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  • Projekt ohne Namen: #42 – „Die Sonne schien, der Mond war helle …“

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    Susanne schrieb: „Die Sonne schien, der Mond war helle …“

    Und Juergen antwortete: 

    „Gold war Blech und Glas war Kies

    als der Klaus aus ’ner Blechkelle

    sich ’ne Papierkrone blies.“

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    Sie schicken sich noch immer Halbsätze zu, die der andere vervollständigt. Und sie zeichnen dazu, oder drucken oder kleben oder kritzeln – wie auch immer. Sie sind bei #42 angelangt.

    Susannes Halbsatz gehörte zu einem Gedicht, das man allgemein kennt. Aber beschwören will ich das nicht. Diesmal konnte Juergens Antwort nicht so einfach mal schnell am Frühstückstisch entstehen, sondern die Struktur des Textes galt es zu ergründen und auf seine Antwort anzuwenden.

    Hier das „Nonsens- Gedicht“, aus dem Internet gezogen, Quelle unbekannt:

    „Dunkel war’s, der Mond schien helle / schneebedeckt die grüne Flur / als ein Auto blitzesschnelle / langsam um die Ecke fuhr. / Drinnen saßen stehend Leute / Sschweigend ins Gespräch vertieft / als ein totgeschossner Hase / auf der Sandbank Schlittschuh lief. / Und der Wagen fuhr im Trabe / rückwärts einen Berg hinauf. / Droben zog ein alter Rabe / grade eine Turmuhr auf. / Ringsumher herrscht tiefes Schweigen / und mit fürchterlichem Krach / spielen in des Grases Zweigen / zwei Kamele lautlos Schach. / Und auf einer roten Bank, / die blau angestrichen war / saß ein blondgelockter Jüngling / mit kohlrabenschwarzem Haar. /Neben ihm ’ne alte Schachtel, / zählte kaum erst sechzehn Jahr, / und sie aß ein Butterbrot, / das mit Schmalz bestrichen war. 7 Oben auf dem Apfelbaume, / der sehr süße Birnen trug, / hing des Frühlings letzte Pflaume / und an Nüssen noch genug. / Von der regennassen Straße / wirbelte der Staub empor. / Und ein Junge bei der Hitze / mächtig an den Ohren fror. / Beide Hände in den Taschen /  hielt er sich die Augen zu. / Denn er konnte nicht ertragen, / wie nach Veilchen roch die Kuh. / Und zwei Fische liefen munter / durch das blaue Kornfeld hin. / Endlich ging die Sonne unter / und der graue Tag erschien. / Dies Gedicht schrieb Wolfgang Goethe / abends in der Morgenröte, / als er auf dem Nachttopf saß / und seine Morgenzeitung las.“

    Juergens Gedanken kreisen momentan um das Thema „Krone“. Dieser Bezug zum fehlenden Text schien daher logisch. Und von da war dann der Schritt zu den kaiserlichen Insignien Krone, Reichsapfel und Zepter, die den Weg aufs Papier finden sollten, nicht weit.

    Also, ich war dabei und es ist wirklich so geschehen,: Juergen hat sich in seinem Druckraum einmal um die eigene Achse gedreht, langsam, und das, was an Holzresten und Druckstöcken in greifbarer Nähe lag, genommen, ausgewählt und gedruckt – zwei Versionen. Fertig! Ein paar Tuschestriche kamen dann später dazu. Das war es dann. 

    Und Juergen schickt Susanne nun als #43 folgenden Halbsatz: „Ich schaue aus dem Fenster und die Welt hinter mir …“

    „projektohnenamen“ ist auch auf Instagram vertreten, hier der Link: >>> [   ]<<<

    Buchalov

  • notes

     

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    Es bleibe dabei: zeichnen und drucken und fotografieren und lesen führe zur Klärung, mache den Kopf klar und kanalisiere das, was in der Pandemie so unfassbar sei – von der Verzweifelung, den Zweifeln, den Verschwörungstheorien bis hin zum Blick auf die Weidenkätzchen. Ab sofort, so sagte Juergen mir, werde er alle zukünftigen Arbeiten in diesem Zusammenhang, andere Arbeiten wird es sicher auch geben, unter dem Arbeitstitel “corona notes” laufen lassen. Er wolle einfach freier arbeiten – nicht so eng an diesem momentan alles bestimmenden Thema und den Bogen dabei einfach zeichnerisch und drucktechnisch, auch fotografisch, weiter schlagen – Irrweg und Zufall mit eingeschlossen. Alles, was bisher in diesem thematischen Zusammenhang entstanden ist, auch seine Tagebuchzeichnungen von Tag 1 bis 14, werde er dort natürlich subsumieren. Am Ende stehe dann vielleicht etwas mehr Klarheit und ein selbstgebundenes Buch. Oder seine Wand im Atelier – neu gestaltet. Mal schauen!

    Buchalov

    P.S. Und andere Themen gibt es ja auch noch zuhauf, zum Glück!

  • „als Lato sich isolierte“: Tag 12 – 14

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    Vierzehn Tage lang habe er nun ein zeichnerisches und fotografisches Tagebuch geführt. Jetzt sei es genug. So Juergen. Die Pandemie sei nicht vorbei, das nicht. Juergens zeichnerisches Tagebuch aber ende nun nach vierzehn Tagen.

    Juergen meinte, dass diese sich selbst auferlegte Pflichtaufgabe ihm sehr geholfen habe. Wenn er über die Summe der Zeichnungen schaue, werde ihm die ungeordnete Situation von vor zwei Woche mehr als deutlich. Doch jetzt kehre so langsam bei ihm eine gedankliche Klarheit zum Thema „Corona“ ein, die sich auch in der Klarheit der Zeichnung widerspiegele. Die innere Unsicherheit, die Schübe an ängstlichen Momenten, habe er hinter sich gelassen.

    Der Abschluss falle ihm aber auch deshalb leicht, weil er mit den letzten Zeichnungen fast zufällig beim Blättern in einem Kunstband ein Bild gefunden habe, dass alle Komplexität des Coronageschehens für ihn bündele: Atlas, der Titan, stemmt den Himmel, trägt die Last, trägt eine Last. Er ist damit gebunden und unfrei, er erfüllt seine ihm von Zeus auferlegte Pflicht und muss ertragen, muss als Strafe tragen, was ihm auferlegt ist. Dieses Bild läßt in den aktuellen Bezügen vieles zu.

    Juergen weiss, dass in vielen historischen Abbildungen nicht der Himmel, sondern die Erdkugel von Atlas getragen wird – wohl der optischen Wirkung wegen.

    Mal schauen, ob es bei Juergen zu weiteren Bildern führt.

    Tag 12: zusammenrücken

    Tag 13: es vervielfältigt sich

    Tag 14:  die Last tragen

    Buchalov