das Schräge

IMG_5952Heute habe ich wieder Post bekommen. Von Kia. Aus Finnland. Seit wir uns auf „postcrossing“ kennengelernt haben, sind wir im Kontakt. Sie interessiert sich immer sehr für die Arbeiten von Juergen und fragte nach, wie dieser denn bei der Bilderflut, die um uns herum „flute“, seinen eigenen Ansatz verfolgen könne.

Ich habe mit ihm darüber gesprochen. Er dachte kurz nach. Seine Antwort: „Ich bin Gefangener meiner bildnerischen Sozialisation. Ich war wie wir alle einer  ästhetischen Prägung ausgesetzt. Davon ausgehend versuche ich jetzt Bilder zu schaffen, die darüber hinausgehen. Ich liebe daher das Schräge, das „gegen den Strich bürsten“. Mir ist immer unbehaglich, wenn ich Bilder von anderen sehe, die den meinen ähneln. Und ich bin immer noch ein Gefangener, Gefangener der aktuellen Bilder um mich herum. Und wehre mich.“

Buchalov

For my english readers:

Today I got  post again. By Kia. From Finland. Since we met on „postcrossing“, we are in contact. She is always very interested in the work of Juergen and asked, how he could do his own approach while this amount of images is existing around us.

über Engel

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Es gab eine Tasse Kaffee, den Tisch, an den wir uns gesetzt haben, einen knappen „Guten- Morgen- Gruß“ und Juergen begann zu philosophieren. Über Engel.

Juergen meinte, dass es nicht von der Hand zu weisen sei, dass unsere Moderne durch Rationalisierung und den Glauben an die Technik und durch den Glauben an stetes Wachstum geprägt sei. Und dass diese Sichtweise Grenzen erfahre. Die Welt sei nicht nur über die Vernunft, sondern auch über Imagination und Emotion erfahrbar.

Ob ich dem zustimme. Ich habe genickt.

Wenn dies Konsens sei, dann gäbe es Bereiche des Lebens, die nicht mit dem Verstand zu fassen seien, sondern auf anderem Wege erfahren werden könnten. Es existierte nicht nur eine sichtbare Welt, sondern auch eine Welt der Ahnung, der emotionalen Wahrnehmung, des Fühlens.

Ob ich auch dem zustimme. Ich habe wieder genickt.

Bisweilen würden wir erfahren, dass es in der Ganzheit unseres Seins auch diese Seite gäbe. Wir nähmen sie wahr. Unsere Wahrnehmung aber sei subjektiv. Sie lasse uns Dinge wahrnehmen, so wie sie seien, aber auch so, wie wir sie uns erhofften oder erwarteten. Daraus entstünden Unsicherheiten über die wahre Existenz dieser Welt des Imaginären und zur weiteren Legitimation trätte an die Stelle der Wahrnehmung dann der der Glaube.

„Und stimmst Du zu?“ Ich habe bejaht.

In der Kombination mit dem Glauben meine dann der Mensch, dass es direkte, auch kausale, zielgerichtete Wechselwirkungen zwischen diesen verschiedenen Bereichen einer Welt gäbe. Zum Beispiel glaube er dann an Geistwesen wie Engel, die gezielt auf das Leben des Menschen wirken könnten.

Ich stimmte wieder zu.

Und hier sei dann erst einmal seine persönliche Grenze erreicht, sagte Juergen.

Ich bin gespannt wie es weitergeht.

Buchalov