der Schatten ist der Zwilling, Teil 1

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„Wo kommt das denn her?“, fragte ich.

„Es gibt schon mal so Sätze oder Worte, von denen weiss man, dass sie etwas bedeuten, wichtig sind, aber weil sie in der Zeit immer wieder auftauchen, wird deutlich, dass sie wirklich bedeutsam sind. Sie tragen. Da kommt das her“, sagte Juergen.

„Was meinst Du damit genau?“, fragte ich. Bei verschiedenen Themen sei ihm immer wieder der Schatten eines Gegenstandes, die Verdoppelung bei der Bildkomposition, die Symmetrie von etwas, der Zwilling als Zwilling, das ungenau Identische und solche Sachen eben über den Weg gelaufen. Und jetzt habe er dafür einen Titel gefunden: der Schatten ist der Zwilling. Dazu werde er jetzt arbeiten.

Er hat mir das gegeben, was da schon mal eher zufällig vor Zeiten entstanden ist und ich zeige es hier. Vielleicht haben es einige schon mal hier gesehen.

Neue Skizzen gibt es allerdings auch. Doch die zeigen wir später!

Buchalov

Latos kasachisch – kaskadischen Skizzen

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Vor Jahren schon, so Juergen,  habe er diese Idee gehabt: die Vorstellung von einem Ordner, einer Schublade, in der er alle die Zeichnungen und Skizzen und Drucke und Fotos sammle und horte, die erst einmal durchs Raster gefallen seien, die thematisch keinen Platz gefunden hätten, deren Qualität zweifelhaft sei, die man aber nicht Vernichten könne und solle. Die Überschrift zu diesem Ordner sei „Latos kasachisch kaukasische Skizzen“. Zugegeben; ein sperriger Titel. Aber auch fremd und auch komplex und zudem auf die Weite weisend. Mittlerweile habe sich darin schon ganz schön vieles angesammelt.

Hier ein paar Beispiele:

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notes

 

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Es bleibe dabei: zeichnen und drucken und fotografieren und lesen führe zur Klärung, mache den Kopf klar und kanalisiere das, was in der Pandemie so unfassbar sei – von der Verzweifelung, den Zweifeln, den Verschwörungstheorien bis hin zum Blick auf die Weidenkätzchen. Ab sofort, so sagte Juergen mir, werde er alle zukünftigen Arbeiten in diesem Zusammenhang, andere Arbeiten wird es sicher auch geben, unter dem Arbeitstitel “corona notes” laufen lassen. Er wolle einfach freier arbeiten – nicht so eng an diesem momentan alles bestimmenden Thema und den Bogen dabei einfach zeichnerisch und drucktechnisch, auch fotografisch, weiter schlagen – Irrweg und Zufall mit eingeschlossen. Alles, was bisher in diesem thematischen Zusammenhang entstanden ist, auch seine Tagebuchzeichnungen von Tag 1 bis 14, werde er dort natürlich subsumieren. Am Ende stehe dann vielleicht etwas mehr Klarheit und ein selbstgebundenes Buch. Oder seine Wand im Atelier – neu gestaltet. Mal schauen!

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P.S. Und andere Themen gibt es ja auch noch zuhauf, zum Glück!

„als Lato sich isolierte“: Tag 1 bis 3

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Die einen schreiben ein Tagebuch. Andere zeichnen jeden Tag ein Blatt oder mehrere – auch eine Form von Tagebuch. Das scheint Juergen jetzt auch zu machen, wahrscheinlich zeitlich begrenzt, wie er sagt. Und er fotografiert.

(Es gab einen Tag, an dem in Deutschland das gesellschaftliche und soziale Leben in einem ersten Schritt auf ein Minimum zurückgefahren wurde. Am 13-03-2020 ging auch Jürgen in die private soziale Quarantäne und richtete sich unterm Dach seinen Zeichentisch ein. Die dort entstandenen Zeichnungen und Fotos gehören zum Themenblock „als Lato sich isolierte“.)

Juergen sagte mir, dass es gar nicht so einfach sei neue Bilder für das zu finden, was da gerade geschehe. Und mit uns geschehe. Und wie es auf uns wirke. Aber er versuche es, zeichnerisch und fotografisch.

Tag 1: es beginnt

Tag 2: es wird gesungen

Tag 3: der Blick nach Innen

Es werden in den nächsten Tagen sicher noch einige Zeichnungen und Bilder folgen, denn nicht nur Handhygiene, sondern auch Psychohygiene sei angesagt. Zeichnen befreie. Zeichnen schaffe Klarheit. Zeichnen bedeute ablegen, weglegen, erledigen, verstehen. So denkt Juergen sich das jedenfalls und versucht zu verstehen, was da jetzt mit allen und mit ihm geschieht. Auf seine alten Tage sei er jetzt auch noch Teil einer Pandemie. Nicht zu glauben. Zeichnerisch könne er da vielleicht was für sich klären.

