Der Frühling kommt, und er wird unruhig.

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„Der Frühling kommt und ich werde unruhig“ sagte Juergen zu mir. Er sagte es fast beiläufig und total aus dem Zusammenhang heraus, während er über ein Blatt gebeugt zeichnete, eine Skizze. Aber die Bemerkung ist wichtig. Wenn er unruhig wird, dann bezieht sich das nämlich auf sein Fernweh, glaube ich. Und auf die erwachende Lust am Neuen in der Ferne.

Es stimmt: wir haben nur noch zwei Wochen, dann geht es wieder los, in den Süden. Ich bin gespannt, was er diesmal an Material mitnehmen wird. Zeichnen, fotografieren und kleben: das könnte es wohl sein, was vor Ort erledigt wird.

Wenn ich Juergen beim Arbeiten im Atelier zusehe, denke ich, dass alle seine momentan entstehenden Arbeiten ab sofort auf diesen Zeitpunkt hin angelegt sind. Es geht aufs Winter-Ende zu. Das Enge hat dann auch ein Ende. Das Offene kommt. Bald wird wieder der Hashtag  „#unterwegs“ verstärkt auftauchen. Da bin ich mir sicher.

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OrtsMarken Römö und Montroig-Bahia

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Auf einer der vielen Fahrradrundfahrten auf Römö im Juli letzten Jahres sei er bei einer kleinen Picknickpause über diese Marke gestolpert, so Jürgen. Er könne sich auch immer noch gut an die vielen Trödelstände auf der Insel erinnern. Für ihn seien das echte Höhepunkte gewesen. Überhaupt: was für ein Strand auf dieser Insel!

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Und das hier sei ihm am Strand von „Montroig- Bahia“ in Spanien vor die Füße gefallen, da wo Miro von der „Mas Miro“ aus immer an den Strand gegangen sei. Miro habe dort im Meer gebadet, seine Gymnastik gemacht und Fundstücke vom Strand in sein Atelier mitgenommen, so sagt man.

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„Mas Miro“, Teil 2

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Mig, Juergen und ich sind mal wieder zur „Mas Miro“, dem ehemaligen Wohnsitz und Atelier von Joan Miro gefahren. Es gab einen Tag der offenen Tür und die Mitarbeiter der „MasMiro Foundation“ empfingen uns und waren sehr an unserer Zufriedenheit interessiert.

Wir durften umherstromern, auf dem Gelände und in den Gebäuden, und alles begutachten. Was wir auch zwei Stunden lang taten. Miros Studio oder Atelier hatte es uns besonders angetan. Am besten lasse ich die Fotos sprechen:

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Montroig del Camp

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Montroig del Camp, Name des Fotografen und Jahr unbekannt

Es sind ungefähr 15 km von hier am Strand in die Berge nach „Montroig del Camp“. Mt dem Fahrrad für Juergen kein Problem. Vor ein paar Tagen war er dort, hat sich an den Ortsrand gesetzt, die Silhouette des Ortes betrachtet, fotografiert und die Luft geschnuppert. Und schon war eines von Miros Bildern der frühen Jahre in seinem Kopf.

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Montroig del Camp, 1916, Joan Miro

Vorher hat er sich „Mas Miro“, den Bauernhof, auf dem Miro seine Jugend verbracht hat, von außen angeschaut.

Dann ist er in die Berge, in den Ort hineingefahren, hat den Hügel zum Museum erklommen und sich dort das, was man hier von Miro, dem Ehrenbürger der Stadt, gesammelt hat, angesehen. Die beiden Photos oben hat er dort geschossen.

Das Museum wird in diesem Jahr wohl geschlossen werden. Ueber das Museum habe ich schon letztes Jahr berichtet, s. hier: https://juergenkuester.net/2017/05/01/miroland/

Und diesmal? In einem Kauderwelsch aus Englisch und Spanisch hat Juergen sich lange mit der Dame an der Rezeption ueber die Anfänge Miros hier im Umland, ueber die bäuerlichen Spuren in den Bildern und ueber die aktuelle Politik in Katalonien unterhalten.

