Der letzte Druck, und nun?

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Nach dem „Prinzip der verlorenen Platte“ wird in „Zelle k5“ gearbeitet – vorwiegend. Das hat zwei zentrale Gründe: Juergen möchte einmal ein wenig am Geld für die Holzplatten, die als Druckstöcke zum Einsatz kommen, sparen, und das Arbeiten nach diesem Prinzip ist nicht ganz so zeitaufwändig, als wenn für jede Farbe eine Platte angelegt werden muss. Er arbeitet gerne so. Klar, da bleibt als Letztes nur der Rest einer Druckplatte übrig, Rudimente halt, alles futsch. Aber was soll’s, so ist es eben. Juergen macht das nichts.

Und dann ist da die letzte Farbe, die aufgebracht wird mit den letzten hochstehenden Resten der Platte. Und genau von diesen letzten Plattenteile macht Jürgen immer eine kleine gesonderte Auflage von max zwei Stücken – manchmal auch auf Restepapier. Den Grund kann er nicht direkt sagen. Und was macht man dann damit? Das, ja das, entscheidet sich dann, irgendwann, später. Sie werden ihm wieder über den Weg laufen und ihn inspirieren. Oder ihm etwas sagen. Da ist er sich sicher. So war es jedenfalls bisher immer. Vorerst legt er das Material erst einmal in seinen Ständer mit dem ausgesonderten Papieren.

Buchalov

Zerstückelung

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Das mit der Zerstückelung unseres modernen Lebens treibt Juergen momentan um. Gedanklich! Das es sie gibt und dass sie über die Begriffe Digitalisierung, Klima, Globalisierung und und und im Alltagsleben Fuss gefasst hat, ist keine Frage. Die Geschlossenheit von Leben, Denken, Glaube, Gesellschaft, Konsens, Werte und Familie hat sich aufgelöst: the circle will not be unbroken!

Und was bedeutet das für die Sinnhaftigkeit unserer Existenz? Wie sollen wir mit der daraus resultierenden Unsicherheit umgehen?  Wie kann man als Einzelner das Auseinanderdriften aushalten? Wer gibt Antworten? Wer kann Lösungen oder Orientierung anbieten? Fehlt es an einer zukünftigen Vision? Welche Bedeutung hat dieses Zustand für die Kunst im allgemeinen und für die eigene?  Lassen sich dafür Bilder finden? Muss man welche Bilder finden? Macht das Sinn?

Als er am Freitag an einer der vielen OrtsMarken druckte, hat er die Zerstückelung auch im Druckverfahren umgesetzt, spontan, indem er den feuchten Druckstock beliebig mit Papier belegte, den Zufall wirken ließ und als Ergebnis nicht mehr ein Ganzes, sondern ein zerstückeltes Ganzes, verteilt über viele Papiere, erhalten hat.

Das Ganze muss nun überarbeitet werden und eine Form bekommen, vielleicht ein Leporello oder ein kleiner Fotoband. Und es benötigt einen aus dem Arbeitstitel „Teile“ heraus ansprechenderen Titel. Solche griffigen Überschriften sind Juergen immer sehr wichtig. Sie fokussieren, sie wecken Interesse, sie bündeln.

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nur ein Exemplar

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Das ist ihm schon oft passiert: der erste Abzug eines Druckes springt ihn an und gefällt ihm sehr. So richtig.  Obwohl es der erste Druckdurchgang ist und noch einige folgen werden, hat Juergen sehr oft das Gefühl, dass sogar dieses einzelne Blatt, das erst am Anfang der Entstehung steht, schon eigenständig ist. Weil es so herrlich reduziert ist, wahrscheinlich. Und so klar. Er druckt dann immer ein Exemplar mehr und legt es beiseite.

Da er nach dem Prinzip der verlorenen Platte arbeitet, wird im nächsten Schritt die Platte zwangsläufig zerstört, verändert. Und es bleibt nichts außer diesem einen zusätzlichen Exemplar, das er angelegt hat.

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P.S. Er könne doch, habe ich ihm geraten, mit mehreren Platten arbeiten. Das ist zwar mehr Arbeit, aber die Platten blieben erhalten. Aber das möchte er nicht, sagt er. Er sei einfach zu „bequem“. Das sei ihm zu viel Arbeit.

kein Titel

Juergen, so erzählte er heute auf die Schnelle, als ich die beiden Drucke sah, fand wohl zwischen den Tagen beim Aufräumen seines Ateliers „Zelle k5“ in einer Ecke eine Holzplatte, die mit einer Eding-Zeichnung „zugekritzelt“ war. Er hatte keine Erinnerung daran. Nach dem Prinzip der verlorenen Platte hatte er sie bearbeitet. Einfach mal so rumgespielt.  Er konnte den beiden Blättern keinen Titel geben.

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