Schlagwort: Zeichnung

  • nicht sogleich

    Ich wurde begrüßt mit „Na, Du Rumtreiber, auch wieder im Lande?“ „Boris, der Maler“ freute sich sichtlich, als ich heute in unserer Ateliergemeinschaft auftauchte, die Kaffeemaschine anschloss, die Kisten mit den Zeichenuntenailien und den Papieren  aus dem Wohnmobil hochschleppte und begann, mich wieder in meinen Räumen einzurichten.

    Zwischendurch habe ich lange am Tisch gesessen und in den Skizzenbüchern geblättert, alte Zeichnungen angeschaut und einiges umsortiert. Und jedes Mal bin ich erstaunt über mich und die Ergebnisse, die ich so lange nicht geschaut habe, und was mich da so anspringt. Und ich war zufrieden mit mir. Vielleicht ist es doch ganz gut, dass ich oft so streng mit mir bin und meine Arbeiten gnadenlos in die Qualitätsstufen A, B und C einordne.

    Ich kann nicht sogleich loslegen und arbeiten. Ich brauche immer einige Tage, in denen ich im Atelier umherlaufe, mir Dinge anschaue, mich sortiere, Gedanken hin und her wälze, einiges auf den Tischen fotografiere, mit den anderen rede, Papiere von rechts nach links schiebe oder Zeichnungen zu neuen Blöcken sortiere und wieder zerlege. Zwischendurch gehe ich in den Copyshop um die Ecke, manchmal, weniger um zu kopieren, das auch, sondern um mit Oliver über Musik und Sonstiges zu reden. Und dann bin ich irgendwann in meinen Räumen angekommen und gehen ans Umsetzen der Dinge, die ich mir so vorgestellt habe.

    Buchalov

  • das Fahren im Wohnmobil

    Juergen und ich haben Rückblick gehalten: ein halbes Jahr haben wir dieses Jahr im Wohnmobil, unserem mobilen Atelier und Haus, gelebt – zuletzt an Spaniens Küste.

    Und Juergen meinte:

    Das Leben im Wohnmobil sei auf jeden Fall auch ein kreatives. Es werde gezeichnet, fotografiert, getextet, geklebt, geschnitten, gesammelt, gebastelt und und und. Und aus der Distanz zum heimischen Atelier würden Konzepte auf den Prüfstand gestellt und weil nun der Abstand vorhanden sei, werde auch manches klarer.

    Das Leben im Wohnmobil sei schon etwas Besonderes. Aber es sei auch nichts Außergewöhnliches.

    Der Raum in dem man lebe, sei oder werde klein. Und wenn es regne, werde er sehr, sehr  winzig. Man beschränke sich auf Weniges. Das Überflüssige, der Ballast entfalle. Gut so!

    Das Leben sei nun plötzlich ein sehr überschaubares und nur noch wenige feste Abläufe hielten es zusammen.

    Kommunikativ und offen sollte man schon sein, denn ohne die Anderen um einen herum gehe es unterwegs nicht.

    Die Eindrücke von Menschen und Orten seien viele, oft gewaltig und einzigartig, manchmal flüchtig. Das Fremde springe einen ständig an und man solle sich schon darauf freuen. Und sie  seien  zu verarbeiten. Man benötige während der Fahrt daher Ruhepunkte.

    Die Neugierde treibe einen nach vorne und in die nächsten Orte, Tage, Landschaften. Und zu den Menschen.

    Das Unvorhergesehen lauere überall und verlange nach Flexibilität.

    Planung sei fast alles, aber eben nicht alles. Sich treiben lassen sei mehr.

    Und wenn man loslasse, in sich hineinhorche, finde sich der Rhythmus fast wie von selbst.

    Buchalov