Schlagwort: photo

  • das Meer

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    Er wisse, meinte Juergen, dass es ein Klassiker sei. Das Meer gehöre zum Menschen wie die Steine, der Wind, die Tränen, die Boote, die Augen, das Lachen und und und. Und er wisse natürlich auch, dass es dazu nicht Neues mehr darzustellen gebe. Alles sei schon gezeigt worden von diesem Wasser, von der „prima materia“.

    Aber dennoch: er werde sich dem stellen und schauen, was das Meer dieses Jahr bei ihm auslöse. Denn das Meer ist nicht nur das Meer, sondern es ist ebenso etwas Großes. Etwas Emotionales. Oder die Ferne. Oder der Horizont, die Weite. Es stehe für die Sehnsüchte, den Wind, die Kraft, die Wellen, das Strömen.

    Ich sehe ihn,  wie er jeden morgen von seinem Stellplatz mit dem Wohnmobil rüber zum Meer geht, schaut, aufnimmt wie es heute ausschaut und dann macht er ein paar Photos.

    „Als Lato das Meer sah“ so lautet der Titel der Serie, in die das alles einfließen soll. So sein Plan.

    Buchalov

  • Marokko: eine Zeitreise

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    Juergen meinte gestern zu mir, dass es jetzt genug sei mit den marokkanischen Zeichnungen. Es gehe nicht weiter.

    Und ich fragte, was es denn nun gewesen sei? Ob sich Erkenntnisse ergeben hätten?

    Juergen erzählte mir dann von den Fünfzigern als er mit seinem Vater hinten im Garten die Hühner und Kaninchen geschlachtet habe. Und von der einmal jährlich stattfindenden Hausschlachtung. Er erzählte von seinem Onkel, der Gerber gewesen sei und wie er und seine Schwester als kleine Kinder zwischen den riesigen Betonbottichen mit der dunkel stinkenden Brühe beim Besuch der Tante Fangen gespielt hätten. Er erzählte mir von den Pferdegespannen, die im Dorf umhergefahren seien, von den langen Strecken, die er zu Fuss habe zurücklegen müssen, um irgendetwas zu erreichen, und  von den Fahrten auf dem Fahrrad in seiner Hüttensiedlung.

    Und das, genau das, sei ihm jetzt in Marokko wieder über den Weg gelaufen. Er sei zwar im Orient gewesen und habe sich dennoch ein wenig gefühlt wie in den Fünfzigern. Er habe teilweise gesehen,, was er schon einmal gesehen habe. Und er habe mal wieder einen Blick in das Gestern getan.

    Und daneben dann aber auch die SUVs, die es überall gäbe. Dann dieser Moloch Casablanca, diese glitzernde Stadt mit den Glasfassaden, die so auch in der deutschen oder europäischen Großstädten hätten stehen können, die Amerikanisierung an jeder Ecke, hier McDonalds, dort Modelabels wie Zara oder andere. Das Gleiche in Agadir, ein Hotelkomplex neben dem anderen. Dann die Autobahnen, die er so auch aus Frankreich kenne. Die Aufzüge in den Hotels, die alle von deutschen Firmen hergestellt worden seien.

    Buchalov

  • Marokko: wie jemand zu mir geredet hat, den ich gar nicht kannte

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    In Marakkesch ist Juergen krank gewesen. Zwei Tage lang hat er im Hotelbett mit einem grippalen Infekt, hohem Fieber und einem Mangel an Medikamenten verbracht. Und er habe, so sagte er mir, jemanden gehört, der zu ihm geredet habe, jemandem, denn er nicht gekannt habe.

    Und dann seien plötzlich doch die Medikamente da gewesen, von den Mitreisenden an ihn weitergereicht. Medikamente, die der marokkanische Reiseführer zusätzlich in der Pharmazie besorgt habe. Und man habe nach seinem Befinden gefragt, ihm Hilfe angeboten und wenn er sich zum Essen geschleppt habe, stets gefragt wie es gehe und ihm alles Gute gewünscht.

    Und das sei das Schöne gewesen: man sei einfach, gleichgültig, wo man sich in der Welt befinde und wie es einem gehe, nicht alleine. Irgendjemand rede immer zu einem. Irgendjemand sei immer an der Seite und helfe.

    Buchalov