Buchalovs Freunde Tour 2019: grau!

Heute ist so ein „grau – in-grau- Tag“: eine gute Gelegenheit um mal einen Schritt langsamer zu agieren, beim posten . Ein paar von Juergens Arbeiten, entstanden heute hier in Ditzum, sollen daher genügen:

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Buchalovs Freunde Tour 2019: Hängepartie!

Das Ende der Welt, hier in Ditzum, verlangt uns einiges ab. Der Blick hinterm Deich ist weit, die Sonne knallt vom Himmel, die Hitze macht uns antriebsarm , die kommenden Gewitter laut Wetterbericht lassen keine Radtour zu: also Hängepartie! Weiterzufahren macht keinen Sinn, da durch das Brückenwochende hier oben an der Ems und überhaupt in Friesland alles total überlaufen ist – so die Mundpropaganda und Facebook. Also lese ich, Juergen zeichnet, wir reden viel über Kunst und die eigene Position. Und wir warten auf Zeichen – welche auch immer. Jürgen neigt mehr zu den Zeichen aus seinem Inneren heraus. Ich mehr zu denen von außen.

Unsere Nachbarn von links, beide aus Cochem, sind weitergefahren. Die Gespräche mit ihnen waren speziell. Es waren andere Themen wie sonst üblich: Was bewirkt eine Luftfederung am Wohnmobil? Warum habe ich als Kind immer die abgelegten Sachen meines Bruders bekommen? Warum sind wir als Kinder nie mit den Eltern verreist? Antwort: weil Vater meinte, er sei im Krieg als Soldat schon überall gewesen. Wenn ich mich bewege, habe ich dann verloren? Was war den euer erstes Auto? Na ja, solche Themen halt.

Und die Gewitter sind dann tatsächlich gekommen, mit sattem Regen und dicken Tropfen. Dazwischen in einer Regenpausen ging es schnell zur Fischbude, wir hatten Hunger, in die protestantische Kirche, wir waren neugierig, und ein paar Kilometer mit dem Rad über den Deich zur alten Bohrinsel. Das wars.

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Buchalovs Freunde Tour 2019: Ditzum – Petkum – Emden, Emden – Petkum – Ditzum

Ist es das Meer oder ist es der Fluss? Ist es die Nordsee oder ist es die Ems? Am Dollart vermischte sich das gestern.

In der „Kunsthalle Emden“, da vermischte sich beim Anschauen von vielen Nolde- Bilder auch einiges. Die „Causa Nolde“ schwebte umher. Hier Zitate aus einer Sammlung von Karten, die Auslagen: ein Kunstwerk ist unschuldig, auch Blumen haben eine Gesinnung, Kulturschock-so sind Menschen, Nolde ist Nolde ist Nolde ist Nolde, künstlerisch ein Genie – menschlich ein Schwein. Mir fällt dazu auch noch Horst Jansen ein. Buchalov nickte.

Wir sind mit der Fähre nach Petkum rüber und dann mit dem Rad nach Emden. Und wir sahen expressionistische Malerei aus der Sammlung Nannen und Ziegler. Bei Juergen hat es „Klack“ gemacht. Er werde, so glaubt er, bei einigen der nächsten Zeichnungen darauf Bezug nehmen. Und bei Kirkeby habe es nicht nur „Klack“ gemacht, sondern „Peng“, meinte Jürgen. Da seien sie wieder hochgekommen, diese zentralen Begriffe wie „Sedimente, Mäander, Schichtung, die Rhyzomformen. Er war richtig begeistert.

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Buchalovs Freunde Tour 2019: Was für ein Name!

Was für ein Name! Was für ein Ort! Hier am Deich ist das Ende der Welt. Und das Weltende befindet sich für uns natürlich am Ende des Lysefjordes in Norwegen. Aber das ist eine andere Geschichte. Hier jedenfalls geht es nicht weiter, und es herrscht eine Ruhe, die wir so in den letzten Tagen nicht erlebt haben. Einfach Ruhe.

Ditzum liegt an der Ems, am Dollard. Nicht am Isselmeer. Und nicht in Norwegen. Wir haben uns spontan entschlossen, die Route rund ums Isselmeer Richtung Osten zu erweitern, wir sind ja frei, und stehen jetzt hinterm Deich, Emden gegenüber.

Juergens Nachfrage in dem kleinen Touristikbüro am Hafen hat für etwas Klarheit gesorgt. Im Herbst gibt es hier die „Ditzumer Kunsttage“. Tja, das wars. Meine Recherche hat ergeben: Kunsthalle Emden, die Stadt Leer mit einigen Angeboten, u.a. dem Marinemaler, und Coldam, einen Ort mit einer freien holländischen Kunst- Initiative, in der Nähe von Weener- alles mit Fahrrad und einer Tagesfahrt erreichbar. Das also gibt es hier. Und es gibt Natur pur, und Schafe gibt es auch und einen Hund, der hier begraben liegt. Es gefällt uns!

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Buchalovs Freunde Tour 2019: kunstfreie Zone?

Warten sei das Eine: Warten auf visuelle Inspirationen, oder auf das zufällige Fundstück oder auf Menschen, die bedeutsam sein könnten oder auf plötzliche Eingebungen mit Kurzzeitwirkung oder auf das Kaffeewasser, weil ohne Kaffee kaum was geht oder warten auf schicksalhafte Hinweise, welcher Art auch immer.

