Wir waren in Reutlingen. Der Kunstverein dort hat zwei Standorte: das Spendhaus mit dem Schwerpunkt Grieshaber und Druckgrafik und das Gebäude an der Eberhardstrasse mit moderner zeitgenössischer Kunst.
Grieshaber inspirierte mich zum wiederholten male mit seinen Mal- und Bildbriefen, den wie aus der Zeit gefallenen Titeln (Schwarzer Odysseus, Herbst, Rabbi, seinem FeuerVogel, vogelfrei, die dunkle Welt der Tiere, Landstraße von Godot, Floetenspieler, pan und mit seinen “Engeln der Geschichte”). Faszinierend auch die Zusammenstellung seiner zeichnerischen Skizzen und der daraus direkt folgenden Endergebnisse: ein klärender Blick in seine Arbeitsweise. Es gab auch moderne Formen des Holzschnitts zu sehen. Dennoch blieb die alte Frage: worin besteht heute die Zeitgemäßheit, das Moderne des Holzschnittes?
In der Eberhardstrasse gab es Raumsituationen mit konstruktivistischerer Malerei und Objekten eines Sammlerehepaares zu sehen, die ihre Kunst im wohnlichen Ambiente zeigte und eine Etage tiefer bewegte Jürgen noch „Woman to go: https://www.terheijne.net/works/woman-to-go/ und „the future of oil“. Darüber ist noch nicht das letzte Wort gefallen. Ca. 30 fotografische Frauenportraits in Postkartenform haben den Besitzer gewechselt.
Heiß war es heute, um die 36Grad C.
Und gezeichnet hat Jürgen weiter an seiner Zusammenfassung von dieser Tour:
Und auch hier: außer in den Nachrichten hören wir auf der Tour niemanden, der über den Ukrainekrieg, diese Kathatrophe, redet. Komisch! Grieshaber hätte sicherlich klar und deutlich Position bezogen – mit Böll und all den anderen an seiner Seite.
Jürgen meinte, dass er nach Spanien gefahren sei, vor gut zwei Monaten, ohne einen genauen Plan, was er da künstlerisch anstellen wolle. Das ergäbe sich ja oft vor Ort. Darauf habe er vertraut. So war es wohl auch dieses mal. Einen Teil der Ergebnisse habe ich hier schon gepostet. Und jetzt hat er mir einiges Theoretische, vielleicht ein Konzept, zu dem, was er da gearbeitet hat, nachgereicht.
„to bring and to find“: einige Gedanken
Das künstlerische Konzept „to bring and to find“ erkundet einen Ort, eine Parzelle und die Beziehung zwischen den mitgebrachten und vor Ort gefundenen Materialien, Gedanken oder Empfindungen. Es betrifft auch die Historie eines Ortes. Was bringen wir mit an andere Orte? Da ist unser Körper, unsere Hülle, unsere Gedanken, unsere Befindlichkeit. Und diverse Materialien, Dinge, Haltungen, Werte, Worte. Und was finden wir vor? Fundstücke, Markierungen, Menschen, diverse Materialien, diverse Dinge.
Treffen Ort und Person aufeinander dann beginnt ein Prozess der Interaktion, mal bewusst, mal unbewusst. Man wirkt aufeinander und gleicht sich an. Man tariert sich aus und versucht das Gleichgewicht der Kräfte im Sinne eines horizontalen Ausgleich herzustellen. Durch die Anwendung der Techniken des Zeichnens, Fotografierens, Schreibens und Bauens mit Papier entsteht eine rhizomartige Vorgehensweise, die den Prozess und den Zufall betont.
Die Mobilität spielt eine entscheidende Rolle. Zu den Orten wird sich hinbewegt und der Künstler erkundet den Ort, auch sich selbst und tritt in Interaktion mit beidem. Diese Interaktion führt zu Veränderungen, sowohl in der Wirkung des Ortes auf den Menschen als auch in der Wirkung des Menschen auf den Ort.
Das Konzept betont die Prozesshaftigkeit und den Zufall als wesentliche Elemente. Durch die rhizomartige Vorgehensweise entstehen unvorhergesehene Verbindungen und Beziehungen zwischen den Materialien, dem Ort und dem Künstler. Sie bestimmen das künstlerische Ergebnis.
Die Auswahl der zu bearbeitenden Objekte vor Ort basiert auf Kriterien, die die Vielfalt der Fundstücke und Materialien widerspiegeln. Diese Auswahl erfolgt auf spontane, gezielte, planvolle, ungesteuerte, zufällige, unbewusste, bewusste oder impulsiv inspirierte Weise. Dadurch entstehen Wechselwirkungen zwischen dem Menschen und dem Ort, wodurch sowohl der Mensch als auch der Ort beeinflusst werden können.Es geht darum, Spuren zu finden, die eine besondere Bedeutung haben, die aktuell sind, in denen man sich wiederfindet, die irritieren und eine interessante künstlerische Bearbeitung ermöglichen.
Die Ergebnisse des künstlerischen Prozesses werden in verschiedenen Formen präsentiert, wie beispielsweise einer Ausstellung, in den sozialen Medien oder einem Katalog. Die Präsentation ermöglicht es dem Publikum, die Spuren der Bearbeitung zu entdecken und sich mit der Beziehung zwischen den Materialien, dem Ort und dem Menschen auseinanderzusetzen.
