Bewußtsein

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„Bewußtsein, sich der Dinge bewußt sein.“

Das war das Thema als ich zufällig vorbeikam und „Hermann, den Vernetzer“ mit Juergen sah. In Zelle k5. Juergen pflegte mal wieder seinen Hang zum Monologisieren. Aber „Hermann, der Vernetzer“ klinkte sich geschickt immer wieder ein, so dass sie beide tatsächlich gemeinsam gedanklich und kommunikativ vorankamen.

Und das war der Weg:

Sie waren sich beide bewußt, dass ihre Art zu denken und zu agieren innerhalb der Ateliergemeinschaft eine Sonderstellung einnimmt.

Sie waren beide beseelt von dem Gedanken, dass der Tod im Inneren des Menschen schon im Hier und Jetzt in einem angelegt ist und nicht nur die abschließende Phase im menschlichen Leben darstellt, sondern das Leben jetzt schon bereichert.

Sie machten sich beide zudem bewußt Gedanken über ihrer beider Mitgliedschaft bei „crossart international“ und welche Auswirkungen es wohl auf ihre Aktivitäten haben könne.

Selbstbewußt, aber auch kritisch, reflektierten sie ihren momentanen künstlerischen Entwicklungsstand und die Ergebnisse ihrer aktuellen kreativen Arbeit.

Beide nahmen sie die Einzigartigkeit des anderen anhand der Werke und deren Präsentation in ihren beiden Atelierräumen wahr.

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Und wie  der es Zufall will, finde ich beim Blättern in Juergens Unterlagen folgende Notiz von 2013:

Im Kopf beginnt es. Was wir über die Dinge denken, bestimmt unser Handeln.

Sich öffnen beginnt im Kopf. Ängste beginnen im Kopf.

Bewusstsein ist der Zustand des sich bewusst werdens über dasLeben

Buchalov

Über das Schreiben im Blog, die Motivationen und den Sinn und die Ergebnisse

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Er gab mir einen Zettel. Juergen sagte zu mir, dass er Frau R. getroffen habe und dass sie sich im Café am Markt intensiv über das Bloggen unterhalten hätten. Das Ergebnis stehe auf dem Zettel. Ich solle mal ganze Sätze daraus machen und es dann veröffentlichen.

Also:

Satz 1: das Schreiben des Blogs sei Selbstdarstellung.

Satz 2: das Schreiben seines Blogs diene der Präsentation seiner Werke. Der Blog sei sein Schaufenster. Sein Werkverzeichnis sei der Blog nicht. Und die Umsetzung kommerzieller Interessen sei mit dem Schreiben im Blog nicht beabsichtigt.

Satz 3: die Anzahl der Besucher und die Anzahl der Zugriffe auf die Seiten sage rein gar nichts aus über die Qualität der Beiträge. Oder über die Qualität der Kommunikation.

Satz 4: Wer könne eigentlich einen genauen Nachweis darüber führen, in wie weit der Blog die eigene Vermarktung fördere?

Satz 5: das digitale und analoge Leben seien für ihn ein Leben.

Buchalov

 

was bleibt

IMG_8437„Ich will, dass was bleibt“, meinte Juergen heute morgen ganz entschieden zu mir.

„Wie kommst Du darauf?“, fragte ich.

„Wer redet heute denn noch von Hans Dieter Hüsch, Heinrich Böll oder Jörg Iimmendorf oder Christoph Schlingensief oder Peter Maschke?“, antwortete er.

Und „Hermann, der Vernetzer“, der ebenfalls anwesend war, ergänzte, dass nicht wichtig sei, was bleibe, sondern, das, was im „Hier und Jetzt“ geschehe: das Leben leben. „Zen“ eben!

