Schlagwort: Malerei

  • möglichst wertfrei

    Es ist nicht die Frage, ob uns ein Bild oder Werk gefällt.  Es darf nicht um eine Wertung in der Form „Daumen nach oben oder unten“ gehen. Wir sollten uns möglichst wertfrei auf das, was wir da sehen, einlassen. Natürlich nur, wenn dies möglich ist und wir dazu in der Lage sind. Und wir sollten darüber nachdenken oder kommunizieren, was den Künstler wohl zu solch einem Ergebnis bewogen oder welche Wirkung das Gesehene auf uns hat – was wir für uns aus der Betrachtung mitnehmen können. So verankern wir uns im Leben.

    Das war eine der zentralen Aussagen bei der Eröffnungsrede der Ausstellung am Samstag morgen. Juergen hatte mich gebeten ihn zum Foyer des Gelderner Rathauses zu fahren. Die „Freizeitkünstler Geldern“ hatten dort die Vernissage zu ihrer dreizehnten Ausstellung mit dem Titel „nah und fern“.

    Und eine der Ausstellenden hat uns beiden dann genauestens bei einem Glas Orangensaft und Sekt erklärt, was sie sich bei der Umsetzung des Themas gedacht hat und warum ihr Bild so wurde wie es wurde. Sie war stolz auf ihr Ergebnis. Zu Recht, fand Juergen. Denn ihre Vorgehensweise bei der Umsetzung der Aufgabe war ungewöhnlich und zeugte von Einfallsreichtum: auf der Rückseite der Leinwand wurden mit Hilfe von Sperrholz drei hintereinander geschaltete bemalte Ebenen geschaffen, die den Eindruck von Räumlichkeit und einem „Schaukasten“ erzeugten.

    Buchalov

  • digitales Zeichnen: Erkenntnis eins bis vier

    Wir reden oft darüber, Juergen und ich, und versuchen auszuloten, was es denn mit dem digitalen Zeichnen – wie wir es nennen – so auf sich hat. Ich werde in den nächsten Tagen ein wenig über Jürgens persönliche Erfahrungen  des praktischen Herantastens an dieses Thema berichten.

    Erkenntnis eins: die Liste der zeichnerischen Techniken, von der Benutzung der Zeichenkohle bis hin zur Verwendung des Filzstiftes oder auch des schwarzen Kaffees, ist  durch die Verwendung des digitalen Zeichenstifts auf dem Zeichenbrett, iPad oder iPhone mit dazugehörigen Zeichenprogrammen  erweitert worden. Die Verwendung dieser digitalen Technik ist legitim und findet immer stärkere Verbreitung, auch wenn dies den zeichnerischen Traditionalisten bisweilen nicht so recht ins Konzept passt.

    Erkenntnis zwei: wie  jede Technik besitzt auch diese ihre individuelle Eigenart und muss im Einsatz erlernt und erprobt werden, um zu verwertbaren und zeigbaren Ergebnissen zu kommen.

    Erkenntnis drei: Im Erproben werden die Spezifika dieser Technik wahrnehmbar und erfahrbar. Ihre Kenntnis ist für die Bildgestaltung mehr als bedeutsam.

    Erkenntnis vier: Man ist nicht alleine, siehe David Hockney in diesem Video auf Arte. Und der dort getätigte Satz Satz von Auge, Hand und Herz, die man zum Malen/Zeichnen benötigt, und der auch beim Einsatz digitaler Techniken seine Bedeutsamkeit hat, gefiel besonders.

    (Fortsetzung folgt)

    Buchalov

  • projektraum-bahnhof25.de

    Es regnete. Und Juergen hatte zu einem zweiten Frühstück bei sich eingeladen. Wir saßen, schauten, dachten nach, redeten. Rückblick halt.

    Gestern waren wir in Kleve, Vernissage im Projektraum-bahnhof25.de. Elisabeth Schink und Dirk Knickhof haben sich da im Norden des Kreises mit Bezug zu den Niederlanden eine kleine Kunstoase als Ausstellungsraum geschaffen. Und zeigen wirklich Aufregendes. Auch gestern.

    Juergen fragt sich nach solchen Besuchen immer, was er denn nun an Außergewöhnlichem gesehen habe, solches, dass tiefer wirkt, das einem Aha-effekt  gleichkommt. Etwas, dass man mitnimmt und was auf die eigene Arbeit wirkt.

    Das waren gestern ohne Zweifel die Arbeiten von Sabine Rolli und die von Maren Rombold. Irgendetwas war da,  das durch  Bilder von Sabine Rolli schlich, etwas nicht genau zu Fassendes, leicht unheimlich, verstörend. Dabei kamen sie  doch so „normal“ daher. Das spricht an und lässt suchen und verweilen. Und die Zeichnungen bzw. Collagen von Maren Rombold an den Wänden oder in ihren Büchern erzählten Geschichten. Kleine Storys. Das mögen wir Menschen und deshalb vertiefen wir uns. Da werden wir erreichbar. Das fand Juergen auch gut gelungen.

    Und in einem waren Juergen und ich uns einig: Wir haben wieder mal eine Einführungsrede gehört, deren Nichtexistenz die gleiche Wirkung hätte wie ihre Existenz. Juergen redet deshalb bei seinen Ausstellungen mittlerweile immer selbst.

    Buchalov