
Im „Zwickelbüro“ vorvorletzte Woche verband sich das Netzhafte mit dem Stofflichen und dann ganz schnell mit der Kleidung zu dieser Tusche-Skizze.
Buchalov
Notizen von Juergen Kuester und seiner Kunstfigur Buchalov

Im „Zwickelbüro“ vorvorletzte Woche verband sich das Netzhafte mit dem Stofflichen und dann ganz schnell mit der Kleidung zu dieser Tusche-Skizze.
Buchalov

„Der Frühling kommt und ich werde unruhig“ sagte Juergen zu mir. Er sagte es fast beiläufig und total aus dem Zusammenhang heraus, während er über ein Blatt gebeugt zeichnete, eine Skizze. Aber die Bemerkung ist wichtig. Wenn er unruhig wird, dann bezieht sich das nämlich auf sein Fernweh, glaube ich. Und auf die erwachende Lust am Neuen in der Ferne.
Es stimmt: wir haben nur noch zwei Wochen, dann geht es wieder los, in den Süden. Ich bin gespannt, was er diesmal an Material mitnehmen wird. Zeichnen, fotografieren und kleben: das könnte es wohl sein, was vor Ort erledigt wird.
Wenn ich Juergen beim Arbeiten im Atelier zusehe, denke ich, dass alle seine momentan entstehenden Arbeiten ab sofort auf diesen Zeitpunkt hin angelegt sind. Es geht aufs Winter-Ende zu. Das Enge hat dann auch ein Ende. Das Offene kommt. Bald wird wieder der Hashtag „#unterwegs“ verstärkt auftauchen. Da bin ich mir sicher.
Buchalov

Also zuerst die Form des Zwickels: Juergen hat, inspiriert durch Antjes Vorliebe für den Punk, erst einmal Zwickel aus einem Buch über Punkmode gezeichnet. Das Zeichnen sollte Klarheit schaffen über Zwickelformen, Zwickelflächen und Kombinationen von beidem. Im Kopf, so Juergen, sollte eine Vorstellung entstehen, die später bei der Produktion von Monotypien abgerufen werden sollte. So der Plan. So die Methode!
Antje hat zuerst geschaut, lange und genau – auf ihre Arbeiten von gestern. Sie wollte heute einen neuen Blick auf das Alte. Und dann hat sie ihre Papierstreifen geklebt, auf verschiedene Formate, mit schwarzem Hintergrund. Es ist so eine Zwischending von Malerei und Collage, dass sie da realisiert. Und sie hatte Kartoffelstempel mitgebracht. Eine gute Idee, fanden Juergen und ich. Die kamen auch zum Einsatz.
Dann kamen Jürgens Monotypien. Sie werde ich morgen zeigen, wenn er sie noch einmal überarbeitet hat.
Und dann die Farben. Im Zwickelbüro habe irgendwie eine Farbexplosion stattgefunden, meinte Juergen. Die Gründe seien ihm vollkommen schleierhaft. Durch die schwarz- weiß Bilder im Kartoffeldruck hat Antje das dann aber wieder gebrochen und dagegen gearbeitet.
Schließlich tauchte da noch der Begriff des Zwickel- Milieus auf. Zu diesem Milieu gehören die Menschen, so Antje und Juergen, die mit Maßschneiderei, mit Stoffen, mit Stecknadeln und Sicherheitsnadeln aufgewachsen sind. Antje und Jürgen, so sagen Sie, zählen sich auch dazu.Beinahe vergessen habe ich: Juergen hat seine Drucke fertig gestellt, signiert und erst einmal provisorisch aufgehängt.
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