Marokko: eine Zeitreise

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Juergen meinte gestern zu mir, dass es jetzt genug sei mit den marokkanischen Zeichnungen. Es gehe nicht weiter.

Und ich fragte, was es denn nun gewesen sei? Ob sich Erkenntnisse ergeben hätten?

Juergen erzählte mir dann von den Fünfzigern als er mit seinem Vater hinten im Garten die Hühner und Kaninchen geschlachtet habe. Und von der einmal jährlich stattfindenden Hausschlachtung. Er erzählte von seinem Onkel, der Gerber gewesen sei und wie er und seine Schwester als kleine Kinder zwischen den riesigen Betonbottichen mit der dunkel stinkenden Brühe beim Besuch der Tante Fangen gespielt hätten. Er erzählte mir von den Pferdegespannen, die im Dorf umhergefahren seien, von den langen Strecken, die er zu Fuss habe zurücklegen müssen, um irgendetwas zu erreichen, und  von den Fahrten auf dem Fahrrad in seiner Hüttensiedlung.

Und das, genau das, sei ihm jetzt in Marokko wieder über den Weg gelaufen. Er sei zwar im Orient gewesen und habe sich dennoch ein wenig gefühlt wie in den Fünfzigern. Er habe teilweise gesehen,, was er schon einmal gesehen habe. Und er habe mal wieder einen Blick in das Gestern getan.

Und daneben dann aber auch die SUVs, die es überall gäbe. Dann dieser Moloch Casablanca, diese glitzernde Stadt mit den Glasfassaden, die so auch in der deutschen oder europäischen Großstädten hätten stehen können, die Amerikanisierung an jeder Ecke, hier McDonalds, dort Modelabels wie Zara oder andere. Das Gleiche in Agadir, ein Hotelkomplex neben dem anderen. Dann die Autobahnen, die er so auch aus Frankreich kenne. Die Aufzüge in den Hotels, die alle von deutschen Firmen hergestellt worden seien.

Buchalov

10 Gedanken zu „Marokko: eine Zeitreise

  1. Solche Bilder aus den 50er Jahren habe ich in Kuba wieder gesehen. Es war ein merkwürdiges Gefühl, übrigens ein sehr angenehmes, weil es ja nur eine Reminiszenz war. Wenn in diese alten Strukturen übergangslos die amerikanische „Moderne“ schlägt, spüre ich in mir selbst Zeitverwirrung, und ich stelle mir vor, wie es den Menschen geht, die in diese neuen Lebensformen ganz unvorbereitet hineingerissen werden.

    • Ein guter Gedanke liebe Gerda, wobei der Einzelne vermutlich schleichend in solche neue gesellschaftliche Veränderung hineinwächst und sich vielleicht nach seiner Verwurzelung fragt und wo er tatsächlich hingehört. Keine einfache Sache, Liebe Grüße Juergen

      • Es geht eben meist nicht langsam genug, lieber Jürgen, sondern geht verdammt schnell. Eine Generation – und weg ist, was sie gedacht, gefühlt, gelebt hat. Ich seh es auch hier in Griechenland – viel Gefühlsverwirrung durch eine Entwicklung, die von außen – Importe, Geschäftsmodelle, Lebensformen – kommt. In Afrika und arabischen Ländern ist es radikaler. Und führt dann zu Pseudo-„Rückwärtsbewegungen“, insbesondere in den religiösen Fanatismus, der bei den Früheren gar nicht vorhanden war.

      • Ich halte mal bewusst und provokativ dagegen: was sich nicht ändert, stirbt.
        Dieses Thema vertiefen wir mal, wenn Du einverstanden bist, wenn ich zurueck bin und nicht wie jetzt auf meinem Handy herumtippen muss. Alles Gute, Liebe Grüße aus Palavas le Flot, Juergen

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