Das Konzept „to bring and to find“ lädt dazu ein, die Vielfalt der Materialien, Gedanken, Empfindungen, die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Ort sowie die Veränderungen, die durch den künstlerischen Prozess entstehen, zu erforschen. Es schafft einen Raum für Reflexion und Dialog über die Bedeutung des Ortes, die Beziehung des Menschen zu ihm und die verschiedenen Interpretationen, die daraus entstehen können.
Aufräumen war heute angesagt, denn es war der letzte Tag im Zwickelbüro. Es war auch Zeit für einen Text, der das Zwickelbüro und den Zwickel näher beleuchtet:
„Das „Zwickelbüro“ ist ein kreatives Studio, das sich auf die Herstellung von Kunst spezialisiert hat. Obwohl der Name des Studios zunächst nicht unbedingt mit Kunst in Verbindung gebracht wird, haben die Gründer des Zwickelbüros die bildenden Künste im Focus und setzen diese in ihrer Arbeit um.
Das Zwickelbüro ist nicht nur ein Ort der Produktion, sondern auch ein Studio des Dialogs, der Zeichnung, der Druckgrafik und der Malerei. Die Mitarbeiter des Studios arbeiten eng zusammen, um innovative und kreative Designs zu entwickeln. Dabei lassen sie sich von verschiedenen Einflüssen und Techniken aus der bildenden Kunst, ihrem persönlichen Werdegang, ihrer Prägung und ihrem persönlichen Umfeld inspirieren.
In der Zeichnung nutzen die Künstler des Zwickelbüros alle Möglichkeiten, um erste Ideen und Designs zu visualisieren. Die Zeichnung ist aber ebenso ein vollkommen eigenständiger Ansatz um im Mix mit anderen Techniken Werke zu herzustellen.
Auch in der Druckgrafik wird im Zwickelbüro viel experimentiert. Hier kommen verschiedene Drucktechniken des Hochdrucks zum Einsatz, wie beispielsweise der Linolschnitt oder der Holzschnitt. Der Mix und die Durchmischung verschiedener Elemente soll Dynamik und Lebendigkeit und Offenheit wiedergeben. Durch den Einsatz von Farben, Schablonen und unterschiedlichen Papieren, auch Restepapieren, entstehen hier einzigartige Drucke mit einem hohen künstlerischen Anspruch, primär orientiert am Motiv des Zwickels.
In der Malerei setzt das Zwickelbüro auf eine gegenständliche, weniger abstrakte Formensprache. Durch den Einsatz von Farben, Formen und Texturen entstehen Werke, die sich durch eine hohe ästhetische Qualität und eine besondere Ausdruckskraft auszeichnen. Die Malerei geht Verbindungen mit der Druckgrafik ein. Dabei lassen sich die Künstler des Studios von verschiedenen Strömungen der modernen Malerei und dem im Atelier vorhandenen Material oder Aktualitaeten inspirieren.
Insgesamt laßt sich sagen, dass das Zwickelbüro ein Ort der kreativen Experimente und des künstlerischen Austauschs ist. Durch den Einsatz von verschiedenen Techniken und Einflüssen aus der bildenden Kunst entstehen hier einzigartiger Designs, Werkstücke und Kollektionen mit ästhetischem Anspruch.
Der Zwickel ist ein Begriff aus der Textilmode, der sich in der Kunst auch auf Architekturelemente oder Grafisch – Zeichnerisches bezieht. Im Zwickelbüro ist er das zentrale, aber weit gefasste Thema. In der Antike wurde der Zwickel vor allem in der Architektur eingesetzt, um Dreiecke oder halbe Dreiecke zu füllen und so die gesamte Fläche zu nutzen. Doch auch in der bildenden Kunst und der Textilkunst/Mode spielt der Zwickel eine wichtige Rolle.
In der Malerei kann der Zwickel als eine Art Schnittpunkt zwischen verschiedenen Farben oder Formen betrachtet werden. Oft wird der Zwickel bewusst genutzt, um einen interessanten Kontrast oder eine harmonische Verbindung zwischen den verschiedenen Elementen zu schaffen. Besonders in der modernen Kunst, in der Abstraktion und geometrische Formen eine große Rolle spielen, wird der Zwickel gerne als gestalterisches Element eingesetzt. Dabei kann er entweder als Trennlinie zwischen verschiedenen Farbflächen oder als verbindendes Element zwischen zwei geometrischen Formen dienen.
Auch in der Textilkunst spielt der Zwickel eine wichtige Rolle. Hier bezeichnet er einen schmalen Streifen Stoff, der in der Regel an der Unterseite von Hosen oder Röcken eingenäht wird. Der Zwickel dient in diesem Fall vor allem dazu, den Tragekomfort zu erhöhen. Er verhindert, dass der Stoff an den Oberschenkeln reibt und so unangenehme Scheuerstellen entstehen. Darüber hinaus kann der Zwickel auch als gestalterisches Element eingesetzt werden. Besonders bei bunten oder gemusterten Stoffen kann ein farblich abgesetzter Zwickel für einen interessanten Akzent sorgen.“