Projekt ohne Namen: „Der Gevatter lauert überall, selbst neben dem Abbild des …“

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Das ist der vierzigste Beitrag zum „projektohnenamen“. Das es mal so viel werden würden, damit hatte Juergen als er mit Susanne Haun dieses Vorhaben startetet nicht gerechnet. Und Susanne wahrscheinlich auch nicht. Und ein Ende – Gott sei dank – ist offenbar noch nicht in Sicht. Auf Instagram ist einiges zu sehen: >>>[…]

Susanne schrieb: „Der Gevatter lauert überall, selbst neben dem Abbild des …“

Juergen antwortete: ewigen Loches.“  (Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“, 2.Korinther 4:18)

Diesmal war es nicht einfach. Der Halbsatz von Susanne, zu dem Juergen sonst mal ganz locker am Frühstückstisch eine Antwort fand, machte Probleme, ein Komma verwirrte Juergen, und Susannes Hinweis auf die Ewigkeit und den Sensenmann blockierte auch ganz schön. Juergen will sich momentan nicht runterziehen lassen. Also hat er es sacken lassen, ein paar Tage lang. Und dann blieb nur die Sense und das Loch, in welches wir alle fallen können und wohl auch werden. Der Druckstock Inch. Druck waren eine Sachen von zwei Stunden, ein Klacks.

Und es war auch deshalb nicht einfach, weil plötzlich fünf Varianten auf dem Tisch lagen, und Juergen sich nicht für eine entscheiden konnte. Dann also fünf.

Und im Hintergrund laufen „The Three Degrees mit „when will I see you again“ – passt, finde ich!

Der Satz, den Juergen jetzt an Susanne sendet, der geht so:

#41: „Tante Lenis Damenbart war stets …“

Buchalov

… und warten und verwelken.

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Die Dinge vergehen, mit ihrer eigenen Ästhetik. Ein gutes Beispiel dafür sind die Blumen in Juergens Atelier, die schon seit geraumer Zeit dort am Rande auf einem Regal stehen und warten und verwelken.

Sie erhalten kein frisches Wasser, keine Streicheleinheiten, keine Aufmerksamkeit. Sie sind einfach nur da, stehen dort und warten. Dennoch geschehen Dinge: Moos hat sich angesetzt, das Wasser ist eingetrübt, die Farbe ist blass geworden, das Körperliche wirkt eingefallen. Blass sind sie im Laufe der Zeit geworden.Und reizvoll.

Und dazu passt:

bei diesem Anblick

an den Tod denken:

eher nicht.

Bei diesem Zustand

das Ewige sehen:

das schon eher.

Der nächste Schritt wäre dann logischerweise, so mein Rat an Juergen, diese welkenden Blumen abzubilden, fotografisch oder zeichnerisch. Irgendwie. Ich bin gespannt.

Buchalov

Bewußtsein

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„Bewußtsein, sich der Dinge bewußt sein.“

Das war das Thema als ich zufällig vorbeikam und „Hermann, den Vernetzer“ mit Juergen sah. In Zelle k5. Juergen pflegte mal wieder seinen Hang zum Monologisieren. Aber „Hermann, der Vernetzer“ klinkte sich geschickt immer wieder ein, so dass sie beide tatsächlich gemeinsam gedanklich und kommunikativ vorankamen.

Und das war der Weg:

Sie waren sich beide bewußt, dass ihre Art zu denken und zu agieren innerhalb der Ateliergemeinschaft eine Sonderstellung einnimmt.

Sie waren beide beseelt von dem Gedanken, dass der Tod im Inneren des Menschen schon im Hier und Jetzt in einem angelegt ist und nicht nur die abschließende Phase im menschlichen Leben darstellt, sondern das Leben jetzt schon bereichert.

Sie machten sich beide zudem bewußt Gedanken über ihrer beider Mitgliedschaft bei „crossart international“ und welche Auswirkungen es wohl auf ihre Aktivitäten haben könne.

Selbstbewußt, aber auch kritisch, reflektierten sie ihren momentanen künstlerischen Entwicklungsstand und die Ergebnisse ihrer aktuellen kreativen Arbeit.

Beide nahmen sie die Einzigartigkeit des anderen anhand der Werke und deren Präsentation in ihren beiden Atelierräumen wahr.

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Und wie  der es Zufall will, finde ich beim Blättern in Juergens Unterlagen folgende Notiz von 2013:

Im Kopf beginnt es. Was wir über die Dinge denken, bestimmt unser Handeln.

