Schlagwort: unterwegs

  • OrtsMarken

    Juergen und ich sind unterwegs. In den Süden. Beim Fahren wechseln wir uns immer ab. Unser Wohnmobil ist für Juergen – auch mit dem angrenzenden Raum des Stellplatzes – ein Rückzugsraum, ein Raum des Nachdenkens, ein Ort, an dem man innehalten kann. Und ein Ort, an dem künstlerisch „klein klein“ gearbeitet werden kann. Ein mobiles Atelier eben.

     Juergen und ich reden während der Fahrt, ständig. Wir reden viel über seine künstlerische  Arbeit, die alten Projekte, über das, was noch so ansteht, die eigenen Positionen, den eigenen Standort. Es ist wie eine Selbtvergewisserung. Die Zeit haben wir ja. Und ich höre geduldig zu.

    Und die neue Umgebung in der wir etwas länger stehen – und dies tut Jüergen eigentlich immer so, – die erkundet er schon von dem Moment an, an dem er seinen Fahrersitz verläßt. Er sammelt Fundstücke, legt sie auf einen kleinen Tisch, sortiert sie hin und her, macht Fotos und zeichnet in den Skizzenbüchrn. Er nennt die Ergebnisse seine „OrtsMarken“. Was später daraus wird, muss sich zeigen.

    Momentan stehen wir in Cambrils bei Tarragona.

    Buchalov

     

  • es ist festhalten und loslassen

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    Juergen und ich werden eine Pause einlegen. Der Winter war lang genug. Wir sind die nächsten Wochen  mit dem Wohnmobil unterwegs.

    Und wenn wir unterwegs sind, sind wir unterwegs: ungebunden, neugierig, hungrig auf alles. Die Grenzen setzt der eigene Körper. Reisen soll ja bilden. Was es sicher auch tut. Glaube ich. Auf Reisen spürt man sich selbst stärker, merkt, das man noch lebt, ist gefordert, muss organisieren, im Kleinen planen, sich öffnen. Die eigene Welt wird kleiner, aber intensiver. Es ist körperlich und es ist geistig. Es ist Bewegung und Ruhe. Es ist festhalten und loslassen. Und es ist abwechslungsreich, nicht statisch.

    Vielleicht werde ich ich ab und an von unterwegs etwas im Blog veröffentlichen. Ich glaube schon, dass dies funktioniert. Aber verlassen dürft ihr euch nicht darauf.

    Und ich weiß, weil es bisher immer so war, dass ich mich auch wieder auf Euch und die Themen freue, wenn ich aus der Pause zurück bin. Von daher: bleibt gesund, bleibt im Gleichgewicht und laßt es Euch gutgehen. Bis bald!

    Buchalov

  • die Kunstschublade

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    Schubladen sind ja eigentlich gut. Sie schaffen Ordnung. Wenn man will. Bevor man etwas in eine Schublade legt, muss man allerdings entscheiden, was da hineingehört. Es geht um Entscheidungen, um Kriterien, Orientierungspunkte.

    Juergen meinte heute morgen, dass er gedanklich immer wieder mal über die Schublade „Kunst“ stolpere. Er wisse nie, was da hineingehöre. Es gäbe Menschen, die das mit traumwandlerischer Sicherheit sagen könnten. Die hätten offensichtlich eine Ahnung und ein  Koordinatensystem. Er nicht.

    Irgendwo habe er aber auch gelesen, dass selbst die Kunstgeschichtler und Kuratoren und Kunstkritiker im höchsten Grade momentan verunsichert seien, weil sich genau dieser Begriff der „Kunst“ aufzulösen beginne, nichts mehr sicher sei, keiner mehr genau wisse, was eigentlich noch Kunst sei, da ja alles Kunst sein könne. Was für ein Satz: alles könne Kunst sein!

    Er frage sich auch, ob diese Schublade überhaupt von Bedeutung sei. Für ihn selbst. Ach, eigentlich frage er gar nicht mehr, denn er wisse, dass die Frage bedeutungslos sei. Irgendjemanden diene sie sicherlich, aber nicht ihm.

    Also, zum wiederholten male:

    Menschen sind unterwegs.

    Menschen halten fest, was sie bewegt, auch um zu begreifen – mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und dem, was sie gut können. Der eine fotografiert, der andere zeichnet, der Dritte schreibt, der nächste redet, wieder einer führt Tagebuch, der nächste sammelt Zeitungsausschnitte, Fotoalben  ….

    Menschen wollen sich mitteilen, wollen teilen, aus welchen Gründen auch immer.

    Das einzelne Leben versucht eine Form zu finden, versucht das, was geschieht, was man erlebt, in eine Form zu bringen und festzuhalten. Und es findet die Form.

    Und man verändert sich, weil man sich über diese Form der Dokumentation selbstvergewissert. Und man verändert zudem klammheimlich die kleine Welt um sich herum.

    Das sei alles.

    Und ob das jetzt Kunst sei, könne ja sein. Aber für ihn sei diese Schublade eben ohne Bedeutung. Das Begreifen der Dinge um ihn herum sei das Wichtige. Und so vieles verstehe er dennoch nicht.

    Dann gebe es noch die, die mit dieser Art des Lebens ihren Unterhalt verdienen möchten. Oder müssen. Oder wollen. Und können. Da werde es schwierig, denn bei denen gehe es ohne  die Schublade „Kunst“ nicht. Oder die Schublade „Künstler“. Und es sei ja dann eine weitere Komponente im Spiel: das Geld. Und das wisse schließlich jeder:  mit dem Geld komme es zwangsläufig zu Verwerfungen.

    Ich habe zugehört und bin dann gegangen.

    Buchalov