Schlagwort: Malerei

  • Surium 29-05-2011

    Gestern war auch die Presse bei uns vor Ort. Solche Termine sind ambivalent: auf der einen Seite benötigt man die öffentliche Darstellung um die Leser auf das Alte Wasserwerk und die Aktivitäten dort aufmerksam zu machen. Auf der anderen Seite habe ich immer ein wenig das Gefühl, mich „zu prostituieren“ – dies im Besonderen, wenn die Fotografen um die Teilnahme an gestellten Bildern bitten.

    Die Besucher, die gestern den Weg zu uns gefunden haben, hatten weniger Interesse an unserer Kunst und dem Prozess des Entstehens. Sie waren In erster Linie an Ausstellungsmöglichkeiten im Alten Wasserwerk interessiert. !

    Die Besucher heute, und es waren sehr viele, kamen wegen der Bilder, des Arbeitsprozesses und weil sie uns einfach besuchen wollten. Wir haben uns gut unterhalten. Es war sehr schön, teilweise anstrengend und man musste schon schauen, dass man zum Arbeiten kam. Ich hoffe nicht, das wir ungehalten gewirkt haben.

    Nanni nähert sich ihrer Begriffsbestimmung von „Surium“ an. Sie glaubt, es sei ein Seelenzustand, ein positiver. In den Bildern findet sie den Zustand noch nicht, sie sind zu seicht, aber sie ist guter Dinge eine Einheit zwischen den Bildern und dem Seelenzustand „Surium“ herstellen zu können.

    Bei mir ist „Surium“ der süsse Stoff. Er verbirgt sich im Inneren der Wabe, der ich mich immer noch von außen nähere. Ich versuche in sie einzudringen.

    Und Monika, so glaube ich, sucht noch. Sie nähert sich dem Begriff an, indem sie ganz kleinschrittig und sorgsam filigran an ihrem Skulpturenbaum arbeitet. Sie streitet es zwar ab, aber dieses Arbeiten ist spielerisch, so wie ein kleines Mädchen in sein eigenes Spiel mit den Materialien des großen Gartens vertieft ist. Monika hat Draht verbogen, Perlen verarbeitet und viele kleine Steine aus dem Boden einzeln herausgeholt. Sie glaubt, dass es kleine Suriums sind. Oder versteinerte Drachenzähne.

  • Surium 28-05-2011

    „Phase 0“, die Phase der Vorüberlegungen und Planungen, hat begonnen und ist bei mir auch schon beendet. Nanni und Monika tasten sich noch inhaltlich heran, sie lassen sich vom Fortgang der Arbeit treiben. Ich arbeite in diesem Punkt ja immer anders und mache mir vorher schon viele Gedanken. Es darf aber nicht so sein, dass die gedankliche Planung dann im Arbeitsprozess keine prozessorientierte Veränderungen mehr zulässt. Das wäre schlecht. Das gedanklich Vorgeplante darf nur der „grobe rote Faden“ sein, alles andere muss offen für Spontanes und Experimentelles sein. So gehe ich immer vor – das bin ich.

    Mein Plan sieht so aus: ich habe auf dem Gelände an der offenen Seite eines umgestürzten Baumes ein Wespen- oder Hummelnest gefunden. Ich habe es abgetrennt und ins Wasserwerk getragen. Der Bezug zum Ort ist hergestellt.
    Diese Restwaben sind fuer mich der Behälter, in welchem sich Surium befindet. Surium ist ab sofort für mich ein süßer Stoff.
    In einem ersten Schritt werde ich das Wabengehäuse darstellen, wiedergeben, erforschen, verfremden: ich werde es erkunden, um es zu begreifen. Auch Nachbauen. In seinem Inneren befindet sich Surium, der süße Stoff. Ihn möchte ich finden.
    Sollte ich ihn finden, stelle ich ihn dar, werde versuchen herauszufinden, wie er auf uns Menschen wirkt, wie er unser Sein beeinflusst.

    Aus Klein wird Gross, aus einem kleinen Gedanken wird eine grosse Präsentation, aus einer kleinen Wabe ein Stoff, der unsere Existenz – das ganz Grosse – beeinflusst. Ich arbeite mich von „Außen nach Innen“.

    So bin ich heute auch vorgegangen bei den ersten Schritten in „Phase 1“, der Ausführung. Es sind kleine Zeichnungen von Waben und ein größeres Aquarell entstanden – ebenso die ersten Videoaufnahmen.

    Nanni gefällt dieser Gedanke mit dem „von Außen nach Innen“ und sie sagte, dass die Wabenform sich schon unbewußt in ihren Kopf und ihre Bilder geschlichen habe. Sie hat fünf Leinwände grundiert, Erde aus dem Umfeld des Wasserwerks gesammelt und mit Binder zu Farben verarbeitet, die sie dann aufgebracht hat. Wir haben über die Tiefe im Bild geredet und welche Funktion die Farbe Schwarz dabei hat. Das erste Wasser hat sie ebenfalls gesammelt, wobei es bei diesem trockenen Wetter sehr schwer ist im Umfeld des „Alten Wasserwerks“ Wasser zu finden.

    Monika hat im Außengelände einen kleinen Betonsockel gegossen, im Beton Pflanzen eingearbeitet, so wie sie früher als kleines Mädchen im heimischen Garten Küche gespielt hat und auf flachen Steinen das zerschnittene Pflanzenessen servierte. Sie wollte ursprünglich einen Betonbaum schaffen. Zur letzten gemeinsamen Entscheidung des Tages haben wir uns dann vor diesem Sockel getroffen und eine Eisenstange eingesetzt. Die Rollen waren klar: Monika spontan und schnell in ihrer Entscheidung, ich vorsichtig und abwägend, und Nanni stark abwägend und vor diesem entscheidenden Schritt Sorgfalt einfordernd. Jetzt steht das Ganze, wirkt auf uns, und Monika scheint – jedenfalls wirkte sie sehr selbstsicher – jetzt klar zu wissen, was sie mit dieser Skulptur weiterarbeiten will.

  • der Anfang

    Ich habe Boris in Geldern besucht. In seinem kleinen Atelier duftet, nein riecht es immer nach Ölfarbe und  Leinöl. Boris arbeitet momentan an Landschaften – seltsamen Landschaftsausschnitten mit Personen, die Dinge zu erledigen scheinen. Aber was sie machen ist unbestimmt.
    Wenn er so weit sei wie jetzt, sagte Boris, sei das Schlimmste schon überstanden: der Anfang. Er habe immer Angst vor der weißen Leinwand. Wie der Torwart vorm Elfmeter.
    Aber da müsse man eben durch – immer wieder!
    Buchalovs