Buchalovs Blog

  • Projekt ohne Namen: #42 – „Die Sonne schien, der Mond war helle …“

    HipstamaticPhoto-607939988.672130

    Susanne schrieb: „Die Sonne schien, der Mond war helle …“

    Und Juergen antwortete: 

    „Gold war Blech und Glas war Kies

    als der Klaus aus ’ner Blechkelle

    sich ’ne Papierkrone blies.“

    _____________________________________________

    Sie schicken sich noch immer Halbsätze zu, die der andere vervollständigt. Und sie zeichnen dazu, oder drucken oder kleben oder kritzeln – wie auch immer. Sie sind bei #42 angelangt.

    Susannes Halbsatz gehörte zu einem Gedicht, das man allgemein kennt. Aber beschwören will ich das nicht. Diesmal konnte Juergens Antwort nicht so einfach mal schnell am Frühstückstisch entstehen, sondern die Struktur des Textes galt es zu ergründen und auf seine Antwort anzuwenden.

    Hier das „Nonsens- Gedicht“, aus dem Internet gezogen, Quelle unbekannt:

    „Dunkel war’s, der Mond schien helle / schneebedeckt die grüne Flur / als ein Auto blitzesschnelle / langsam um die Ecke fuhr. / Drinnen saßen stehend Leute / Sschweigend ins Gespräch vertieft / als ein totgeschossner Hase / auf der Sandbank Schlittschuh lief. / Und der Wagen fuhr im Trabe / rückwärts einen Berg hinauf. / Droben zog ein alter Rabe / grade eine Turmuhr auf. / Ringsumher herrscht tiefes Schweigen / und mit fürchterlichem Krach / spielen in des Grases Zweigen / zwei Kamele lautlos Schach. / Und auf einer roten Bank, / die blau angestrichen war / saß ein blondgelockter Jüngling / mit kohlrabenschwarzem Haar. /Neben ihm ’ne alte Schachtel, / zählte kaum erst sechzehn Jahr, / und sie aß ein Butterbrot, / das mit Schmalz bestrichen war. 7 Oben auf dem Apfelbaume, / der sehr süße Birnen trug, / hing des Frühlings letzte Pflaume / und an Nüssen noch genug. / Von der regennassen Straße / wirbelte der Staub empor. / Und ein Junge bei der Hitze / mächtig an den Ohren fror. / Beide Hände in den Taschen /  hielt er sich die Augen zu. / Denn er konnte nicht ertragen, / wie nach Veilchen roch die Kuh. / Und zwei Fische liefen munter / durch das blaue Kornfeld hin. / Endlich ging die Sonne unter / und der graue Tag erschien. / Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe / abends in der Morgenröte, / als er auf dem Nachttopf saß / und seine Morgenzeitung las.“

    Juergens Gedanken kreisen momentan um das Thema „Krone“. Dieser Bezug zum fehlenden Text schien daher logisch. Und von da war dann der Schritt zu den kaiserlichen Insignien Krone, Reichsapfel und Zepter, die den Weg aufs Papier finden sollten, nicht weit.

    Also, ich war dabei und es ist wirklich so geschehen,: Juergen hat sich in seinem Druckraum einmal um die eigene Achse gedreht, langsam, und das, was an Holzresten und Druckstöcken in greifbarer Nähe lag, genommen, ausgewählt und gedruckt – zwei Versionen. Fertig! Ein paar Tuschestriche kamen dann später dazu. Das war es dann. 

    Und Juergen schickt Susanne nun als #43 folgenden Halbsatz: „Ich schaue aus dem Fenster und die Welt hinter mir …“

    „projektohnenamen“ ist auch auf Instagram vertreten, hier der Link: >>> [   ]<<<

    Buchalov

  • da hat sich einiges an Druckstöcken angesammelt

    IMG_3128

    Da hat sich einiges an Druckstöcken angesammelt.

    Im Atelier arbeitet Juergen momentan alleine. Alle Ateliermitglieder scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben. Nur ich bin an seiner Seite. Und während ich in der Ecke seines Raumes sitze, Kaffee trinke und in den Kunstmagazinen blättere, schneidet Juergen an kleinen Linolschnitten herum. Vier Motive hat er im Focus: die Krone, den Titanen Atlas, diverse Gefäße oder Kapseln und das Boot.

    Ohne Vorzeichnung variiert er da so einiges. Und schneidet. Und sortiert. Und arrangiert auf seinem Arbeitstisch. In er Vergangenheit ergab sich dann meist etwas, eine Idee, ein Hinweis, ein Weg. Wie das nachher alles zusammenpasse wisse er noch nicht. Deshalb schiebt er hin und her. Er hoffe auf den Zufall und eine Eingebung.

    Buchlov

     

  • Bilder

    IMG_3104

    Narratives, Symbole, Symbole überhaupt, oder Bilder für das, was geschieht, oder Einzelmotive, die weiter tragen: das wollen wir momentan in dieser schwierigen Zeit. Meinte Juergen. Warum, das wäre noch zu klären.

    IMG_3109 (1)

    Juergen erinnerte sich und meinte:

    Da stehe der alte Papst alleine auf dem Petersplatz vor leeren Rängen im strömenden Regen und spreche den weltweiten Segen. Was für ein Bild.

    Da liegen die am Beatmungsgerät hängenden Menschen auf dem Bauch in ihren Betten, eng an eng, das Gesicht in die Laken gedrückt: was für ein Bild.

    Da zieht eine wilde Ziegenherde durch ein menschenleeres Dorf in Wales.

    Da schaut dich jemand an, den Mundschutz bis unter die Augen gezogen, das Gesicht ist zur Stofffläche geworden, nichts persönliches ist mehr erkennbar. 

    Da werden Tote auf einem Gabelstapler in Gefriercontainer verfrachtet. Was für ein Bild.

    Jürgen weiß um die Macht der Bilder, um ihre beabsichtigten oder unbeabsichtigten Wirkungen. Und er habe nur die Motive vom „Titanen Atlas“, diesen seltsamen Behältern, den Königs-Kronen und ein paar Booten.

    Buchalov