Mit diesen Netzen hier findet es nun sein Ende. Na ja: Ende stimmt nicht ganz. Aber die Untersuchungen zu den Faltungen laufen nun aus. Sie werden aber auch zukünftig Bestandteil des Repertoires an Techniken und Formen von Jürgen sein – da bin ich mir ganz sicher. Gerade bei den Papierobjekten, die ja schon seit Jahren parallel zu den Holzschnitten entstehen, wird sich einiges niederschlagen.
Gefunden hat er auch noch zwei Zeichnungen, die er schon ganz vergessen hatte.
Und jetzt wird er wohl, so sagte Juergen, erst einmal das Atelier aufräumen, den Kopf ein wenig leerfegen, die Musik soll dabei helfen, und er wird zeichnen, zeichnen, zeichnen. Das nächste Thema kommt betimmt.
Die Idee, die dahinter stand war die, dass die Knickfalten ja Linien sein könnten und in ihrer Häufung vielleicht ein Netz ergeben. Und das zu erfassen und darzustellen: dies war die Aufgabe.
Ich habe ihn dabei beobachtet wie er das angestellt hat. Er hat aussortierte, gefaltete Papierobjekte wieder in den zweidimensionalen Zustand transferiert und die Linien mit dem Cutermesser herausgeschnitten. Der Zufall hat dann einen Teil übernommen, und Jürgen war derjenige, der das Gesamte anschließend bewertet hat. Das heisst konkret: Einiges landete an der Wand, der Rest im Mülleimer.
„Dadaismus ist …“ „Mein Gott“ hat Jürgen gedacht als er das las. Susanne hatte ihm wieder einen Halbsatz zugeschickt, den er vervollständigen sollte. Sein Gedanke: Jetzt wird es kunsthistorisch. Jetzt wird es gewichtig. Susanne hatte ihm da einen Halbsatz zur Vervollständigung geschickt, der hatte es wirklich in sich. Man kann ja schließlich hier im Block keine Abhandlung darüber schreiben, was Dadaismus ist. Aber die Wortbedeutung könnten man mal nachschlagen, hat er sich wohl gedacht. Und fand da neben vielem anderen die Erklärung, dass der Dadaismus seinen Namensursprung in der Bezeichnung eines französischen Spielzeugs haben soll. Französische Kinder nannten wohl ihr Steckenpferd Dada. Ob das wohl stimmte?
Egal: Der Dadaismus ist groß, gewaltig und eine Kunstströmung, die nicht mehr wegzudenken ist und – für Juergen ganz wichtig – das Konventionelle ablehnt, nach neuen Wegen suchte und Nichtkonformistisch daherkam. Oder kommt, denn den Neodadaismus gibt es ja auch schon. Für den Rest nehme man das Internet.
Nach einigem Zögern hat Jürgen dann eine Notiz geschrieben. Die hatte Bestand, auch nach Tagen noch, und Jürgen hat also vervollständigt mit „…da und da und da!“ Der ganze Satz geht jetzt also so:
Dadaismus ist da und da und da!
Und Susanne bekommt von Jürgen jetzt folgenden Satzfetzen zugeschickt: „Wenn ich einen rostigen Nagel fotografiere …“