Buchalovs Blog

  • Botschaften 1- 3

    Ich habe gestern Juli Zeh kennengelernt – zwar nur flüchtig, in Ihrer Bühnengarderobe, aber immerhin. Meine Freundin Ula und ihre Freundin Wes haben sie bei einer szenischen Lesung zu ihrem neuen Buch „Corpus delicti“ hier bei uns im Ort unterstützt. Unser Kulturkreis hatte sie eingeladen.

    Sie ist Raucherin und eine verdammt gute Erzählerin. Und hat Botschaften – so sagte sie anschließend im Gespräch.

    Botschaft 1: Leute, denkt bitte nach! Reflektiert selbstkritisch die gesellschaftlichen Dinge.

    Botschaft 2: Seid wachsam!

    Botschaft 3: das Buch „Corpus delicti“ ist ein politisches Buch, mit einem kleinen Schwenk des moralischen Zeigefingers. Das, was dort als Science Fiction eines totalen Staates gezeigt wird, ist heute mit den aufgezeigten Methoden schon machbar. Die staatliche Pflicht zur Erhaltung der persönlichen Gesundheit als fürsorglich getarntes diktatorisches Element, nicht der direkte staatliche Zugriff wie in den traditionellen totalen Systemen und wie man dazu stehen kann, das ist ihr Thema. Es geht um „Freiheit und Sicherheit“, um die Frage, wieviel Freiheit gebe ich für das Gefühl der Sicherheit auf und wann hat mein Leben einen Sinn: in der Abwesenheit von Schmerz und Unsicherheit oder im Risiko von körperlichem Verfall mit der Konsequenz der letzten Stunde und dem Erleben von Unglück, um zu begreifen, was Glück bedeutet.

    Davon hat sie gelesen und erzählt.

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  • Weltprojektionsmaschine 6

    Wie ein farbiger Sputnik könnte dieses Maschinchen als Weltprojektionsmaschine ihre  Bahn ziehen. Und  alles scannen,was ihr unterkommt. Gescanntes macht aber nur Sinn, wenn es wieder eine Verwendung findet: sinnvoll oder mißbräuchlich. Sinnvoll wäre mir natürlich lieber.

    Sind Satelliten Weltprojektionsmaschinen?

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  • Atelierrundgang

    Boris rief mich an und schlug vor, zur Kunstakademie nach Düsseldorf zu fahren. Dort ist die ganze Woche über der jährliche Atelierrundgang. Vor Ort haben wir uns dann aber getrennt.

    Man schaut bei einer solchen Überfülle von Kunst in den einzelnen Ateliers immer subjetiv und selektiv. Das ist ganz natürlich.

    Die Malerei ist in diesem Jahr dominant und die Studenten spiegeln stilistisch ihre Lehrer wieder. Wenn man die Liste der Professoren liest, kann man vor Bewunderung erblassen: Cragg, Trockel, Anzinger, Gursky, Doig, Schütz, Grünbein, Tal R und und und. Nur selten sind stilistisch ganz eigenständige Werke zu sehen.

    Die Gegenständlichkeit dominiert, doch die Abstraktion gewinnt an Boden, meist Konzeptkunst. Malerei wird bisweilen mit Video gemischt. Druckgrafisches kommt nicht mehr vor. Diese Richtung ist wie vom Erdboden verschluckt. Die Bühnenbildner faszinieren mit tollen Modellen und einer großen Lebendigkeit. Dies gilt ebenso für die Baukunst.

    Zeichnungen als eigenständige Form fehlen, als Skizzen lockern sie die Ausstellungskonzepte auf.

    Seitdem Cragg Rektor ist, nimmt die Bildhauerei immer mehr Platz ein. Die „Baumarktästhetik“ mit Dachlatten und Regips wird weniger. Als Material wird zunehmend alles, was verwendbar ist, auch verwendet.

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