Projekt ohne Namen #52: „Endlich werden wir EINZELNE aufgefordert, …”

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S: „Endlich werden wir EINZELNE aufgefordert …

Ich vermute, dass Susanne diesen Halbsatz geschrieben hat, weil sie die Erwartung hatte, dass Juergen ihr vielleicht bei der Auflösung einer schwierigen Situation behilflich sein könnte. Denn scheinbar setzen ihr die momentanen gesellschaftlichen Prozesse und Geschehnissen sehr zu und beunruhigen. Jürgen geht es ebenso. 

Aber Juergen kann diese Erwartung nicht erfüllen. Der „arme“ Juergen hat nur den eigenen Humor und die Methode des Nonsens um das uns Bedrückende zu ertragen, um damit umzugehen. Und das Anhören der lauten Musik, zu der er immer und überall mitsingt – das hilft ihm.

Für die neuen Leser: Susanne und Juergen senden sich immer halbe Sätze zu, die der andere dann vervollständigen muss, und die er visuelle umsetzt. Dieses gemeinsame Projekt läuft nun schon seit Jahren und beglückt beide. 

Juergen hat diesmal zwei Ergänzungen erstellt:

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… in die Gartenlaube zu gehen und den Transformator anzuwerfen.

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… nackt auf einem Bein zu stehen und uns frei zu fühlen.

Und im Zusammenhang klingt das dann so:

Variante 1: „Endlich werden wir EINZELNE aufgefordert, in die Gartenlaube zu gehen und den Transformator anzuwerfen.“

Variante 2: „Endlich werden wir EINZELNE aufgefordert, nackt auf einem Bein zu stehen und uns frei zu fühlen.“

Tatim tati tata, Tatim tati tata, Tatim tati tata!

Juergen schickt Susanne jetzt zwei Halbsätze zu: “Ich glaube an Dich, mein Engel…“

„Wenn ich über das Wasser der Förde sah, konnte ich dich zwar nicht sehen, …“

Juergen hat mir gesagt, dass er nun sehr gespannt sei, ob Susanne nur einen Halbsatz aufgreife und beantwortet, oder ob beide Sätze etwas in Gang setzen können.

Buchalov

Buchalovs Tour 2020

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In den nächsten Tagen geht es los. Jürgen und ich fahren „die Buchalov- Tour“ für 2020.

Diesmal, so glaubt er, wird es eine besondere Tour, denn Jürgen will dorthin, wo für ihn alles anfing. Er will dorthin, wo er geboren wurde, dorthin, wo er zur Schule ging, das Abitur machte, dorthin, wo die alten Freunde wohnen, die er so lange nicht gesehen hat. Er wird sie besuchen. Und er will zum Grab seiner Eltern, er will in die Dörfer, in denen seine Ahnen lebten (bis ins 17 Jahrhundert reicht der Stammbaum, denn sein Sohn erstellt hat), und er will dorthin, wo seine Omas ihm die Haferflocken mit Schokolade, Zucker und Milch als besonderes Leckerchen mischten, er möchte in den Wald, in dem er gespielt hat, den alten Schützenplatz besuchen, dorthin, wo er zum ersten male geknutscht hat. So etwas halt.

Und damit ist das Problem klar: Wenn alles nur nach hinten gerichtet ist, dann ist das zwar eine Form der Vergewisserung, aber dann wird es auch oft schwermütig. Das weiß er. Aber darauf ist er eingestellt. Daher will er versuchen aus dem Blick auf das Vergangene einen Blick nach vorne zu entwickeln. Während der Fahrt. Das ist das Wichtigste. Von gestern zum Jetzt und morgen. Und das Zeichnen, Fotografieren und Kleben soll dabei helfen.

Nun ja, die Kunst soll natürlich nicht vergessen werden. Galerien, Museen und Künstler liegen auch auf seiner Route. Da wird sich sicherlich auch noch einiges spontan ergeben. Vielleicht möchte ja jemand von den Besuchern dieses Blogs, der an dieser Route wohnt, uns beide auch persönlich kennenlernen: einfach melden und dann schauen wir mal, was machbar ist.

