Ort, Platz, Stelle

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Juergen kritzelt ja immer auf irgendwelchem herumliegenden Papier herum und nun hat er mir ein abgerissenes Blatt zugesteckt. Es geht wohl ums Thema „Orte“ im Zusammenhang mit seinen OrtsMarken. Und darauf steht:

Der Ort, der Platz, die Stelle, sie haben stets ein individuelles Aussehen.

Und im Laufe des Tages ändert sich diese Physiognomie des Ortes, des Platzes, der Stelle.

Und sie erzählen Geschichten, diese Orte – wenn man sie lesen kann, denn sie haben jeder für sich eine individuelle Geschichte.

Zu den Orten, Stellen, Plätzen, die man besucht und sieht, entwickelt man eine Beziehung, mal mehr oder weniger intensiv und fortdauernd oder eben auch nicht.

Ein Ort mit seiner Bestückung, den OrtsMarken, verankert uns.

Wir gehen von Ort zu Ort, von Geschichte zu Geschichte, von A nach B. Wir gehen in der Zeit.

Der Name des Ortes ist wie ein Schlüssel: er öffnet die Kiste der Erinnerungen. Und diese Erinnerungen sind Marken.

Gibt es einen Ort ohne Bilder im Kopf?

Buchalov

den Wind hereingelassen

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Juergen ist nach der Fahrt in den Norden dann doch gestern in sein Atelier gegangen, hat die Fenster geöffnet, ebenso die Türen, hat den Wind hereingelassen und in kurzer Hose mit nacktem Oberkörper Papiere hin und her geschoben, Ordnung gemacht und sich selbst sortiert. Soweit das möglich war. Ich habe uns in der Zeit ein Eis geholt.

Und bei dem ganzen Herumgewusele hat er einen kleinen Holzblock gefunden, auf dem mit Bleistift ein Horchgerät gezeichnet war. Und das hat er dann aus dem Holzblock, einer MDF – Platte, herausgeschnitten.

Das war der Anfang.

P.S. Und hier noch drei Bilder aus der Serie “ Latos Horchgeräte“, die Juergen schon im Winter beendet hat und zu der die neue Platte im Nachklang gehören wird.

Buchalov

Wir sind wieder da! Teil 2

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Vorupör war der nächste Ort auf unserer Reise im dänischen Norden, gelegen im südlichen Teil der Jammerbucht, mitten im Naturschutzgebiet, wie ein kleiner Brueckenkopf mit Fischkauf direkt am Kutter. Die Fischerei ist hier eigentlich ausgestorben und nur die nebenberuflichen Fischer halten hier noch am Leben, was einst der den Lebendunterhalt bestimmte. Heute ist es der Tourismus, Tourismus total mit dem Versuch des schonenden Umgangs im Naturraum. Schwierig! Und über allem stets und immer und wohl ewig der mächtige Wind von See.

Manchem muss man sich stellen: dem Wind, der Weite, dem Rauen, der Sonne. Sie berühren und lassen vergessen.

Und dann kam Römö. Schon die Fahrt über den Damm machte deutlich, dass man sich einer spannenden und besonderen Welt näherte: der einzigartige Sandstrand vor unserer Nase mit den Sandseglern und auf der anderen Seite im Tidenwechsel das scheinbar endlose Wattenmeer. Ein wirklich weiter Sandstrand. Kreuz und quer sind wir mit dem Rad über die Insel gefahren, aber eigentlich im Kreis, haben keine Kirche ausgelassen, jede Fischbude besucht und OrtsMarken gesucht. Bolilmark, Tvismark, Kongsmark heißen hier Orte und die Nähe zu den Ortsmarken über diese Namen sprang Juergen an. Sylt lag vor der Nase. Und dann die vielen Verkaufsstände von Troedel , wie schon so oft in Dänemark: sie fallen einem immer wieder vor die Füsse. Auch hier.

Während im Kreis über die Insel gefahren wird, schließen sich die Dinge kreisförmig. Sollen wir länger bleiben?

Fedderwardersiel : was fuer ein besonderer Name, unsere nächste Station, jetzt schon wieder in Deutschland, auf der Wesermarsch. Es gab eine Wiese vorm Deich als Stellplatz mit Sicht auf die weit entfernten gigantischen Kräne von Bremerhaven, in der Ferne, und vor Ort ein kleiner Kutterhafen, und wieder die ewige Fischbude und das Watt. Hier waren wir nur kurz, aber nicht das letzte mal. Das steht fest. Und dann Harlesiel mit diesem schrecklich betonierten Stellplatz und dem gescheiterten Versuch mit der Fähre nach Wangerooge zu kommen. Pustekuchen: Hauptsaison, überbuchte Fähren, Massen an Touristen, kein Platz fuer uns und alles so gleich, alles so betoniert. Schrecklich!

