Schlagwort: Tod

  • irgendetwas stimmt nicht

    Mit meiner Maschine in der Garage stimmt etwas nicht.

    Vor Tagen hatte ich im hinteren Teil eine neue Drehscheibe installiert, die Querverbindungen zum Motor hergestellt und eine Flashlightlampe angeschlossen. Der Probelauf war problemlos und seitdem war alles ständig im Einsatz. Es sah einfach toll aus.

    Aber seit heute stimmt etwas nicht: die Drehscheibe lief viel zu langsam und vor einer Stunde hat sie ihre Bewegung eingestellt. Der gesamte Maschinenteil ist ausgefallen. Kein Licht mehr, keine Bewegung. Die Stromversorgung ist auch zusammengebrochen. Dieser Teil der Maschine ist nun tot.

    Am Freitag kam die Nachricht, das Claudia aus der Lohnbuchhaltung plötzlich und unerwartet gestorben ist. Mit zweiundvierzig. Ein echter Schock. Das ist schon der fünfte Todesfall in diesem Jahr. Ich kann mich nicht dran gewöhnen.

    Irgendetwas  stimmt  einfach nicht.

    Buchalov

  • das andere Telefonbuch

    Eine ferne Bekannte von mir liegt im Hospiz, zwei Jahre jünger als ich. Ich bin darüber traurig und werde wieder einmal nachdenklich.

    Und mir fällt die Geschichte von dem Mann in Nettetal ein, der so seine eigene Art gefunden hat, dem Sterben ins Auge zu schauen: Täglich durchstöbert er die Tageszeitungen, studiert die Todesanzeigen, nimmt sein Telefonbuch, das er schon seit Jahren besitzt, wie seinen Schatz hütet und nicht zum telefonieren benutzt, und streicht den Namen der gestorbenen Person mit Adresse und Telefonnummer in diesem Buch aus. Fertig!

    Buchalov

  • zweimal betroffen

    Ignorieren – oder sich stellen. Wenn es um den Tod geht, findet man immer diese beiden Postionen. Heute war ich zweimal betroffen und habe mich stellen müssen.

    Da war einmal die Beerdigung von Heinz. Heinz war zwar in einer anderen Abteilung, bei den Busfahrern, und hatte mit mit mir nichts direkt zu tun, aber wir kannten uns von früher. Die Beerdigung war anders als sonst. Klar, die Angehörigen haben wirklich getrauert. In der Kirche wurde die Messe aber nach dem alten Ritus vollzogen. Der Sarg wurde also von hinten in die Kirche geschoben, mit Fahnenträgern und so und dann vor dem Altar platziert. Bei der Predigt ging es um das Thema „Weg und Ziel“ – bietet sich für einen Katholiken ja auch an. Und erst recht, weil Heinz ja Busfahrer war. Interessant fand ich, dass der Pfarrer aus den Tiefen seines Gewandes einen Minibus als optischen Aufhänger für Heinz hervorzauberte und während seiner Predigt immer in Richtung der Kirchengemeinde hielt mit ausgetrecktem Arm.

    Unruhig gemacht hat mich das Gerede vom „Gast sein auf Erden“, von Schuld und Buße und von unsrem Erdenleben als Zwischenstation. Da ist mir die existentialistische Sichtweise unseres Lebens näher.

    Während des Gottestdienstes habe ich darüber nachgedacht, dass so ein strenger ritualer Ablauf einer Beerdigung vielleicht von manchem als nicht zeitgemäß interpretiert wird. Aber den Anghörigen, die ja einen Verlust zu verkraften haben, geben diese klaren Abläufe Sicherheit. Die haben sicherlich das Gefühl, dass Heinz in einem gordneten Verfahren in die Erde gebracht wird und das beruhigt sie bestimmt. Der letzte Weg vollzieht sich geordnet und damit würdevoll.

    Gegen Abend war ich dann Besucher der Holocaustgedenkfeier in der Alten Kirche, die von Schülern gestaltet wurde. Die Musik war einfühlsam, die Texte echte Schülertexte mit erhobenem moralischem Zeigefinger, aber gut. Das Leiden der Kinder in den KZs stand im Mittelpunkt des Nachdenkens.

    Hier begegnete mir ein Tod, der war abstrakter, ferner, geschichtlich, zwar mit schockierenden Bildern, aber irgendwie verkopft.

    Buchalov