Herumstrolchen sei das Andere: um das Wohnmobil herum auf der Suche nach Fundstücken, die OrtsMarken werden könnten oder herumstrolchen um neue Orte zu sehen oder um eine Galerie zu finden oder um sich Infomaterial zu besorgen oder Herumstrolchen, weil man einfach keinen Plan hat, was man machen könnte.

So sieht das aus auf dieser Tour.

Und so sieht das auch hier in Lemmer aus. Dort stehen wir nämlich seit gestern . Alle künstlerischen Recherchen haben bisher allerdings nicht viel ergeben. Alles Suchen nach Kunst war vergeblich. Vor die Füße ist Jürgen auch nichts gefallen. Lemmer, so scheint es, ist kunstfrei. Was aber nun mal nicht sein kann, denn Kunst ist ja immer und überall.

Lemmer liegt auf der östlichen Seite des Isselmmeers. Wir sind ueber den 30km langen Abschlussdeich gefahren. Ans Anhalten war nicht zu denken: es hat gestürmt, aufs heftigste geregnet, und wir sind mit maximal 80km/h über den Deich geschlichen. Die Natur hatte uns, wir nicht die Natur. So ist das ja oft: wir reden uns nur etwas anderes ein. Aber jetzt scheint die Sonne und das Treiben hier am Kanal zu beobachten macht alle vorher gewesenen Widrigkeiten vergessen.

Ursula und Klaus stehen mit uns gemeinsam auf dem Stellplatz im Jachthafen. Sie sind Freunde, aus Kleve, die wir aus Spanien kennen. Klingt eigentümlich, ist aber so. Juergen wollte sie unbedingt hier treffen, denn er wußte, das sie hier ein Wochenende verbringen.

Ursula und Buchalov

Und was war sonst noch: In der Touristikzentrale gab es keine Infos zur modernen Kunst in Lemmer. Wir haben aber mal wieder eine Wand gesehen. Trommelnde Frauen kreuzten unseren Weg. Und Juergen hat sich in der Stadt den Bart und die Haare schneiden lassen, denn man müsse schon auf sich achten, meinte er. Und dann gab es noch den ernährungstechnischen Rückfall in alte Zeiten.

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Buchalovs Freunde Tour 2019: der dritte Tag ist der mit dem Wetter!

Es regnete. Nicht immer und ständig. Aber ab und an: schwere und dichte Tropfen, mit Wucht. So auch heute Morgen. Und dann richten wir uns im Wohnmobil ein, lesen und Jürgen zeichnet. Und wir warten auf ein Zeichen. Alles kann ein Zeichen sein. Es kommt darauf an wie wir es interpretieren.

Es ist ja so: Über das Wetter lässt sich immer reden. Wenn nichts mehr geht, das Reden über Wetter geht ja immer, Ein Allzweckthema. Na ja! Und irgendein ein Wetter wird ja immer erlebt, es ist immer da und es passt uns oder es passt uns nicht. Momentan passt es nicht. Wir könnten drüber reden.

Am Frühstückstisch hat Jürgen noch ein paar Skizzen erstellt, im Querformat, weil daraus ein Heftchen mit Zeichnungen und Collagen werden soll.

Die Fotogramme im „Hotel Maria Kapel“ sind ihm hängen geblieben. Ebenso dieses so unscheinbare Fundstueck im Jachthafen von Hoorn.

Die Nachfrage gestern im Touristiczentrum nach den Ausstellungsorten von moderner Kunst in Hoorn brachte nun wirklich kein Ergebnis. Das ist aber eigentlich klar: denn Hoorn ist ein Museumsstadt, wunderschön hergerichtet und restauriert, mit Liebe wird man in vergangene Zeiten zurückversetzt. Alles dreht sich um die Blütezeit der Stadt im 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter, als die „Dutch East India Company“ von hier aus ihren Handel betrieb und die Menschen und die Stadt reich machte. Das sieht man noch immer. Da muss moderne Kunst erst einmal einen Platz finden.

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Buchalovs Freunde Tour 2019: Hoorn

„Wenn du fremd bist, dann musst du dich öffnen“, meinte er heute zu mir. „Und hellwach sein, denn die Kunst fällt dir vielleicht vor die Füße. Aber das ist eher die Ausnahme. Du musst hellwach sein, um die Zeichen, die Hinweise, das Zufällige zu sehen und festzuhalten. Nur so kann das funktionieren.“ Und man solle dabei bloß nicht verkrampfen. Wenn man verkrampfe sei man blockiert. Ich habe nicht geantwortet. Das war mir zu simpel, denn irgendwie ist das ja immer so.

„Und was ist Dir heute vor die Füße gefallen?“, fragte ich stattdessen. Na ja, seine Antwort war klar:

Einmal „das Hotel Maria Kapel“, eben kein Hotel, sondern eine Residence fuer Künstler. Wir durften einen Blick hineinwerfen, während die momentanen Residencegäste an ihrer Rauminstallation arbeiteten.

Und die Boterhal („Butterhalle), eine Galerie oder noch besser ein Ausstellungsraum für moderne Kunst.

Und dann sei da noch der Rundweg oder Skulpturenweg direkt am Isselmeer gewesen, den er mit dem Fahrrad abgefahren sei. Einiges hat er fotografiert.

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