
Wir wünschen Euch das Allerbeste für 2022.
Buchalov und Jürgen
Notizen von Juergen Kuester und seiner Kunstfigur Buchalov
„Parzelle 268“ war von Jürgen und mir belegt. Wir waren seit Ende August dort und sind jetzt auf der Rückfahrt. Die Menschen auf den Parzellen um uns herum wechselten. Sie kamen und sie gingen. Sie bauten auf und sie bauten ab. Einige blieben länger. Einige blieben für sich. Andere suchten den Kontakt. Ich mag sie alle. Es gab unter anderem:
Die spanische Familie mit den zwei Kindern, die beim nachmittaeglichen Zeichnen neugierig schauten.
Die Berliner, beide über achtzig, die wieder überwintern, zum letzten Male, im März zurückfahren und mit zu plastikobjekten zerschnittenen Plastiklaschen ihre Parzelle verschönerten.
Die vierköpfige Familie mit Hund, mit ihren vielen Freunden, verteilt über andere Parzellen und mit dem Hang zum mitternächtlichen Feiern.
Die Engländer aus Calpe, deren “Good morning” nach Insel klang und die den Brexit für eine irre Angelegenheit hielten.
Der Freund von ihnen, ebenfalls Engländer, Alleinfahrer, ein wenig einsam, schien uns, der seine spanische Freundin mit Pudel nachkommen ließ. Er hatte seine Gründe.
Das junge Spanische Paar im kleinen Van und die kleine, wilde Katze, die sie angefüttert hatten.
Das spanische Paar und ihre Leidenschaft zu nächtlichen Strandbesuchen.
Das Ehepaar aus Köln, das die anderen Kölner hier bewusst mied.
Der Aussteiger aus dem Oberallgäu auf der Dünne mit seinem lieben Australien Shepard und einer von Hand angetriebenen Waschmaschine. Er wusste wie die Welt funktionierte und pflegte sein Anderssein – ein richtig netter Kerl.
Die Regensburger, die in Gretna Green vor über vierzig Jahren geheiratet haben und mit denen man sich zum Plausch im Wasser traf.
Die Darmstädter, die hier auf der Durchreise sind nach Fortuna bei Murcia, zu den Thermen, die wissen, wo es das beste deutsche Brot gibt, und die fünfzehn Jahre in Amerika gelebt haben.
Die zwei Schweizer, deren schweizerdeutsch einfach faszinierte und die so richtig kontaktfreudig waren. Von ihm lernte ich wie die Schweizerdemokratie funktioniert.
Der Stuttgarter, der sich einigelte und seinen Benz vor dem Staub mit Folien und Waschen schützte, der aber dennoch jeden und jede hier kannte.
Die zwei aus Erfurt, denen die Preise für alles extrem wichtig sind, die alle billigen Restaurants im Umfeld kennen und ihr Wissen gerne teilten.
Die zwei aus Herne, die sich so klein und unscheinbar machten.
Die zwei aus Hannover, bis kurz vor der Wende in der ehemaligen DDR lebend, die sich über den Körper, die Leistung im allgemeinen, über preußische Tugenden und über den Sport definieren.
Der Doktor aus Neuss, der ebenfalls auf der Dünne stand, Denksportaufgaben liebte, auf seine polnische Lebensgefährtin wartete und an Lumbargo litt und nicht wusste, wer seinen Hund ausführen könnte.
Die eingeschworene Kölner-Campergemeinschaft am Rande des Platzes, die zwischen zwei Bäumen ein Banner gehängt haben. Aufschrift: Domplatte.

Viva la vida!
Buchalov
Und dann stehen Jürgen und ich am Denkmal der Schiffskatastrophe der Cap Arcona zum Kriegsende in der Lübecker Bucht. Das Denkmal liegt auf der Insel Peol im Ort „Schwarzer Busch“.
Ist die deutsche Geschichte auch immer die eigene Geschichte?
Kann einen die deutsche Vergangenheit, die Vergangenheit des eigenen Vaters, der eigenen Mutter, einholen?
Ist man als Deutscher verantwortlich für das, was Deutsche im Guten und Schrecklichem tun oder getan haben?
Mit diesen Frage ist Jürgen auch schon ab und an auf seinen Reisen in Frankreich, den Niederlanden oder England konfrontiert worden – bis hin zu direkten Anfeindungen. Das, was nun am Denkmal im Schwarzen Busch auf Poel zu lesen war, ist eigentlich unfassbar. Die Zahlen und Bilder der durch Nationalsozialisten und Alliierte verursachten gewaltigen Schiffskatastrophe haben ihn sehr beschäftigt.
Hier ein ergänzender Link: >>> [ Cap Ancona ]
Buchalov