Bademantelkommentar #7

HipstamaticPhoto-543748366.023898

Montroig Bahia, Spanien, dort, wo Miro in seinen Jugendjahren ans Meer ging

Juergen stand in seinem Bademantel am Strand, im Gespräch mit Klaus aus Frankfurt, der in seiner Hand die Bildzeitung von gestern hielt. „Gegen eine rechte Gesinnung nützt auch kein Dialog. Zwecklos! Die Unentschlossenen kann man im Dialog vielleicht noch erreichen. Vielleicht. Aber die Hardliner, nee, auf keinen Fall!“

Buchalov

Sonntagstour

IMG_1236

Die Sonne schien. Also bin ich mit Juergen los, im Auto, eine Sonntagstour, nicht all zu weit, nach Arcen, das liegt in Holland, hier bei uns um die Ecke, direkt an der Maas.

Und es war klar, weil es immer so ist. Während wir am Ufer der Maas entlanggehen, lief wieder eines dieser Grundsatzgespräche ab. Diesmal ging es um Grenzen. Bleibt ja auch nicht aus, wenn man an diesem geschichtsträchtigen Fluss entlangläuft: geografische Grenzen, die Grenzen in uns, wie einen die Anderen eingrenzen können, wie es um die Freiheit steht, im allgemeinen und im besonderen, wie wir den anderen Freiheiten zugestehen können und sollen und müssen und oft nicht wollen, dass jeder von uns an seine Grenzen stößt und wie er damit umgeht, dass Grenzen überwinden sehr viel mit Energien zu tun hat, dass Grenzen auch Sicherheit bedeuten, was es bedeutet, wenn man  seine persönlichen Grenzen öffnet, wie mit Unsicherheiten umgegangen werden kann, wie das Fremde uns ängstigt, wenn es an unsere Grenzen klopft und und und.

Es wollte einfach kein Ende nehmen und ich war froh, als wir dann beim roten Genever und den Pfannkuchen im Zentrum von Arcen zur Ruhe kamen.

Auf der Rückfahrt haben wir geschwiegen.

Buchalov

Funktionieren und Freiheit

Das ist für mich ein altes Thema und hat damit zu tun, dass ich mein tägliches Brot mit dem LKW verdiene, aber gleichzeitig an der Maschine bastele und mich dabei immer wieder frage, wieso ich mich nicht ganz auf das Weiterbauen einlassen kann, obwohl ich es gerne möchte. Stattdessen bin ich immer wieder gezwungen mich einzuschränken, zeitlich und inhaltlich, weil ich mit dem Job, der das Geld bringt, auch klarkommen muss. Ich fahre gerne LKW, darin liegt es nicht. Aber ich kann durch den Job nicht vollkommen frei entscheiden, wann ich zu meiner Maschine gehe. Die Maschine ist aber schließlich meine Sehnsucht.

Buchalov

P.S.

Zur Illustration habe ich ein Foto aus Juergens Atelier „Zelle k4“ genommen. Von meiner Maschine gibt es schon so viele Bilder.

Botschaften 1- 3

Ich habe gestern Juli Zeh kennengelernt – zwar nur flüchtig, in Ihrer Bühnengarderobe, aber immerhin. Meine Freundin Ula und ihre Freundin Wes haben sie bei einer szenischen Lesung zu ihrem neuen Buch „Corpus delicti“ hier bei uns im Ort unterstützt. Unser Kulturkreis hatte sie eingeladen.

Sie ist Raucherin und eine verdammt gute Erzählerin. Und hat Botschaften – so sagte sie anschließend im Gespräch.

Botschaft 1: Leute, denkt bitte nach! Reflektiert selbstkritisch die gesellschaftlichen Dinge.

Botschaft 2: Seid wachsam!

Botschaft 3: das Buch „Corpus delicti“ ist ein politisches Buch, mit einem kleinen Schwenk des moralischen Zeigefingers. Das, was dort als Science Fiction eines totalen Staates gezeigt wird, ist heute mit den aufgezeigten Methoden schon machbar. Die staatliche Pflicht zur Erhaltung der persönlichen Gesundheit als fürsorglich getarntes diktatorisches Element, nicht der direkte staatliche Zugriff wie in den traditionellen totalen Systemen und wie man dazu stehen kann, das ist ihr Thema. Es geht um „Freiheit und Sicherheit“, um die Frage, wieviel Freiheit gebe ich für das Gefühl der Sicherheit auf und wann hat mein Leben einen Sinn: in der Abwesenheit von Schmerz und Unsicherheit oder im Risiko von körperlichem Verfall mit der Konsequenz der letzten Stunde und dem Erleben von Unglück, um zu begreifen, was Glück bedeutet.

Davon hat sie gelesen und erzählt.

Buchalov