Lasurschichten und und und

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Ein Netz, oder auch ein Gitter, oder ein Raster, oder eine Anhäufung von Nullen. Plötzlich sind sie da. Durch Zufall hat Juergen mitbekommen, dass ihn das beschäftigt. Sie liefen ihm während der Arbeit zu den „OrtsMarken“ über den Weg. Zum wiederholten Male.

Das vereinsamte Arbeiten im Atelier ist auch ein in sich Hineinhören, meinte Jürgen zu mir. Auch wenn die Musik auf volle Lautstärke gedreht ist und von Hintergrundmusik nicht mehr die Rede sein kann. Und beim in sich Hineinhören sei er in so einem Schwebezustand, meinte er. Und dann tauche so einiges auf. Zum Beispiel Raster, Gitter, Netze.

Hermann, der Vernetzter war da und hörte zu und schwieg, in seiner unnachahmlichen Art. Und dann ist es eben kein Schweigen mehr, sondern ein Verstehen. So jedenfalls interpretierte Juergen es. Kaffee konnten sie keinen trinken, den Juergens Kaffeemaschine hat den Geist aufgegeben. Der Geist dieser Maschine, das wäre auch ein Thema, sagte er.

Meinolf schrieb, und Juergen hat behalten, dass das alte Jahr genauso sei wie das Neue. Wir aber ändern uns, was denn sonst. Und die Veränderungen sind wie Lasurschichten, die sich auf uns ablagern und überlagern, meinte Meinolf.

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Und die Coverversionen in der Musik sind mittlerweile interessanter als die Originale, sagte Juergen zu Hermann.

Da wäre dann noch der Gedanke von dem belebten Raum, der Juergen ebenfalls, vielleicht nur kurz, beschäftigte. Der Raum als Ausstellungsraum, als Arbeitsraum, als Verkaufsraum, als Treffpunkt. Womit man dann bei seinem alten Salon wäre, dem er immer noch nachtrauert. Und der Frage, mit wem er denn gerne in diesem Jahr in seinem Atelier mal über längere Zeit gemeinsam arbeiten solle.

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Wieder hat Juergen Materialien von Peter Maschke, dem verstorbenen Kollegen, verwendet, nicht bewusst, eher zufällig. Wirklich komisch, dass er immer wieder über diesen Tod stolpert. Und sich dann immer wieder fragt, was denn wirklich bleibt. Irgendwie ist es ein schönes Gefühl, das Dinge von Peter Maschke weiterleben, nicht nur als Erinnerung, sondern in Form von Materialien in Kunstwerken oder als Ideenfragmente. Es wird etwas weitergegeben. Die Seele der Dinge? Der Geist der Dinge? Irgendwie und tröstlich , oder?

Buchalov

 

ein Gitter, ein Netz

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Plötzlich sei das Gitter, das Netz, als Motiv hochgekommen. Gitter zu Hauf: in den Drucken, in den Zeichnungen, bei den Skulpturen. Das sei sicherlich kein Zufall, es scheine ihn zu bewegen, ihn zu fesseln. Warum weiß er nicht. Aber Juergen weiß nicht, ob das trägt, ob sich daraus mehr entwickelt. Denn einige der Ergebnisse musste er schon aussortieren. So ein Netz scheint ihm ganz schön kompliziert. Und er will eigentlich thematisch nicht noch ein weiteres Faß aufmachen. Mal sehen, meinte er zu mir.

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aus Jürgens Materialkiste #22 – 2017

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In Waldshut-Tiengen hat Juergen im Vorbeigehen an der alten Mühle im Ortskern mal so aus den Augenwinkeln hingeschaut und aus der Hüfte mit dem Handy draufgehalten, und fertig war das Bild für die Materialkiste.

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Learning by visiting

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Am Wochenende konfrontierte mich Juergen mit dem Satz, dass Lernen nicht eine Anhäufung von Wissen sei und man auf den Stufen der Erkenntnis nach oben klettere. Nein, so sei es genau nicht. Es sei eher ein Wandern in Netzstrukturen. Von Knoten zu Knoten. Oder indem man neue Knotenpunkte schaffe. Nur so könne er jedenfalls momentan Kunst machen.

Und sein Netz werde immer dichter. Die Knotenpunkte, an denen sich Erkenntnisse „knubbeln“ würden, nähmen zu. Er lasse sich so richtig treiben, kein Lehrgangswissen mehr. Learning by doing und learning by visiting. Lehrgangswissen habe momentan keine Chance bei ihm.

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festgebissen

IMG_1958Ich war auf „Googas Boote“ gespannt, auf den Arbeitsfortschritt, und war mehr als überrascht als ich heute im Atelier „Zelle k5“ sah, dass sich Juergen an seiner „Nullkiste“ festgebissen hatte. Es sind schon Probedrucke entstanden, die heute dazu geführt haben, dass er die Kiste noch weiter geschnitten hat.

Im neuen Jahr will er die einzelnen Seiten drucken – das Netz der Kiste, die Außenfläche. Im Inneren sei die Kiste ein „Nullraum“. Sagte er.

Hier ein paar Bilder von den Zwischenergebnissen:

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im Netz

IMG_3539Der Gedanke vom Kern als zentralem Element, oder der Zelle, müsse erweitert werden, meinte Juergen zu mir, den Gedanken von gestern aufgreifend. Für sein eigenes Kunstschaffen sei dies sehr wichtig.

Als Vester in den Siebzigern den Gedanken vom vernetzten Lernen publiziert habe, sei das wie eine Erleuchtung für ihn gewesen. Und bis heute habe ihn auch in anderen Bereichn dieser Gedanke nicht losgelassen. Nicht nur das Lernen und die Anhäufung von Wissen geschehe in Form des Fortschreitens im Netz. Unserer gesamtes prozesshafte Voranschreiten im Leben sei so angelegt. Auch die eigene Entwicklung im kreativen Bereich. Wir würden nicht gradlinig vorangehen und uns entwickeln, sondern uns von Knoten zu Knoten in einem solchen Netz bewegen und dabei Netzfelder, bestehend aus den Verbindungen zwischen den Knoten bilden. Die Knoten seien Kerne.

Man schreite in seiner persönlichen Entwicklung oder der künstlerischen nicht auf einer Treppe nach oben, wobei die nächste Stufe ohne die vorherige nicht erreichbar sei, sondern man wandere in einem Netz von Knoten zu Knoten, manchmal in Umwegen, und bilde Netzflächen als das Ergebnis der eigenen Entwicklung.

So jedenfalls stelle er sich das vor.

Nicht schlecht, habe ich gedacht.

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