Zu Lato hat Juergen schon viele Arbeiten erstellt. Wer Zeit und Lust hat, kann ja hier mal reinschauen: >>> Lato <<<

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P.S. „Im Vertrauen“, sagte Juergen zu mir. Es seien zwei Punkte mit denen er momentan zu kämpfen habe: wie finde man neue Bilder für solch eine Kathatrophe wie diese Pandemie. Und es müsse mieses Papier sein, auf dem gearbeitet werde, es müsse stümperhaft gezeichnet werden, es müsse verschwommen fotografiert werden, und das alles, um den morbiden Charakter der Situation, dieses Gebrochene, diese fatale Dynamik rüberzubringen. Er tue sich schwer damit. Das müsse er für sich so erst einmal akzeptieren.

er hat aus dem Fenster gesehen

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Keine Frage: Juergen hat sich gelangweilt. Er ist durch die Ateliers der Ateliergemeinschaft in Geldern „gestromert“, hat zu dem einen oder anderen Fenster rausgeschaut,  und landete im gemeinsamen „Raum fürs Grobe“, da wo die Werkbank steht und die Maschinen auf ihren Einsatz warten. Dort hat er den Müll durchsucht und eine bemalte Pappe gefunden. Die Malgruppe von Andrea entsorgt da schon mal einiges. Mit dem Cuttermesser hat er seinen Frust an diesem Stück ausgelassen, es zum Druckstock erklärt und heute dann abgedruckt. Zuerst hat er sich gefragt, was da geschehen und was da entstanden ist. Aber dann hat er zusätzlich gezeichnet und das Gedruckte ergänzt.

Und jetzt weiß er es: er hat aus dem Fenster gesehen. So kam es ihm jedenfalls vor. Das, was er da zu Papier gebracht hat, hat er gesehen als er aus dem Fenster schaute. So stellt er sich das jedenfalls jetzt im Nachhinein vor. Damit hat Juergen den Titel gefunden.

Jetzt sucht er noch eine Präsentationsform, die ihm zusagt.

Buchalov

im Zwickelbüro: der dritte Tag ist der, an dem die Zukunft auftauchte.

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Man sitzt und steht und geht und sucht und findet und probiert und versucht und schneidet und zeichnet und malt und verwirft oder läßt es wie es ist. So ist künstlern. Jedenfalls bei den Dreien, denen ich über die Schulter schauen darf. In Juergens Atelier am Ostwall in Geldern.

Gestern hatten sie ihren letzten gemeinsamen Tag „im Zwickelbüro“. Sie waren alle drei mit den geplanten Dingen etwas früher fertig als erwartet. Also blieb mehr Zeit für Gespräche und Planungen.

Dennoch: Juergen hat gedruckt, gedruckt, gedruckt, auf altes Papier, auf Katalogseiten und auf Papierhintergründe, die Antje mitgebracht hatte. Aber auch eine im Papierabfall gefundene Bahn musste herhalten.

Martina hat das große Zeichenblatt weiter bearbeitet und u.a. mit „CO2 Schreiberei“ stundenlang gefüllt – eine riesige Fleißarbeit.

Bei Antje ging es gestern weniger um den Zwickel und eher um die Aufarbeitung von alten Beständen, die sie mitgebracht hatte, um halbfertige Bilder und Ergänzungen im Detail.

Und die Zukunft? Vielleicht liegt sie beim nächsten Treffen im November im textilen Bereich oder in der Vertiefung der Erstellung von Rapporten oder in der Arbeit im Rahmen einer festgelegten Versuchsanordung, die dem Zufall dient. Wer weiß?

Jetzt hat das Zwickelbüro jedenfalls wieder geschlossen.

Buchalov

 

Der Zwickel ist Dada …

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„Der Zwickel ist Dada. Das Zwickelbüro wird am Wochenende öffnen. Der Zwickel als heimlicher Begleiter. Zwickel bleibt Zwickel! Dann zwickelt mal schön!“

Alles so Sätze, die im Zusammenhang mit dem „Zwickelprojekt“ von Antje und Juergen in der Vergangenheit gefallen sind. Hier könnt ihr noch einmal schauen: >>> [ … ] <<<

Und jetzt wollen sie es wieder tun. Juergen hat mich darüber informiert, dass Antje, Martina und Elke am kommenden Wochenende dem Karneval entfliehen und sich bei Jürgen in die Arme des Zwickels stürzen werden. Und der reinigt schon mal fleißig das Atelier, räumt auf und hat die Verfügbarkeit der Räume in der Ateliergemeinschaft geklärt. Es darf und kann also gezwickelt werden. Einen kleinen Plan hat er sich auch schon zurechtgelegt. Aber davon später.

Buchalov