Dokumentieren wird er wie immer in seinem zeichnerischen Tagebuch, den Fotos und den Berichten hier im Blog, auf Fb und Instagram.

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Auch ja: wo fahren wir eigentlich hin? Wir fahren an der Sieg entlang von Herchen bis Wissen-Sieg, in die Nebentäler des Westerwald bis nach Hachenburg, und dann über den Westerwald auch nach Limburg, der Domstadt. Dort wohnt nämlich Jürgens Schwester. Am Rhein entlang soll es dann wieder an den Niederrhein gehen.

Buchalov

P.S. Die Zeichnungen in diesem Beitrag sind in der Schweiz entstanden, in Windisch, als wir bei der damaligen „Buchalovs Tour 2017“ „sofasophia“ und „Irgendlink“ besucht haben.

der Schatten von Buchalov

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Rita hat irgendwann einmal in einem Kommentar zu „der Schatten ist der Zwilling“ gefragt, ob Jürgen der Schatten von Buchalov sei. Oder umgekehrt. Ein toller Gedanke, der uns Beiden bisher noch gar nicht gekommen war. Damit war der Schritt getan in Richtung Zwilling oder Verdoppelung von Köpfen. Ein paar „Versuche“ hat Jürgen schon mal in seinem Skizzenbuch verewigt. Es ist ja bei ihm oft so, dass er erst im Zeichnen selbst die Richtung entwickelt, in die es gehen soll. Oder dass sich der Sinn dessen, was er da tut, erst im Tun selbst erschließt bzw. entwickelt. In dieser Phase ist er jetzt.

Und ich als Buchalov ergebe mich in mein Schicksal als Zeichenobjekt, denn ich kann nicht zeichnen, bin kein Künstler, sondern nur der, der dokumentiert und präsentiert. Ich habe überlegt und entschieden: Jürgen darf über mich zeichnerisch verfügen.

Buchalov

Buchalovs Tour 2020: zweimal Vetter

Wer den Teil der Sieg fährt, der auf Siegen zuführt, der bewegt sich in altem Erzbergbaugebiet und in der Region der Eisenverarbeitung. Diese Art des Wirtschaftens, eingebettet in bäuerliche Strukturen, hat alles hier geprägt: die Kultur, die Menschen, das Denken. Die Religion, und hier ist tatsächlich viel Religion in allen möglichen Varianten, war der Kitt, der es zusammenhielt. Eine Binsenweisheit. Dazu kommen die in grauem Schiffer gedeckten oder verkleideten Häuser, oder der so leicht verschmutzende weiß-bunte Rohputz und das in Kombination von Altem und Neuem: so entstehe an vielen Orten dieser seltsame städtebauliche Mix, der schon wieder etwas Besonderes habe und an viel Wildwuchs denken lasse.

Fahren war heute angesagt. Besser: so vor sich hin dümpeln. Und schauen. Und die Gedanken schweifen lassen. In den Seitentälern der Sieg. Die Orte, die wir angefahren haben, hießen (und sagen dem Ortfremden sicher nichts): Schönstein, Niederhövels, Betzdorf, Niederdreisbach, Weitefeld, Elkenroth, Gebhardshain, Hachenburg, Bad Marienberg. Aber für Jürgen haben sie eine Bedeutung: hier wohnt die Verwandtschaft, hier kommen die Ahnen her.

Zwei Vettern hat er getroffen, zwei mit bewegten Biographien. Den Einen hoch oben am Dreisberg von Niederdreisbach, in der Einsamkeit seines großen Hauses auf seinem Trecker, beim Wenden des Heus, und den anderen in seinem kleinen Altersitz in Gebhardshain. Der Eine ist Prediger, der andere war beruflich Bauingenieur und kann auch im Alter das Bauen nicht lassen. Es gäbe viel Privates zu erzählen.

Von gestern wirke bei Ihm noch nach, so Jürgen, dass sich schon die Frage gestellt habe, in wem von seinen alten Schulfreunden noch die Sehnsucht wühle oder ob man sich auf ein Einrichten im Hier und jetzt begnüge. Und zwischen Sehnsucht und Wünschen gebe es ja auch noch einen Unterschied. Auch das Thema des schwindende Einflusses der Alten in Sachfragen, zu denen er sich ja auch zähle, komme ihm jetzt hoch – weil gestern angesprochen.

