Orte sind voller Geschichten und emotionalem “Gedöns” und scheinbar unentbehrlichen Identifikationen.
Fundstuecke werden an Orten geborgen und tragen den Gehalt der Orte in sich. Vielleicht. Der Gedanke, das dem so sein könnte, dieser Gedanke jedenfalls hat seinen Reiz.
Und Fundstücke werden zu OrtsMarken, wenn Juergen sie zeichnerisch in einen anderen Zustand überführt.
Poel heißt die kleine Insel nördlich von Wismar. Fast Vierzehn Tage waren wir dort, haben die Insel erkundet, haben versucht ihr auf die Spur zu kommen, haben ein wenig fotografiert, ein paar Fundstücke gesammelt und gezeichnet. Alles zusammen ist zu einem Ganzen geworden, von dem ich nach und nach so einiges zeigen werde.
Selbstbefragung – Zimmerreise – Fundstückuntersuchung – Quellenstudium: das hat Jürgen in den letzten Tagen alles vollzogen – kawumm, zomp, kawumm. Er bezog sich dabei auf seinen letzten Blogbeitrag zur „Zeit ohne Zeit“. Jürgen will ja klären, was es mit „Zeit ohne Zeit“ auf sich hat.
Die Selbstbefragung lieferte Ergebnisse, was Synonyme von Zeit anbelangte und das Gegenteil davon. „Zeit ohne Zeit“ könnte von daher vielleicht bedeuten: Zeitloch – punktuelle Zeit – Zeitschrumpfung – Freiheit der Zeit – time is only here – timeless – Zeitteufel – Punkt – verspätet – Zeitpunkt – Moment – Einzelfälle der Zeit. Das Punktuelle, das Zeitlose, das Löchrige sind bei Jürgen hängengeblieben und könnte Bilder liefern. Denn darum geht es ja: Bilder finden für das Begriffspaar „Zeit ohne Zeit“.
Die Zimmerreise erbrachte Hipstagramphotos von einem Uhrenziffernblatt und schattigem Licht auf Wänden.
Die Fundstückuntersuchung lieferte Skizzen und Druckstöcke von einem Uhrengehäuse, von einem Blasebalg, Zeitschichten und einer Zeitschleife.
Und das Quellenstudium hat ihm vor Augen geführt, das Einsteins Relativitätstheorie, die ihm Kenntnisse über die Zeit liefern sollte, im Moment seine Möglichkeiten des Verstehens übersteigt. Jürgen sagte, ihm fehlten einfach exakte physikalische Grundkenntnisse darüber, was Relativität, Masse, Raum, Zeit, Raumzeitkrümmung, Schwarzes Loch und und und sei. Hängen geblieben ist, dass offensichtlich die mit Lichtgeschwindigkeit durchs All Reisenden die Zeit überwinden können.
Soweit so gut. Jetzt soll das alles erst einmal in kleine Linolschnittdruckstöcke fließen.
Aufräumen muss sein. Und sortieren erst recht. Danach weiß man immer, wo man steht und hat Ordnung in das kreative Chaos gebracht. Meinte Juergen. Ich weiß nicht, ob dem wirklich so ist.
Auf seinem großen Tisch im Atelier hat Juergen jetzt Folgendes liegen: Fundstücke aus seinem Atelier, die ihm wohl irgendwie in den letzten Tagen ins Auge gesprungen sind und aus welchem Grund auch immer hier gelandet sind.