Schlagwort: Geldern

  • Wächterfiguren

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    Freitags hole ich Juergen immer im Atelier ab. Wir gehen dann gemeinsam zum Mittagessen. Diesmal traf ich ihn im Umzugs-Chaos. Juergen zieht nämlich aus seinem Atelier aus, schon seit Tagen, in zwei angrenzende Räume: die neue „Zelle k5“ und das „rosa Zimmer“. Rudolf der Bildhauer hat das „Herrenzimmer“ und das „Archiv“ schon bezogen. Und Boris der Maler bleibt in seiner „Dunkelkammer“. Die Räume in der Ateliergemeinschaft haben nämlich solche Namen. Und warum sie so heißen, werde ich später mal erklären.

    Juergen zieht um und verkleinert sich, weil er die Mietkosten senken will. Er weiß, darüber haben wir schon oft gesprochen, dass das auf die Größe seiner Kunst, auf die Arbeiten überhaupt, Auswirkungen hat. „Da muss ich durch!“, sagt er dann und sitzt anschließend immer in seiner neuen noch unfertig eingerichteten „Zelle k5“, hört Musik, schaut zum Fenster raus und nimmt sie in Besitz.

    Heute hat er seine Wächterfiguren, die ihn schon in allen Ateliers begleiteten aufgestellt. Sie schauen zum Fenster heraus, in den Innenhof und auf die gegenüberliegende Wand und passen auf ihn auf. Es sieht so aus, als wenn sie traurig von außen auf die kleine Bühne „Welt“ schauen würden, finde ich. Es liegt vielleicht an der Novemberstimmung oder der grauen „Farblichkeit“.

    Buchalov

    For my english readers:

    Always on friday I get Juergen from the studio. We go together for lunch. This time I met him in moving chaos. Juergen pulls out of his studio, in two adjacent rooms, the new „Zelle k5“ and the „rosa Raum“. Rudolf, the sculptor has already referred the „Herrenzimmer“ and the „Archive“ . Boris the painter is staying in his „Dunkelkammer“. The rooms in the studio community have in fact such names. And why they are called so, I will explain later.

    Juergen is moving and becoming smaller, because he wants to pay a lower rent. He knows, we talked many times about it, that this has a great influence of  the size of his art and the artwork in general. „I have to go this way,“ he says and then he sits in his new unfinished „Zelle k5“, is listening to music, looking out of the window and takes possession of the room.

    Today his „Wächterfiguren“ were brought in position. They are looking out of the windows and protect him.

  • Kunst kostet

    Ich war bei Juergen. Um 18 Uhr endete sein Projekt „Kunst kostet“, im Rahmen der „Offenen Ateliers in Geldern“, und er hat mir sogleich ein kurzes Fazit, spontan und ungefiltert, gegeben. Zwanzig Euro waren zu zahlen, um sein „Atelier Zelle k4“ betreten zu dürfen und man konnte dafür den Raum besichtigen und eine der vielen ausgelegten Arbeiten mitnehmen. Zu jeder vollen Stunde war für zehn Minuten der Eintritt frei – preview.

    1. Keiner habe das Entgelt gezahlt, sagte Juergen. Niemand war bereit für die Besichtigung inclusive Kunstwerk Geld auszugeben. Man hatte entweder kein Geld dabei, wollte einfach nicht, war nicht bereit den Wundertüteneffekt zu versuchen oder sah einfach nicht ein, für Kunst etwas aufwenden zu müssen. Man wollte einen inspirierten Sonntag Nachmittag erleben – mehr halt nicht. Einige fühlten sich in der Konfrontation mit den Besuchsbedingungen auch deutlich unwohl. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit gab es über die von Juergen gesetzten Bedingungen mit den Besuchern allerdings nicht. Gespräche seien in derRegel von ihm selbst initiiert worden.

    2. Viele hätten die Handzettel oder die Informationen an der Wand nicht bzw. nur flüchtig gelesen. Einige seien auch schon im Treppenhaus umgekehrt, weil sie die Überschrift „Kunst kostet“ auf dem Hinweisschild gelesen hätten – ohne aber weiter zu lesen.