Buchalov

über die Wirkung von und die Veränderung durch Kunst

Wirkung ja: darin waren sie sich einig. Kunst hat Wirkung. Jedes Werk hat Einfluss auf den Betrachter als Rezipient und beeinflusst das Bewusstsein. Aber das sei eine banale Erkenntnis, da dies für alle Dinge des Lebens gelte, die wir mit unserer Wahrnehmung aufnähmen.

Veränderung durch Kunst? Ja, sagte Juergen. Nein, meinte Rudolf der Bildhauer.

Und genau zu diesem Zeitpunkt der Diskussion traf ich die beiden. Während der eine vom Glauben an die Veränderung sprach und dass er genau wisse, dass dies nicht messbar sei, dass aber Kunst auf das Bewusstsein wirke, kleinschrittig zwar, und daher zwangsläufig auch zu verändertem oder in Nuancen veränderten menschlichen Verhalten führe. Dieser Eine war Juergen. Mit dem moralischen und belehrenden Zeigefinger rumzulaufen sei allerdings unsinnig, ergänzte er.

Rudolf der Bildhauer dagegen lehnte dies grundlegend ab, da es spekulativ sei, sich der Messbarkeit entziehe und nur als Vorwand zur eigenen Rechtfertigung künstlerisch- gesellschaftlicher Aktivitäten diene. Damit machten sich die Künstler „selbst froh“ und versuche seine Aktivitäten zu legitimieren.

„Zu was den die Kunst dann diene?“, fragte Juergen. Und Rudolf meinte: „Sie dient nur uns, den Künstlern, unserem Selbst. Sie wirkt durch unser eigenes Tun nur auf uns, die Macher. Wir verändern uns durch unsere Kunst!“

Buchalov

rühren im Thementopf

Juergen und ich haben eine kleine morgendliche Radtour gestartet, sind aber nicht weit gekommen, bis zum Alten Wasserwerk eben und haben dort mit den Ausstellern Frau B. und Herrn L. „geplauscht“ und ein kühles Wasser getrunken.

Wir sahen die Bäume, spürten den Wind und der Himmel lag wolkenlos blau über uns. Und schon ging es um Sehnsucht, um Sicherheit, um Grenzen, um Schmerz und warum wir bestimmte Dinge tun. Es war so ein Rühren im Thementopf, ohne klare Lösungen oder Antworten. Versuche der Orientierung eben.

Juergen meinte auf dem Rückweg, dass das Kreative, wenn man es den ernst betrachtet, oder in Form bringt, einen immer zu solchen Themen führt. Zwangsläufig.

Buchalov

sehr nahe

Als ich im Atelier von Juergen eintraf, saß er bei Rudolf, dem Bildhauer, sie tranken Kaffee und  sie redeten. Es ging um die Sinnhaftigkeit ihres Tuns. Und seine Wirkung auf sich selbst oder die Anderen. Sie redeten vom Meer der Kunst und dem Meer an Künstlern in diesem Meer.

Rudolf meinte, dass er oft hier stehe, über seine Sachen schaue und sich frage, was davon wie auf die Menschen wirke und was schließlich bleibe.  Jürgen hörte sehr genau zu. Sie fühlten sich offenbar sehr nahe.

Buchalov

die Welt verändern

Für mich ist das keine Frage, sondern ein Faktum: meine Maschine in der Garage verändert sich durch mich. Und sie verändert den Raum, in welchem sie steht, indem sie läuft und wirkt. Es geht um Gerüche, Vibrationen, Veränderungen des Lichts.

Sie verändert auch mich. Denn ich liebe sie. Diese Veränderungen trage ich hinaus in die Welt außerhalb der Garage. Damit wirke ich auch wieder auf die Dinge, die mich dort umgeben.

Also ist es keine Frage, sondern ein Fakt: kreativ geschaffene Dinge verändern die Welt, klein und minischrittig zwar, aber es geschieht. Dahinter steht keine zielgerichtete Absicht, sondern das Hoffen auf eine Wirkung der Dinge, die so geschaffen wurden.

Das gibt meinem Leben einen Sinn.

Buchalov