Botschaften 1- 3

Ich habe gestern Juli Zeh kennengelernt – zwar nur flüchtig, in Ihrer Bühnengarderobe, aber immerhin. Meine Freundin Ula und ihre Freundin Wes haben sie bei einer szenischen Lesung zu ihrem neuen Buch „Corpus delicti“ hier bei uns im Ort unterstützt. Unser Kulturkreis hatte sie eingeladen.

Sie ist Raucherin und eine verdammt gute Erzählerin. Und hat Botschaften – so sagte sie anschließend im Gespräch.

Botschaft 1: Leute, denkt bitte nach! Reflektiert selbstkritisch die gesellschaftlichen Dinge.

Botschaft 2: Seid wachsam!

Botschaft 3: das Buch „Corpus delicti“ ist ein politisches Buch, mit einem kleinen Schwenk des moralischen Zeigefingers. Das, was dort als Science Fiction eines totalen Staates gezeigt wird, ist heute mit den aufgezeigten Methoden schon machbar. Die staatliche Pflicht zur Erhaltung der persönlichen Gesundheit als fürsorglich getarntes diktatorisches Element, nicht der direkte staatliche Zugriff wie in den traditionellen totalen Systemen und wie man dazu stehen kann, das ist ihr Thema. Es geht um „Freiheit und Sicherheit“, um die Frage, wieviel Freiheit gebe ich für das Gefühl der Sicherheit auf und wann hat mein Leben einen Sinn: in der Abwesenheit von Schmerz und Unsicherheit oder im Risiko von körperlichem Verfall mit der Konsequenz der letzten Stunde und dem Erleben von Unglück, um zu begreifen, was Glück bedeutet.

Davon hat sie gelesen und erzählt.

Buchalov

die Kontrollen

Ich war gestern lange unterwegs. Die Kontrollen sind wieder verschärft worden. Wegen der Sicherheit. Und unserer verdammten Angst. Und der Aufrechterhaltung der Macht. Es geht eigentlich immer um Macht.

Der Terror, so sagt man, ist überall. Die Nachrichten bestätigen dies ja auch durch ihre Berichte. Geschieht nichts, kann nichts berichtet werden, also wird darauf hingewiesen, dass es geschehen könnte. Und das wegen der erzeugten permanenten Bedrohung, die sich aber stets selbst erzeugt. Dies ist die Methode. SICHERHEIT MACHT ANGST

Der Druck ist von Jürgen Küster passt! Einen Blick auf die Seite, wo er das Thema aufgreift, sollte man riskieren.

Buchalov

die Schildkröte

Beim Durchwühlen einer Bananenkiste fand ich diese Fotokopie vorgestern, nahm sie in die Hand und legte, einem inneren Impuls folgend,  den Papierfetzen auf den Schreibtisch.

Heute kam sie mir wieder unter und ich habe voller Staunen in das Innere eines Tieres geschaut, das ich immer als geschlossen, verschlossen und als Inbegriff der Sicherheit empfunden habe. Ein geschlossenes System, das offenbar keiner knacken kann. Jetzt kann ich hineinschauen.

Und dieses Innere ist vollkommen unspektakulär: ein Hohlraum, ein paar Knochen, Gelenke, ein Panzer, das wars. In seiner Einfachheit spannend. Vollendet. Ich sollte alles zeichnen.

Buchalov