der Schatten ist der Zwilling, Teil 1

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„Wo kommt das denn her?“, fragte ich.

„Es gibt schon mal so Sätze oder Worte, von denen weiss man, dass sie etwas bedeuten, wichtig sind, aber weil sie in der Zeit immer wieder auftauchen, wird deutlich, dass sie wirklich bedeutsam sind. Sie tragen. Da kommt das her“, sagte Juergen.

„Was meinst Du damit genau?“, fragte ich. Bei verschiedenen Themen sei ihm immer wieder der Schatten eines Gegenstandes, die Verdoppelung bei der Bildkomposition, die Symmetrie von etwas, der Zwilling als Zwilling, das ungenau Identische und solche Sachen eben über den Weg gelaufen. Und jetzt habe er dafür einen Titel gefunden: der Schatten ist der Zwilling. Dazu werde er jetzt arbeiten.

Er hat mir das gegeben, was da schon mal eher zufällig vor Zeiten entstanden ist und ich zeige es hier. Vielleicht haben es einige schon mal hier gesehen.

Neue Skizzen gibt es allerdings auch. Doch die zeigen wir später!

Buchalov

Projekt ohne Namen #46: „Ein besonderes Symbol …“

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S: „Ein besonderes Symbol …“

J: … ist der Kreis: it goes around and around and around!“

Das ist Juergens Ergänzung.  Von Susanne Haun erhält er immer halbe Sätze, die er vervollständigen soll. Und umgekehrt.

Als er Susannes Satzfragment erhielt, hat er sich der Notizfunktion des Handys folgendes notiert: 

  • Ein besonderes Symbol steht für alles.
  • Ein besonderes Symbol geht immer.
  • Symbol gleich Bedeutungsträger
  • Besondere Symbole sind Alpha und Omega, weil es nur das ist, was wir wirklich wissen.
  • Symbol gleich Zeichen
  • Die Seele ist etwas Besonderes, weil es danach weitergehen könnte.
  • Gaunerzinken

Die sonst so flapsigen oder humorvollen oder nonsensmässigen Antworten konnte es diesmal nicht geben. Meinte Jürgen. Dafür sei das alles nun doch zu ernst gewesen. Seltsam, dachte ich.

Und jetzt schickt Jürgen Folgendes an Susanne: „Wenn, ja wenn ich dich anspucken würde, …

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Was für Zeiten!

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Jetzt ist es geschehen: Juergen fotografiert Blumen. Die Fotos entstanden unterwegs beim Fahren mit dem Rad am Niederrhein und im Garten. Wenn er diesen Weg weitergeht, wird er sie wohl auch mal wieder zeichnen und drucken, obwohl er das eigentlich nicht mehr wollte.

Was sind schon gestrige Dinge, die man sich vorgenommen hat. Wir leben in besonderen Zeiten!

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Satzbilder/Zinbeelden 3

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„Zinbeelden“ bedeutet das übersetzt „Satzbilder“? Oder besser „Redensart“? Oder @Wortbilder?“ Sein Niederländisch sei nicht so gut, dass er dies entscheiden könne, meinte Juergen zu mir. Sein Mittun im Projekt, das man hier auf der Kunstseite in Millingen einsehen kann >>> http://kunstinmillingen.nl/zinbeelden/<<<  schmälert das nicht. Auch nicht die große Anzahl an Künstlern, die mittlerweile daran beteiligt sind. Ja, man gehe da schon ein wenig unter, aber das Verfahren und die Ergebnisse seien gut. Es bereite ihm richtig Freude da mitzuwirken.

„Daarom ziet ze de slang, die zijn eigen weg gaat, in de richtung van de wetering, flonkerend.“ Den Satz hat er letzte Woche nach einem Würfel – und Nummernverfahren bekommen. Die Übersetzung: „Deshalb sieht sie die Schlange, die ihren eigenen Weg geht, in der Richtung des Wassers/ der Entwässerung, funkelnd.“

Schlangen sind nicht Jürgens Ding. Er sagte mir, dass er Angst vor diesen Tieren habe. Insbesondere die Würgeschlangen möge er gar nicht. Im Atelier lag noch eine Skizze von einem Baumwürger, vor längerer Zeit gezeichnet. Der wurde nun zum Motiv für seinen Linolschnitt.

Und so sehen die einzelnen Ergebnisse aus:

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Satzbilder/Zinbeelden 2

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Das Projekt „Zinbeelden“ macht den nächsten Schritt. Juergen hat wieder einen Satz aus den Niederlanden von Anja Middelkoop bekommen, und der ging so:

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Und hier die Übersetzung, zu der es, so die Vereinbarung, Bilder zu erzeugen gilt:

“Und dann, eine internationale Untersuchung beweist es, belasten Niederländer die Krone mit ihrem Geschwätz/Gefasel im Büro: rund ein Viertel von Arbeitszeit geht hinein, doppelt so viel wie in anderen Ländern.”(Marente de Moore, kleine Vogel grote Man, Seite17, Zeile23).

Jürgen sagte mir, dass ihm klar gewesen sei, dass es um „Effizienz und Effektivität“ gegangen sei. Schwierig, schwierig! Die Fahrten mit dem Fahrrad auf den Wirtschaftswegen in Wald und Feld am Niederrhein, die er momentan täglich macht, hätten geholfen. Da sei ihm Einiges durch den Kopf gegangen.  Ein Gedanke sei immer verführerisch gewesen: einmal nicht glatt funktionieren, nicht effizient die Leistung bringen, die erwartet wird, sondern genau das Gegenteil tun: Zeit und Material vergeuden. Reibungsverluste bewusst in Kauf nehmen. Ineffizient sein.

Aber wie bündelt man so etwas? Geblieben und getragen habe dann der Gedanke eines Manifestes. Juergen hat wohl gedacht, dass dies alles mal ein Manifest wert sei, denn kreatives Arbeiten geht ja eigentlich genau so. Oder täusche er sich da? Das Ergebnis sah dann so aus:

„Als wenn man es mit der Muttermilch aufgesogen hätte: alle Handlungen, auch die eigenen, sollen möglichst effizient realisiert werden. Es ist an der Zeit, sich davon zu befreien.“

 

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die Energie

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Herumstöbern, im Atelier am Ostwall, von Raum zu Raum, fast wie getrieben, suchen, auf den Zufall bauend, in alten Papieren blätternd, sortieren, Blätter intuitiv auswählen: so erlebe ich Juergen momentan. Planvoll geht er nicht vor. Er läßt sich treiben, vertraut auf den Instinkt und die Erfahrung und verbrämt das mit dem Satz, „das er prozesshaft unterwegs sei“. Alles Quatsch: Juergen versucht da etwas in den Griff zu bekommen, Bilder zu finden, Bilder für Corona, die ihm weiterhelfen in seiner Betroffenheit. Ein Thema ist dabei „die Energie“.

 

Ich durfte wieder einen Blick in sein digitales Notizbuch werfen. Da steht, skizzenhaft:“Energien treiben uns an, in allem, mit der Krise ist ein großer Aufwand an Energien und ihrem Verbrauch verbunden, Krisenbewältigung kostet Kraft, der energetische  Kampf ist körperlich und geistig, Energie verpufft nie, sie ist ewig und verändert ihre Form und Intensität, aber nicht ihre Existenz, sie ändert die Anwesenheit an bestimmten Orten, sie ist ortsbezogen, der Lebenswille ist eine sehr starke Energie, liegen Seele und Energie nahe beieinander?“

Vier Motive als Linolschnitte sind entstanden und wurden in diesem Themenbereich auf alten, verworfenen Papieren zusammenmontiert.

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