Und dann ist er im Museum, das nur aus einem Raum besteht, dem alten Kirchenschiff, umhergeschlendert und hat den Parcour sicher viermal bewältigt.

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„Mas Miro“

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Gestern war der 20. April. Vor genau 125 wurde Joan Miro in Barcelona geboren: ein besonderes Datum also.

Und Juergen und ich sind daher gestern zur „Mas Miro“ gefahren, dem Bauernhof auf dem Joan Miro seine Jugend verbrachte und bis zu seinem Tod auch eines seiner Ateliers besaß. Die „Mas Miro Foundation“ hat jetzt hier das Sagen. Der Ort liegt ganz in der Nähe unseres Stellplatzes. Dort wurde der Tag mit einem Festakt gebührend gefeiert. Aber ohne Einladungskarte hatten Juergen und ich bei den vielen geladenen Honoratioren keine Chance: wir mussten draußen bleiben und wieder unverrichteter Dinge abziehen.

Vor Tagen allerdings, als das Gelände und der Ort noch frei zugänglich waren, jetzt ist alles hermetisch abgeriegelt,  war  Juergen schon einmal mit dem Fahrrad dort und hat sich vor dem Gebäude und auf dem Gelände ein wenig umgesehen. Ein Schild mit „Zutritt verboten“ hat er nicht gesehen. Jürgen hat – wie immer –  „OrtsMarken“ fotografiert.

Und zum Andenken an Joan Miro und seinem Geburtstag hat er nun dreizehn schwarz – weiß – Skizzen auf der Basis dieser „OrtsMarken“ erstellt, die im Winter, wenn er wieder in seinem Atelier arbeitet, zu Papercuts oder großformatigen Holzschnitten werden sollen. Mal schauen!

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irgendwann macht es Klick

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Wir sind wieder unterwegs, Juergen und ich, und stehen mit dem Wohnmobil im Miroland, genauer in Montroig, in Spanien, wie in fast jedem Jahr. Wir treffen uns mit Freunden und freuen uns, dass wir noch da sind. Hier in der Nähe ist Miro groß geworden. Und Juergen folgt mit dem Fahrrad seinen Spuren im Umland, den biografischen und visuellen.

„Und?“ habe ich Juergen gefragt. „Und was?“ hat er zurückgefragt.

Ich weiß, dass er sich in seiner Kunst momentan treiben läßt. Er hat sich zwar vor der Fahrt so einige Notizen gemacht, über mögliche Themen. Und hat auch einiges an Material eingepackt. Aber ich kenne ihn. Er schaut nun und beobachtetet und wartet. Und Miro ist so einer der roten Fäden, denen er folgt. Aber eben nur einer. Irgendwann macht es Klick und dann wird er beginnen. Ich kenne ihn.

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über die Frische

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„Altbacken wirkt das auf mich“, sagte Jürgen zu mir. „Nicht gerade frisch. Irgendwie modern, aber modern von gestern.“

Wir waren vor ein paar Tagen gemeinsam in Brühl, hatten Jürgens Verwandtschaft besucht und uns auch die Skulpturen und Bilder von Miro im Max Ernst Museum angeschaut -und anschließend die ständige Ausstellung von Max Ernst.

Er hat so etwas schon öfter gesagt in letzter Zeit. Auch wenn er sich Bilder von Klee im Internet angeschaut hat. Dabei war der einmal ein Leuchtturm für ihn. Lang ist’s her.

„Klar“, meinte er. „Sie haben einem was zu sagen, im thematischen und methodischen. Das zeigt ja auch die Tatsache, das ihre Motive und ihre Art zu malen mittlerweile fester Bestandteil des praktischen Kunstunterrichtes sind.“

Ein Räuspern, und dann: „Aber altbacken eben!“

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