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  • Tischdecke | ein Text von Bess Dreyer | auch wenn es keine karierte Decke ist und ich diese Tischdecke hier schon gezeigt habe

    Karierte Tischdecke auf einem Foto

    Lange habe ich solche Webmuster nicht mehr gesehen. Nicht auf Tischen. Man isst wieder an blankem Holz oder Stoffdeckchen oder auf Sets verschiedenster Materialien.
    Aber keine, die man bügeln muss, rief die Tochter uns noch nach, als wir in die Bretagne fuhren und sie sich eine provencegemusterte Tichdecke wünschte.
    Bügelfrei. Kunstfasergewebe. Das allenfalls wird zu besonderen Gelegenheiten aufgelegt. Die anderen Tage sind praktisch in den berufstätigen Haushalt mit zwei Schulkindern und Garten eingerichtet.
    Ich erinnere mich, dass die Mutter einen Vorrat an Tischdecken hatte. Damast, hohlsaumgezierte, handgewebte und künstlerische und ungewöhnliche Decken. Teils noch von Großmutter und Urgroßmutter. Mein Respekt, immer wieder, dass diese Dinge so gut gefertigt und über Generationen haltbar waren. Ein Stück Familiengeschichte. Dann die besonderen Decken, die Mutter aus Dekobedarf, schweren Vorhangstoffen, fröhlichen Sofabezügen nähen ließ. Zu einer Zeit, als niemand sonst solche Ideen hatte.
    Ich mag das gedämpfte Porzellan- und Besteckgeräusch beim Ablegen auf Stoff. Die geschonten edlen Hölzer, die keine Glas- und Schüsselringe aufweisen.
    Ich liebe meine Tischdecken, wenn ich sie auflege, wenn das Praktische, Pflegeleichte, Unbeschwerliche nicht im Mittelpunkt steht. Langsam aber sind die Stapel im Schrank höher, als ich besondere Tage mit Tischdecken im Jahr habe.
    Die Kinder mögen keine der wasch- und bügelintensiven (Stärke!) Stücke in ihre Haushalte übernehmen. Vielleicht erlebe ich noch die eigenen Haushalte der Enkel und nähre eine Hoffnung auf Nostalgie, ein Schätzen von Alter, Qualität, Ahnenreihen! (Bess Dreyer)

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    Ich weiss garnicht wie ich zu der Ehre gekommen bin. Aber Bess meldet sich ab und an auf meinem Blog und bisweilen ist auch ein kleiner Text mit dabei. So wie der oben. Ich freue mich immer, Jürgen ebenso. Und ein bisschen sind wir auch stolz, dass uns so etwas widerfährt. Danke!

    Buchalov

  • da kam ein Gedicht geflogen

    was ich sehe

    eine afrikanische kette
    aus flachen steinen,
    im schwingen
    ein weihrauchgefäß.
    bin feuer und flamme
    für farbe und glut.

    wärme fliegt herüber,
    vögel sitzen
    akkurat wie aufgespießte
    insekten in der schauvitrine
    aus orange und schnee.

    alle blicke sind einseitig
    gerichtet, hypnotisiert
    oder betäubt vom glimmen
    der kohle, vom geruch
    heiliger kräuter.

    b. d.

    Sabeth47 ( siehe hier: >>>>) hat Juergen diese Zeilen zukommen lassen. Sie bezogen sich auf ein Bild in folgendem Blogbeitrag: >>> [ xxxxx ] <<<

    Und jetzt hat er das hier Skizzierte herausgesucht und schickt es als kleines Dankeschön auf diesem Wege an Sabeth47.

    Buchalov

  • über Wirkungen

    Jürgen grübelt!

    Alles, wirklich alles habe eine Wirkung. Das Tun, das Denken, das Glauben. Auch das, oder gerade das, was man hier im Block schreibe. Alles habe eine Wirkung. Man vergesse das leicht, meinte Jürgen. Und auch die Art und Weise wie man schreibe, sei von Bedeutung.

    Manchmal entwickeln solche Impuls auch eine Wirkung, die man gar nicht beabsichtigt habe. Aber es entsteht eine Wirkung. Dreimal sei ihm das nun in der kurzen Vergangenheit geschehen.

    Und letztendlich falle alles, was man veröffentliche, auf einen zurück. Denn man sei nicht nur für den Impuls, sondern eben auch – ein wenig zumindest – für die Wirkungen verantwortlich.

    Ein Beispiel: wenn er über den Schatten sei der Zwilling schreibe, dann habe dies Wirkung auf lesende Zwillinge, auf Menschen, die mit Zwillingen traurige oder positive Dinge erlebt hätten und und und.

    Oder: wenn er ironisch über die Vorstellung schreibe, dass Menschen sich den Thron des Satans ins Pergamonmuseum phantasieren, dann habe das möglicherweise auch eine Wirkung: so oder so.

    Und umgekehrt gelte damit aber auch: Man habe als Autor Einfluss. Vielleicht sei der nicht allzu groß und verflüchtige sich schnell. Aber der erzeugte Impuls wirke und sei Teil der Transformation der Dinge. Wirkung und Transformation liegen eben nahe beieinander.

    Buchalov