Marokko: das soll nun genügen

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Dies seien jetzt die letzten Zeichnungen und Bilder zu unserer Marokkofahrt, sagte Juergen. Das solle nun genügen.

Er habe zwar noch gar nichts von den Gärten in Marrakesch erzählt, dem von Andre Heller mit Namen „Anima“ und dem Majorelle – Garten von Yves Saint Laurant. Und von den tollen Frauen in der Frauenkooperative im mittleren Atlas, die selbst das Arganöl herstelle und  vermarkte. Und von dem mehr als ärmlichen Leben der Berber im Atlasgebirge. Und von dem freundlichen Taxifahrer. Oder dem Gauklerplatz in Marrakech, der abends zu einem Feuerwerk des Lichtes und der Stimmen werde. Oder der Kutschfahrt durch die Stadt. Oder dem tollen Essen während der Fahrt aus all den vielen Taginen. Es solle jetzt erst einmal genügen.

Aber eins stehe schon fest: nächstes Jahr gehe es wieder dorthin, dann wohl in den südlichen Teil, ran an die Wüste. So ist Jürgens Plan. Ich darf mitfahren. Das hat er mir jedenfalls in die Hand versprochen.

Buchalov

Marokko: eine Zeitreise

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Juergen meinte gestern zu mir, dass es jetzt genug sei mit den marokkanischen Zeichnungen. Es gehe nicht weiter.

Und ich fragte, was es denn nun gewesen sei? Ob sich Erkenntnisse ergeben hätten?

Juergen erzählte mir dann von den Fünfzigern als er mit seinem Vater hinten im Garten die Hühner und Kaninchen geschlachtet habe. Und von der einmal jährlich stattfindenden Hausschlachtung. Er erzählte von seinem Onkel, der Gerber gewesen sei und wie er und seine Schwester als kleine Kinder zwischen den riesigen Betonbottichen mit der dunkel stinkenden Brühe beim Besuch der Tante Fangen gespielt hätten. Er erzählte mir von den Pferdegespannen, die im Dorf umhergefahren seien, von den langen Strecken, die er zu Fuss habe zurücklegen müssen, um irgendetwas zu erreichen, und  von den Fahrten auf dem Fahrrad in seiner Hüttensiedlung.

Und das, genau das, sei ihm jetzt in Marokko wieder über den Weg gelaufen. Er sei zwar im Orient gewesen und habe sich dennoch ein wenig gefühlt wie in den Fünfzigern. Er habe teilweise gesehen,, was er schon einmal gesehen habe. Und er habe mal wieder einen Blick in das Gestern getan.

Und daneben dann aber auch die SUVs, die es überall gäbe. Dann dieser Moloch Casablanca, diese glitzernde Stadt mit den Glasfassaden, die so auch in der deutschen oder europäischen Großstädten hätten stehen können, die Amerikanisierung an jeder Ecke, hier McDonalds, dort Modelabels wie Zara oder andere. Das Gleiche in Agadir, ein Hotelkomplex neben dem anderen. Dann die Autobahnen, die er so auch aus Frankreich kenne. Die Aufzüge in den Hotels, die alle von deutschen Firmen hergestellt worden seien.

Buchalov

Marokko: wie jemand zu mir geredet hat, den ich gar nicht kannte

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In Marakkesch ist Juergen krank gewesen. Zwei Tage lang hat er im Hotelbett mit einem grippalen Infekt, hohem Fieber und einem Mangel an Medikamenten verbracht. Und er habe, so sagte er mir, jemanden gehört, der zu ihm geredet habe, jemandem, denn er nicht gekannt habe.

Und dann seien plötzlich doch die Medikamente da gewesen, von den Mitreisenden an ihn weitergereicht. Medikamente, die der marokkanische Reiseführer zusätzlich in der Pharmazie besorgt habe. Und man habe nach seinem Befinden gefragt, ihm Hilfe angeboten und wenn er sich zum Essen geschleppt habe, stets gefragt wie es gehe und ihm alles Gute gewünscht.

Und das sei das Schöne gewesen: man sei einfach, gleichgültig, wo man sich in der Welt befinde und wie es einem gehe, nicht alleine. Irgendjemand rede immer zu einem. Irgendjemand sei immer an der Seite und helfe.

Buchalov

 

 

Marokkos Sedimente

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Im Nachgang hat Juergen nun einiges auf der Basis der Fotos aus Marokko in seinem Atelier „Zelle k5“ gezeichnet und gehofft, so sagte er mir, dass sich da im Zeichnen selbst und in den Ergebnissen etwas offenbare. Eine Erkenntnis vielleicht. Ein besonderer Blick. Etwas das ihn Besonders berührt habe. Oder etwas, das für immer halte.

Aber bisher sei noch nichts geschehen.

Vielleicht ist aber auch die Vorstellung, dass da etwas auf einen herabfahre und wie ein Blitz einschlage, die falsche. Ich musste an unseren Künstlerfreund Peter Maschke denken, der schon mal davon redete, dass das, was während oder nach dem Reisen mit einem geschehe vergleichbar sei mit der Bildung von Sedimenten. Sedimente in einem selbst.

Buchalov

Marokko: ein paar Bilder

 

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Man drückt auf den Auslöser und im Bild findet sich das Gegenüber wieder. Und wenn man genau hinschaut, sieht man sich selbst. Wer das Fremde fotografiert, fotografiert auch immer sich selbst. Das meinte Juergen gestern zu mir. Wir fahren ja eigentlich  nicht  in die Fremde, um das Andere kennenzulernen. Es ist immer die Fahrt zu sich selbst. Juergen weiss, dass dies eine etwas versponnenen Sicht der Dinge sein kann. Na ja! Meine Unterstützung dabei hat er jedenfalls.

 

Marokko: unterwegs

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Wenn Juergen und ich unterwegs sind und reisen, dann prasselt ja so einiges auf einen ein. So auch in den vergangenen Tagen in Marokko. Fotografisches hält man dann so manches fest, vieles geht einem auch durch die Lappen. Man redet, man beredet. Juergen ist so ein Typ, der immer versucht, irgendwie rote Fäden, Strukturen, Linien, Verbindungen zu entdecken. Das gibt ihm halt. Dann fühlt sich in der Fremde nicht verloren.

Manchmal knuffe ich Juergen mit dem Ellbogen an, wenn er in den Gesprächen mit Mitreisenden, zu penetrant ist und redet und redet und fragt und fragt. Aber Juergen meint, das gehöre auch dazu, dieses sich mit anderen austauschen darüber, was gerade mit einem geschehe.

Auf der letzten Fahrt hatte er eine Gesprächspartnerin in diesem Sinne, ebenfalls weitgereist, und noch immerzu auf der Suche nach dem, was uns ausmacht. Ich soll von hier aus Claudia herzliche Grüße senden.

Buchalov