Sich öffnen beginnt im Kopf. Ängste beginnen im Kopf.

Bewusstsein ist der Zustand des sich bewusst werdens über dasLeben

Buchalov

und die Praktikantin hörte zu …

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Ich ging mit Juergen in den „Copyshop“ und irgendwie sind wir da in so ein Gespräch mit Oliver hineingeschlittert. Seine Praktikantin saß im Hintergrund, mit offenen Ohren zuhörend. Manchmal schmunzelnd.

Und es ging, ich glaube aus einem Wortspiel heraus, um „Tiefe“: um die Tiefe im Leben, in den alltäglichen Dingen. Und umgekehrt um unsere Oberflächlichkeit und Flüchtigkeit, zum Beispiel auf Facebook. Und Oliver erzählte, dass ihn ab und an in einem Beitrag dort die Tiefe anspringt, aber eher selten. Und erzählte ein Beispiel, bei dem er etwas über Hospizarbeit gelesen habe und was das mit den Helfern vor Ort mache, insbesondere dem Autoren des Blogeintrags.

Und Juegen erzählte von dem Versuch aufmerksam durchs Leben zu gehen, genau hinzuhören, genau zu schauen, die Störungen, die man erzeuge zu beseitigen, es gebe sie schließlich immer, um so der eigenen Tiefe etwas näher zu kommen. Vom Sterben haben sie auch geredet. Klar!

Und die nette Praktikantin hörte immer noch genau hin und stellte ihre Arbeit sogar kurzzeitig ein. Das, was sie da sah und hörte, kam wohl auch nicht alle Tage vor.

Beim Rausgehen sagte Juergen zu mir: „Das war irgendwie ein guter Moment jetzt, oder?“

Buchalov

ein ganzes Leben in einer Kiste

„Boris der Maler“ hat Juergen gefragt, ob er etwas mit dieser riesigen Bananenkiste voller Fotos anfangen könne und Juergen hat sie genommen, beiseite gestellt und das wars. Vorerst.

Gestern haben wir uns in einer ruhigen Minute in die Fülle der selbsgeschossenen Bilder eingegraben, in diese alten Fotos. Wir haben sie angeschaut, einzeln, nichts verstanden, von dem, was wir gesehen haben, versucht, einen roten Faden zu finden und festgestellt, dass es die Fotos von unserem verstorbenen Künstlerkollegen sind: Bilder von jungen Frauen und alten Männern, von Bootsfahrten, von Austellungen, Picknicke auf der Wiese, Vögeln am Himmel, Sonnenuntergängen, Bilder von Familienfeiern und und und.

Ein ganzes Leben in einer Kiste, sagte Jürgen.

Buchalov

So! Oder So!

Juergen war sich unsicher, ob das so gehe. Aber jetzt, nachdem er sich mit sich selbst besprochen hat, meint er, dass er seinen kleinen Film zeigen solle. Der handelt von der Auflösung und dem sich aus der Welt verabschieden. Den Anstoß gab vor einiger Zeit der Tod seines Künstlerfreundes Peter Maschke. Da mache man sich so seine Gedanken, meinte Juergen.

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irgendwie traurig

Es ging um die Erinnerung. Und wie sie verschwindet. Wie sie weniger wird. Wenn Menschen gehen. Juergen und Rudolf der Bildhauer sprachen darüber im Atelier als ich sie besuchte. Sie verarbeiten immer noch den Tod von PM.

Wenn jemand stirbt, darin waren sie sich einig, wird von den Angehörigen und Freunden aufgeräumt. Und es verbleibt die Kunst – aber wohin damit? – und es bleiben die wichtigen Gegenstände, die dann in den Besitz der Anderen übergehen. Und der Rest wird entsorgt. Müll eben.

Das gehört zur Trauer und zur Aufarbeitung der Trauer. In solch einem Vorgehen wird der Verstorbene, so meinte Juergen, ein letztes mal gespürt. Das Wissen um die Person, die Erlebnisse, das Gemeinsame aber bleiben im Kopf, auch wenn das Betrachten von Fotos und Bildern vieles wieder wachrufen und verblassen allmählich. Zwangsläufig.

Und irgendwann ist auch die Erinnerung erloschen, sagte Rudolf. Dann bleiben nur noch die Dokumente in Schachteln und Alben, die weggestellt worden sind und die keiner mehr ansieht. Irgendwie traurig. Und auch normal.

Buchalov