Während die Sonne auf einen einbrennt, entferne ich man sich von diesem so unruhigen Ort und frage mich: „Was wollte ich eigentlich hier?“

Und zum Abschluss Ditzum und Emden, da wo die Ems zum Meer wird und uns die kleine Personenfähre von Ditzum nach Petkum übergesetzt hat. Man sagt, dass in Ditzum die Welt zu Ende sei. Kann durchaus sein, und wenn, dann ist es ein schönes Ende. Emden ist der Kontrapunkt, laut, lebendig, hektisch, dicht, wobei die Kunsthalle wie eine Rückzugsinsel auf uns wirkte und Balkenhols Bildhauerei einen wieder auf das wesentliche fokussierte: den Menschen. Und zurück in Ditzum wieder der Fisch zum Abendbrot, und beim Spaziergang die kleine Kirche, deren Kirchturm als Leuchtturm den Ort überragt. Und hinterm Deich die Schafe, die blökend grasen, aber für Juergen ähnelt ihr Geblöke eher einem Rufen. So sagte er.  Wir wollten eigentlich nicht weiterfahren, nach Hause. Hier war es gut. Die Ems war so riesig und so glatt und so beruhigend: alles passte! Und wie gesagt: die Schafe blökten.

In der Natur mit dem Wohnmobil stehen, abgeschieden, ruhig, hinterm Deich, vor dem Schilf mit den Gänsen: dafür gehen andere ins Kloster.

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Buchalov

Wir sind wieder da! Teil 1

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Wir sind wieder da, Juergen und ich. Unsere Sommerpause ist beendet.

Und sie begann so: Zuerst kam Berlin, drei Tage lang.  Juergen und ich waren in Köpenick und haben mit unserer „Band M“ zuerst geprobt und dann auf einem Nachbarschaftsfest an der Dahme gespielt. Richtig schön wars. Richtig gesellig. Und gut fuer die Seele. Und „Berlin Mitte“ haben wir auch zweimal besucht.

In der selbstgemachte Musik gehe man ganz auf, sagt man, finde zu sich selbst, Energie pur. Berlin aber: Reizüberflutung. Und die Frage: wo bleibt das Selbst in diesem riesigen Gewusel? Wo sind die Rückzugsräume?

Und mit Susanne Haun und Michael haben wir uns am letzten Tag im Wedding ebenfalls getroffen. Und das war mehr als besonders schön, denn Susanne und Juergen hatten sich lange nicht gesehen. Und waren sich sogleich wieder so vertraut, so nahe. Irgendwie hat Juergen vor lauter Freude vergessen zu fotografieren.

Nähe und Vertrautheit ist mehr als gut!

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Dann kam Waren an der Müritz, Radtouren am See entlang, „OrtsMarken“ finden, ein neues Skizzenbuch eröffnen, einiges zeichnen und den Rhythmus der Stadt hinter sich lassen, zur Ruhe kommen. Und das unbeirrt in der wunderbaren Landschaft am See.

Wann bin ich bei mir? Was macht die Fremde, Landschaft mit mir, die Ruhe, das Licht, der Wind, die Sonne? Wann bin ich glücklich? 

Ein kurzer Abstecher in Maasholm an der Schlei folgte, erwähnenswert ist dabei nur das Fischbrötchen von der Fischbude am Hafen, bevor wir in Lökken in Nordjütland gelandet sind. Hier war es sofort das kolossale Licht und der riesige Strand, der Juergen gehalten haben, über eine Woche lang, und so einiges an Skizzen entstehen ließ. Juergen fand es phantastisch! Was fuer eine Landschaft! Was fuer eine Stimmung. Die Steilküste, die abgerutschten Wehrmachtsbunker, die so nahen Drachenflieger, das dänisch Unkomplizierte, Börglum Kloster, Rubjerk Knute – auch wenn der wirtschaftliche Strukturwandel hin zum „Totalen Tourismus“ hier alles bestimmt. Aber das wirklich Alte wie Böglum Kloster kriegt auch der nicht kaputt. An Gerdas Thema der Verschmelzung von Natur und Technik musste Juergen da oben ebenfalls denken.

Ich bin Teil des Ganzen, die Energien fließen ruhig dahin, der Kopf ist klar, der Wind macht alles gleich, der Sand glättet, wunderbar! Das Licht, das Licht! 

(Buchalov, Teil 2 folgt)

Horchgeräte 3

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Mir schien es, als sei Juergen mit dem Thema seiner „Latos Horchgeräte“ schon durch. Einiges habe ich Euch davon ja schon gezeigt. Hier der Link: Horchgeräte >>> [ … ] <<<

Aber jetzt sind noch weitere Drucke entstanden, die schon teilweise nicht mehr existierende militärische Horchgeräte auf der Basis von Photos aus dem Internet in den Focus genommen haben.

Und Juergen variiert diese Motive.

Und die momentan existierenden Horchgeräte wie „Alexa“, Hörgeräte  oder sprachgesteuerte Fernseher stehen  auch noch auf seiner Liste. Ich bin gespannt, wann er die angeht.

Buchalov