Und zu seinen neuesten Drucke habe er, Juergen,  auch etwas sagen dürfen.

Der Nusszopf sei aber der heimliche Star des Nachmittags gewesen, keine Frage. Ich stimmte ihm zu.

Buchalov

 

 

 

über die Wirkung von und die Veränderung durch Kunst

Wirkung ja: darin waren sie sich einig. Kunst hat Wirkung. Jedes Werk hat Einfluss auf den Betrachter als Rezipient und beeinflusst das Bewusstsein. Aber das sei eine banale Erkenntnis, da dies für alle Dinge des Lebens gelte, die wir mit unserer Wahrnehmung aufnähmen.

Veränderung durch Kunst? Ja, sagte Juergen. Nein, meinte Rudolf der Bildhauer.

Und genau zu diesem Zeitpunkt der Diskussion traf ich die beiden. Während der eine vom Glauben an die Veränderung sprach und dass er genau wisse, dass dies nicht messbar sei, dass aber Kunst auf das Bewusstsein wirke, kleinschrittig zwar, und daher zwangsläufig auch zu verändertem oder in Nuancen veränderten menschlichen Verhalten führe. Dieser Eine war Juergen. Mit dem moralischen und belehrenden Zeigefinger rumzulaufen sei allerdings unsinnig, ergänzte er.

Rudolf der Bildhauer dagegen lehnte dies grundlegend ab, da es spekulativ sei, sich der Messbarkeit entziehe und nur als Vorwand zur eigenen Rechtfertigung künstlerisch- gesellschaftlicher Aktivitäten diene. Damit machten sich die Künstler „selbst froh“ und versuche seine Aktivitäten zu legitimieren.

„Zu was den die Kunst dann diene?“, fragte Juergen. Und Rudolf meinte: „Sie dient nur uns, den Künstlern, unserem Selbst. Sie wirkt durch unser eigenes Tun nur auf uns, die Macher. Wir verändern uns durch unsere Kunst!“

Buchalov

Dekoration und Kunst

Buchalov hat leicht verächtlich am 23 -03-2011 geschrieben: Dekoration sei der zentrale inhaltliche Kern dieser Vernissage gewesen, die er mit Frau R. besucht habe. Und er meinte dies nicht als Kompliment.

Ein paar Gedanken sollten aber dazu verwendet werden.

„Dekoration“ bedeutet „Verzierung, Verschönerung“ und eine Kunst, die so bezeichnet wird und die vielleicht auch so auftreten möchte, ist damit inhaltich festgelegt: sie will einem Schönheitsideal – was Schönheit nun sein soll, möchte ich an dieser Stelle offen lassen, weil sich da ein weiteres Feld des Diskurses auftut – sie will also einem irgendwie gearteten Schönheitsbegriff entsprechen. Damit ist man bei einem Kunstbegriff angelangt, der funktional die Umsetzung dieses Schönheitsbegriffes anstrebt und zum Gehalt seiner Bilder macht. Dies entspricht aber nicht einem modernen Kunstbegriff. Und gegen diese vormoderne Vorstellung von  Kunst, die Buchalov in dieser Ausstellung  gesehen hatte, wettert er.

Dann muss jetzt logischerweise die Frage gestellt werden, was Kunst denn auch noch sein kann: der Versuch eine Welt wahrzunehmen, sie abzubilden und in der Abbildung zu verstehen? Oder ist Kunst vielleicht der Versuch,  bisher so nicht Gedachtes kreativ zu fassen? Ist sie vielleicht etwas, was nichts mit Gesellschaft zu tun hat, sondern nur der Persönlichkeit des Kunstschaffenden entspricht? Oder ist sie ohne gesellschaftlichen Bezug nicht denkbar und schöpft aus diesem Reservoir der Themen? Ist sie immer politisch? Darf sie niemals politisch sein? Ist sie nur das Spielen mit Farbe, Form und Sonstigem? Und, und, und…

Ich denke, dass Buchalov vorschnell eine Aussage dazu getroffen hat, was Kunst eigentlich ist, was sie leisten kann/ soll, was sie für Inhalte hat und mit welchem ästhetischen Repertoire sie sich realisiert.