Muscheln/Muschelreste

Wir gehen ja oft an den Strand. Je nachdem wie die Nacht war, findet man einiges oder weniges an angeschwemmten Dingen- in der Regel mehr Muscheln, kaum Plastik.

Juergens Freundin Beate aber toppt alles. Sie weiß um Juergens Schwäche für kaputte, morbide, beschädigte Muscheln. Es sind wohl die Formen und Konturen, die ihn reizen. Und Beate liefert täglich eine Handvoll von diesen Exemplaren ab. Sie hat wohl auch Freude daran. Und Juergen ebenfalls. Er findet es toll, dass es jemanden gibt, der seine Leidenschaft teilt.

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wenn Naturformen inspirieren

Dass Fundstücke Gegenstand kreativer Prozesse in der Kunst sind, sei ja mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Und eine befriedigende zudem, meinte Juergen heute. Ihn inspirieren sie momentan sehr, glaube ich. Gerade die Muscheln.

Hinzu kommt aber auch, und es klingt vielleicht banal, dass die zeichnerische Erfassung solcher Fundstücke auch viel mit dem Begreifen der Dinge zu tun hat.

Ich glaube, das ist Juergen auch nicht ganz unwichtig.

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geschenkt bekommen

Juergen und ich, wir gehen ja fast täglich an den Strand vor unserer Tür und laufen am Wasser entlang. Und finden ab und an etwas.

Bei Beate ist das anders. Sie findet stets und immer. Sie weiß genau, was Juergen benötigt. Und liefert es voller Freude bei ihm ab. Täglich. Und sie besprechen genau, was da vor ihnen liegt. Beate zitiert dann aus ihrem Muschelbuch.

Juergen sortiert und ordnet danach das Gefundene, wie es so seine Art ist.

Auch diese hier hat er geschenkt bekommen:

Eine Muschel ist mehr als eine Muschel

Eine Muschel sei mehr als eine Muschel, meinte Juergen heute zu mir.

Fast täglich geht er am Strand entlang, den Blick gesenkt und sucht. Er untersucht alles das, was über Nacht angeschwemmt worden ist, einfach so willkürlich rumliegt und das sind hier in der Regel Muscheln oder Kalkreste oder Holzstuecke und jede Menge kleine Plastikteile.

Die Muscheln und die Muschelreste sind ihm momentan wohl die Liebsten.

Wie hat er auf einem kleinen Zettel geschrieben:

„Du Muschel, du,

die das Rauschen einfängt

und dem Wind eine Kammer bietet.

Du Muschel, du!“

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Beate kam vorbei

Beate kam vorbei und hat Juergen ein Schächtelchen mit Muscheln geschenkt, mit solchen, „die irgend etwas haben“, sagte sie. Sie weiß wohl, dass Juergen eine Schwäche für „das Gebrochene“ hat.

Ich habe ihn nicht darauf hinweisen müssen, was für ein wertschätzender und liebevoller Akt die Übergabe dieser Schachtel war. Juergen hat sich wirklich mächtig gefreut. Und es auch gezeigt. Und Beate war sichtlich angetan.

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