Kunst kostet

Ich war bei Juergen. Um 18 Uhr endete sein Projekt „Kunst kostet“, im Rahmen der „Offenen Ateliers in Geldern“, und er hat mir sogleich ein kurzes Fazit, spontan und ungefiltert, gegeben. Zwanzig Euro waren zu zahlen, um sein „Atelier Zelle k4“ betreten zu dürfen und man konnte dafür den Raum besichtigen und eine der vielen ausgelegten Arbeiten mitnehmen. Zu jeder vollen Stunde war für zehn Minuten der Eintritt frei – preview.

1. Keiner habe das Entgelt gezahlt, sagte Juergen. Niemand war bereit für die Besichtigung inclusive Kunstwerk Geld auszugeben. Man hatte entweder kein Geld dabei, wollte einfach nicht, war nicht bereit den Wundertüteneffekt zu versuchen oder sah einfach nicht ein, für Kunst etwas aufwenden zu müssen. Man wollte einen inspirierten Sonntag Nachmittag erleben – mehr halt nicht. Einige fühlten sich in der Konfrontation mit den Besuchsbedingungen auch deutlich unwohl. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit gab es über die von Juergen gesetzten Bedingungen mit den Besuchern allerdings nicht. Gespräche seien in derRegel von ihm selbst initiiert worden.

2. Viele hätten die Handzettel oder die Informationen an der Wand nicht bzw. nur flüchtig gelesen. Einige seien auch schon im Treppenhaus umgekehrt, weil sie die Überschrift „Kunst kostet“ auf dem Hinweisschild gelesen hätten – ohne aber weiter zu lesen.

3. In den zehn Minuten des freien Eintritts habe es nie Probleme gegeben. Das Angebot hätten die Besucher gerne genutzt, man habe aber zehn Minuten Verweildauer als zu kurz empfunden. Und während des freien Eintritts, dies sagte Juergen mit Verwunderung,  habe er dann doch verkauft. In diesen zehn Minuten seien alle seine Verkäufe erfolgt. Da habe er sein Geld eingenommen.

4. Juergen sagte auch, er habe sich bei den Besuchen seiner Kunstfreunde und einiger guter Bekannter sehr schwer getan. Er habe es nicht übers Herz gebracht, von diesen zwanzig Euro Entgelt zu nehmen. Bilder zu tauschen liege ihm da näher.

5. Die Menschen seien total verunsichert bei der Frage, was Kunst sei und was gute Kunst sei. „Wann entscheiden sie sich denn für ein Bild?“, habe er manchmal gefragt und man habe immer geantwortet, dass das Bild einem gefallen müsse. Und bei Nachfrage sagten sie, dass sie nach Gefühl entscheiden würden, aus dem Bauch heraus.

6. Mit ihm habe die Aktion auch etwas gemacht. Sie habe ihm gezeigt, dass das Problem des „wie verkaufe ich erfolgreich zu einem gerechten Preis“ noch lange nicht gelöst sei und er sich eine Strategie überlegen müsse.  Der Warencharakter seiner Kunst sei ihm nun wieder einmal ganz nahe gekommen und die bisherige Praxis müsse er verändern.

Beim Rausgehen haben Juergen, Boris der Maler und Rudolf der Bildhauer noch heftig über die zwei Tage und Juergens Aktion gefachsimpelt. Es fielen Stichworte wie „Schmerzgrenze, Galeristenfaktor zur Berechnung des Bildwertes, Schnäppchenmarkt, gerechter Preis, Marktpreis, Künstler arbeiten für lau, Drucksituation, Konsequenzen“ und mehr. Die Aktion hatte sie scheinbar sehr sensibilisiert.

Ich habe da erst einmal geschwiegen.

Buchalov

For my english friends:

Juergen told me immediately after finishing his project „art costs“, as part of the „open studios in Geldern“ on this weekend, what he was thinking about it all – a short conclusion, spontaneous and unfiltered given. The visitors hat twenty Euros to pay: than they could visit Juergens studio, it was allowed to go to see the area and to take one of the many designed works. At the beginning of the hour – for ten minutes – the admission was free – preview.