    3. In den zehn Minuten des freien Eintritts habe es nie Probleme gegeben. Das Angebot hätten die Besucher gerne genutzt, man habe aber zehn Minuten Verweildauer als zu kurz empfunden. Und während des freien Eintritts, dies sagte Juergen mit Verwunderung,  habe er dann doch verkauft. In diesen zehn Minuten seien alle seine Verkäufe erfolgt. Da habe er sein Geld eingenommen.

    4. Juergen sagte auch, er habe sich bei den Besuchen seiner Kunstfreunde und einiger guter Bekannter sehr schwer getan. Er habe es nicht übers Herz gebracht, von diesen zwanzig Euro Entgelt zu nehmen. Bilder zu tauschen liege ihm da näher.

    5. Die Menschen seien total verunsichert bei der Frage, was Kunst sei und was gute Kunst sei. „Wann entscheiden sie sich denn für ein Bild?“, habe er manchmal gefragt und man habe immer geantwortet, dass das Bild einem gefallen müsse. Und bei Nachfrage sagten sie, dass sie nach Gefühl entscheiden würden, aus dem Bauch heraus.

    6. Mit ihm habe die Aktion auch etwas gemacht. Sie habe ihm gezeigt, dass das Problem des „wie verkaufe ich erfolgreich zu einem gerechten Preis“ noch lange nicht gelöst sei und er sich eine Strategie überlegen müsse.  Der Warencharakter seiner Kunst sei ihm nun wieder einmal ganz nahe gekommen und die bisherige Praxis müsse er verändern.

    Beim Rausgehen haben Juergen, Boris der Maler und Rudolf der Bildhauer noch heftig über die zwei Tage und Juergens Aktion gefachsimpelt. Es fielen Stichworte wie „Schmerzgrenze, Galeristenfaktor zur Berechnung des Bildwertes, Schnäppchenmarkt, gerechter Preis, Marktpreis, Künstler arbeiten für lau, Drucksituation, Konsequenzen“ und mehr. Die Aktion hatte sie scheinbar sehr sensibilisiert.

    Ich habe da erst einmal geschwiegen.

    Buchalov

    For my english friends:

    Juergen told me immediately after finishing his project „art costs“, as part of the „open studios in Geldern“ on this weekend, what he was thinking about it all – a short conclusion, spontaneous and unfiltered given. The visitors hat twenty Euros to pay: than they could visit Juergens studio, it was allowed to go to see the area and to take one of the many designed works. At the beginning of the hour – for ten minutes – the admission was free – preview.

  • morgen geht es los

    Morgen geht es los. Das Atelier „Zelle k4“ ist von Juergenaufgeräumt worden. Er hat akribisch gestaubsaugt. Die Kunstwerke, es sind Papierarbeiten, sind präsentabel arrangiert ( unter diesem Stichwort möchte ich noch einmal auf die Blogparade hinweisen und insbesondere die Ausgangsfrage von Susannne Haun „Wie wichtig ist die Präsentation von Kunst“ erwähnen). Und Juergen ist, so hat er mir dies erklärt, gedanklich noch einmal seine Aktion „Kunst kostet“ durchgegangen. Diese zeigt er an den kommenden zwei Wochenendtagen im Rahmen der „Offenen Ateliers Geldern“.

    Alle sind herzlich eingeladen.

    Rudolf der Bildhauer, Boris der Maler und Juergen erwarten mit Vorfreude das Wochenende.

    Buchalov

    P.S. Susanne Haun schreibt seit Wochen Teile Ihrer Blogbeiträge auch in Englisch. Das gefällt mir. Ich werde es daher auch mal versuchen, Ihre Zustimmung vorausgesetzt. Danke Susanne!

    For my english friends:

    Tomorrow it starts. The studio „cell k4“ has been cleaned up by Juergen. His works of art, works on paper, were arranged presentable (under this heading I would again point out to the blogparade, and in particular to the initial question of Susannne Haun „How important is the presentation of art“). And Juergen, so he told me, is thinking about his Project „Kunst kostet“. This project will be realised the next two weekend days as a part of the „open studios“ in Geldern.