„Zelle k5“

Juergen nennt sie immer seine „Zelle k5“. Ich will das jetzt einmal erklären. Ich will erklären, was sich hinter dieser Atelierbezeichnung verbirgt. Nichts Großes. Ein Minikonzept halt.

Zelle meint Keimzelle. Meint Energie, Prozesse, Dynamik.

K meint Kunst. Oder den ersten Buchstaben des Nachnamens von Juergen.

5 meint das fünfte Atelier, in welchem Juergen nun arbeitet.

Buchalov

Atelier: „Zelle k5“

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Heute wollte Juergen über seine „Zelle k5“, sein  Atelier,  „philosophieren“. Ich solle einfach mal zuhören, bestimmte er. Na ja!.

Erst einmal sei es ja ein Raum, oder besser zwei Räume. Der Eine sei sein Arbeitsraum, sein Druckreif, und Lager, der Andere sei ebenfalls ein Arbeitsraum, u.a. zum Zeichnen und filmen, und zudem könne er hier sich selbst und anderen auch einiges zeigen.

Natürlich sei das Atelier aber auch der Ort, wo er gedanklich „herumventiliere“ – obwohl er vieles schon vorher zuhause oder auf dem Weg ins Atelier vordenke. Hier aber geschehe vieles während des Prozesses der Herstellung. Das lieb er. Der Plan sei immer das Eine, die Wendungen bei den Planabweichnungen das Andere, Stichwort Zufall oder Experiment.

Er sitze oft auch nur so da, und schaue sich die Dinge an und überlege, was es denn sei, was da vor ihm liege oder hänge und welche Bedeutung es nun bekommen habe, da auf dem Papier.

Und dann seien da noch die Gäste, die ihn besuchten oder die er einlade, mit denen er die Dinge vor – oder nachspreche. Spuren hinterlasse das immer, verwischte oder harte, solche, die den Weg aufs Papier oder in den Blog finden würden.

Und das Treffen in den Nachbateliers wolle er auch nicht vergessen. Alles diene dem Austausch. Er rede zwar auch viel mit sich selbst, aber ohne die Kolleginnen und Kollegen gehe es bei ihm nicht.

Die Türen seiner zwei Räume seien mit kleinen „Papier – Werken“ beklebt. Sicher auch kein Zufall. Und dass er sein Atelier „Zelle k5“ nenne, falle ja auch nicht vom Himmel. Zelle sei dabei nicht als kleiner Raum gemeint, sondern als biologisch – kreative kleine Einheit aus der etwas erwachsen könne. Und es sei halt sein fünftes Atelier.

Buchalov

im Netz

IMG_3539Der Gedanke vom Kern als zentralem Element, oder der Zelle, müsse erweitert werden, meinte Juergen zu mir, den Gedanken von gestern aufgreifend. Für sein eigenes Kunstschaffen sei dies sehr wichtig.

Als Vester in den Siebzigern den Gedanken vom vernetzten Lernen publiziert habe, sei das wie eine Erleuchtung für ihn gewesen. Und bis heute habe ihn auch in anderen Bereichn dieser Gedanke nicht losgelassen. Nicht nur das Lernen und die Anhäufung von Wissen geschehe in Form des Fortschreitens im Netz. Unserer gesamtes prozesshafte Voranschreiten im Leben sei so angelegt. Auch die eigene Entwicklung im kreativen Bereich. Wir würden nicht gradlinig vorangehen und uns entwickeln, sondern uns von Knoten zu Knoten in einem solchen Netz bewegen und dabei Netzfelder, bestehend aus den Verbindungen zwischen den Knoten bilden. Die Knoten seien Kerne.

Man schreite in seiner persönlichen Entwicklung oder der künstlerischen nicht auf einer Treppe nach oben, wobei die nächste Stufe ohne die vorherige nicht erreichbar sei, sondern man wandere in einem Netz von Knoten zu Knoten, manchmal in Umwegen, und bilde Netzflächen als das Ergebnis der eigenen Entwicklung.

So jedenfalls stelle er sich das vor.

Nicht schlecht, habe ich gedacht.

Buchalov

ein Kern

IMG_3297Wir sind heute morgen gemeinsam ins Atelier „Zelle k5“ gefahren und haben mal geschaut, ob alles noch steht. Denn Juergen war jetzt vier Wochen unterwegs. Und es steht noch alles.

Er zeigte mir dann bei einer Tasse Kaffee das Bild eines Aprikosenkerns auf seinem Handy und meinte, dass er zwischenzeitlich davon ganz fasziniert gewesen sei. Denn der Gedanke, dass sich das Wichtigste einer Sache oder eines Themas in einem Kern bündele und von da ausgehend wachse, bzw. entfalte, habe ihn immer schon sehr beschäftigt. Seine „Zellen“ seien auch ein Ergebnis dieser Faszination.

Über das „Aber“ dieses Gedankens müsse aber auch noch geredet werden.

Buchalov

„Zelle k5“ und „rosa Zimmer“

IMG_5711So, Juergen ist eingezogen. Seinen alten Atelierraum hat er aufgegeben und zwei neue Räume im gleichen Gebäude innerhalb der Ateliergemeinschaft bezogen. Juergen hat nun weniger Fläche zur Verfügung und ist mehr als gespannt, wie das auf seine zukünftigen Werke wirken wird. Es ist eine echte Umstellung.

Den einen Raum nennt er „Zelle k5“, den anderen „das rosa Zimmer„. Juergen glaubt, dass man Räumen immer Namen geben sollte. Sie würden dann in Besitz genommen, meint er, sie würden durch den Namen Teil des Ganzen, Teil der eigenen Produkte, Teil des Prozesses.

„Zelle k5“ steht für sein fünftes Atelier und mit „Zelle“ will er ausdrücken, das hat er mir irgendwann mal vor langer Zeit gesagt, dass von diesem Platz oder Raum etwas ausgehen soll: wie von einer Zelle, aus der andere Zellen erwachsen, aus der Energie frei wird, aus der nach Außen gewirkt wird. Sie sind ein Ort der Auseinandersetzung und des Dialogs und die Ergebnisse sollen über diesen Raum hinaus wirken. Wie auch immer. Zellen haben für ihn etwas „ur-haftes“.

Dass der zweite Raum „rosa Zimmer“ heißt, hat mit dem Vorbesitzer zu tun. Dieser hatte diesem Ort den Namen gegeben und Juergen möchte in Erinnerung daran festhalten. Es ist mehr etwas Nostalgisches, keine programmatische Aussage, sagt Juergen.

Buchalov

For ma english readers:

So, Juergen has relocated. He gave up his old studio space and referred two new rooms in the same building, within the old studio community. For Juergen now  less space is available and he is more than eager to see, how that will affect his future works. It’s a real change.

The one area is called „Zelle k5“, the other „das rosa Zimmer“. Juergen believes, that we should always give names to the rooms. Then we  would take possession of them, he says, by giving them a name they would part of the whole, part of the own products, part of the process.