Schlagwort: artwork

  • Die Krone

    Es geht darum zu begreifen und im Begreifen eine Form des Umgangs zu finden: Kunst als Psychohygiene. „Corona“ läßt Juergen nicht los, und er hat es jetzt angenommen, so mein Eindruck, und stellt sich dem. Corona ist, neben anderen Themen,  zu einem/ seinem Thema geworden – auch zu Ostern.

    Das Motiv der Krone ist momentan eines seiner zentralen Motive. Was dahinter steht ist Folgendes, so meine Vermutung: er versucht Bilder für eine Situation zu finden, die alles Leben, das private, öffentliche, politische, gesellschaftliche, religiöse, kulturelle und und und, bestimmt und dominiert.

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    Juergen hat mir sein textliches Skizzenbuch gezeigt. Darin steht in Bruchstücken Folgendes:

    Die Krone: ein Bezug zum Namen „Corona“ besteht. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung, so sagt man. Das ist natürlich Quatsch. Der Mensch bekommt durch die Natur seine Grenzen aufgezeigt. Die Krone, der Kranz, als Siegerkranz. Die Krone als symbolischer Gegenstand für das Hervorheben von Menschen oder deren Handlungen, für den besonderen Menschen. Wird er sich hervorheben und die Krise bewältigen?

    Da noch ein paar Linolschnittplatten im Atelier herumlagen, hat er diese genommen und losgelegt.

    Buchalov

  • da hat sich einiges an Druckstöcken angesammelt

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    Da hat sich einiges an Druckstöcken angesammelt.

    Im Atelier arbeitet Juergen momentan alleine. Alle Ateliermitglieder scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben. Nur ich bin an seiner Seite. Und während ich in der Ecke seines Raumes sitze, Kaffee trinke und in den Kunstmagazinen blättere, schneidet Juergen an kleinen Linolschnitten herum. Vier Motive hat er im Focus: die Krone, den Titanen Atlas, diverse Gefäße oder Kapseln und das Boot.

    Ohne Vorzeichnung variiert er da so einiges. Und schneidet. Und sortiert. Und arrangiert auf seinem Arbeitstisch. In er Vergangenheit ergab sich dann meist etwas, eine Idee, ein Hinweis, ein Weg. Wie das nachher alles zusammenpasse wisse er noch nicht. Deshalb schiebt er hin und her. Er hoffe auf den Zufall und eine Eingebung.

    Buchlov

     

  • Bilder

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    Narratives, Symbole, Symbole überhaupt, oder Bilder für das, was geschieht, oder Einzelmotive, die weiter tragen: das wollen wir momentan in dieser schwierigen Zeit. Meinte Juergen. Warum, das wäre noch zu klären.

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    Juergen erinnerte sich und meinte:

    Da stehe der alte Papst alleine auf dem Petersplatz vor leeren Rängen im strömenden Regen und spreche den weltweiten Segen. Was für ein Bild.

    Da liegen die am Beatmungsgerät hängenden Menschen auf dem Bauch in ihren Betten, eng an eng, das Gesicht in die Laken gedrückt: was für ein Bild.

    Da zieht eine wilde Ziegenherde durch ein menschenleeres Dorf in Wales.

    Da schaut dich jemand an, den Mundschutz bis unter die Augen gezogen, das Gesicht ist zur Stofffläche geworden, nichts persönliches ist mehr erkennbar. 

    Da werden Tote auf einem Gabelstapler in Gefriercontainer verfrachtet. Was für ein Bild.

    Jürgen weiß um die Macht der Bilder, um ihre beabsichtigten oder unbeabsichtigten Wirkungen. Und er habe nur die Motive vom „Titanen Atlas“, diesen seltsamen Behältern, den Königs-Kronen und ein paar Booten.

    Buchalov