Buchalov

Fahrten-Mix

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Wir sind wieder zurück. Fast drei Wochen waren wir unterwegs: das Weserbergland, das Alte Land und die Ostsee bei Kiel haben wir besucht.

Und Juergen hat dann heute im Atelier das Material, das auf der Fahrt entstanden ist, mal grob sortiert: einige Fotos und einige Zeichnungen, die Zeichnungen skizziert mit Fineliner und Buntstift. Es ging ihm wohl eigentlich immer um zwei Themen: „die OrtsMarken“ und “der Schatten ist der Zwilling“.

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Dies und das zu “dem Schatten und dem Zwilling”

„Dies und das“ bedeutet, dass ich Juergen dabei beobachtet habe, wie er bei seinem momentan täglichen Zeichnen und Skizzieren dem Stift freien Lauf läßt. Es geht aber offensichtlich immer um sein Thema „der Schatten ist der Zwilling“. Wobei: Verdoppelungsmotive finden sich ja überall. Und Gelb in Kombination mit Schwarz und Grau geht ja auch immer und tut keinem weh. Vielleicht sind das alles auch nur Fingerübungen.

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OrtsMarken – neue Skizzen

Juergen und ich sind wieder unterwegs, schon seit einigen Tagen, mit dem Wohnmobil. Dann ist das Posten im Blog von unterwegs nicht ganz so einfach, aus technischen Gründen. Eine Blogpause möchte ich aber auch nicht machen.

Aber da Juergen unterwegs zeichnet, nicht so kontinuierlich, aber immerhin, zeige ich jetzt einige der OrtsMarken, die in den letzten Tagen den Weg ins Skizzenbuch fanden. Diese Zeichnungen entstehen eigentlich immer auf der Basis von Fundstücken, die er an den Orten, wo er steht, aufnimmt und verarbeitet.

Warum, wieso, weshalb und dann in dieser Form , das ist sicherlich einen gesonderten Beitrag wert. Die Beschäftigung mit einer Theorie des Ortes könnte das sein.

Einen Versuch hat er schon mal unternommen. Hier der Link: https://juergenkuester.net/2019/08/26/ort-platz-stelle-ein-paar-gedanken/

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Die Wand, mal wieder!

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Juergen bat mich zu helfen. Wir haben Zwischen- und Endergebnisse seines aktuellen Arbeitsprojektes an seine Wand im Atelier gebracht. Das Thema lautet: „der Schatten ist der Zwilling.“ Er musste eine spontane Auswahl aus dem ganzen Berg an Ergebnissen treffen, die in den letzten Tagen entstanden ist.

Das Hängen an der Wand ist wichtig für ihn, denn dann kann er innehalten, schauen, vergleichen, Verbindungen suchen, ordnen und thematische Knospungen entdecken. Das sind die Ansätze, die er weiter verfolgen möchte – gemäß seiner Theorie vom rhizomartigen Vorgehen.

Buchalov

 

 

der Schatten ist der Zwilling 8

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Antje und Jürgen vertragen sich gut und sie arbeiten gerne zusammen. Immer wenn ich die Beiden zusammen sehe, spürt man ihr gemeinsames Verständnis füreinander.

Antje ist Malerin. In letzter Zeit hat sie auch einiges im Linoschniit versucht. Und sie weiß, dass Juergen Restepapiere liebt. Damit arbeitet er gerne. Sie sind beim Bedrucken ziemlich unkalkulierbar und zeigen viel Energie. Sie geben den Bildern Lebendigkeit. Es sind einfach gute Hintergründe, findet er.

Antje hat ihm einige ihrer nicht mehr verwendeten Papiere beim letzten Treffen in Wachtendonk geschenkt. Und Jürgen hat sich sehr gefreut und sie tags darauf zum Einsatz gebracht. Er hat seine Schatten drauf gedruckt.

Buchalov