Wöchentlich ein Photo, beginnend am 10-01-2021 mit dem Buchstaben A. Ich habe von dieser Sache Jürgen erzählt, und er meinte, da finde sich sicherlich etwas. Oben sein Bild, ein Blick in den Druckraum und das Lager seines Ateliers.
„Hermann der Vernetzer“ hat Jürgen im Gespräch auf die besondere Bedeutung des Ateliers in Zeiten der Reduzierung von sozialen Kontakten hingewiesen.
Daraufhin hat Jürgen über seine besonderes Situation nachgedacht. Er meinte zu mir, dass es wirklich so sei: das Atelier rette ihn. Es sei in der Coranazeit sein Zufluchtsort, seine Insel, sein Rückzugsraum, der Ruheraum. Und wenn er Kontakte wünsche, seien sie dort kontrolliert machbar, denn sie seien genau steuerbar. Das alles sei auch der Grund, warum die fehlenden sozialen Begrenzungen ihm bisher noch nicht auf „den Keks gegangen“ seien und ihn besonders belasten würden. Er fühle sich im Atelier geborgen, sicher, könne seinen Gedanken nachgehen, arbeiten und einiges umsetzen. Er fühle sich gut. Er sei in seiner Burg und der Virus sei draussen. Er sei bei sich – so wie schon lange nicht mehr.
Aus dem Atelier poste er seine Beiträge auf WP, Instagram oder Fb und schaffe sich so einen kleinen Erstaz für die fehlenden sozialen Kontakte. Ab und an telefoniere er auch, nutze Facetime oder WhatsApp um die Stimmen der Anderen zu hören und die Verbindung nicht zu verlieren. Und natürlich wolle er auch wissen wie es den anderen gehe.
Seinem Atelier hat er schon vor Jahren den Namen „Zelle k5“ gegeben. Das passe jetzt sehr genau! Ursprünglich war es so gedacht, dass der Name „die Zelle“ das Wachsen, den Prozess, das Voranschreiten symbolisierte. Jetzt sei der Name wohl ungewollt erweitert worden um die Bedeutung von Zelle als Rückzugsraum, als Eremitage.
Da falle ihm ein: Zelle bedeute ja auch Gefängnis und extreme Isolation.
Während ich den Frühstückstisch abräume, zieht sich Jürgen mit der letzten Tasse Kaffee zurück und zeichnet so vor sich hin, assoziativ nennt er das, und das machte er die letzten Tage täglich. Das Zeichnen bringe ihn näher an die Dinge. Und die Dinge würden klarer, so sagte er.
Hejo, heja! Hejo, heja!
Zu sehen gibt es diese Skizzen:
Und damit endet der erste Teil von “künftig/bald/nach vorne”, der sich mit dem Thema Wasser beschäftigte und Jürgen dazu zwingen sollte, selbst auferlegt, nach vorne zu schauen und in kleinen Schritten die eigene Vorgehensweise, die Art zu sehen, die Art darzustellen kleinschrittig zu verändern. Und das im Blick auf etwas ganz alltägliches: das Wasser.