Schlagwort: Projekt

  • Projekt ohne Namen: „Ein Dorf ohne Baum, …“

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    Susanne Haun hat Jürgen folgenden Satzanfang geschickt: „Ein Dorf ohne Baum, …“ Dieser Satz ist Teil ihres gemeinsamen Vorhabens „projektohnenamen“. Auf Instagram ist da einiges unter @juergenkuester_buchalov zu sehen:

    „Dorf ohne Baum“: was ist das denn? Assoziationen kamen da auf: ist das ein Dorf mit fehlendem Maibaum? Ist solch ein Dorf eine Stadt? Ist mit dem Dorf ein Mann gemeint, dem etwas fehlt? Hat das irgendwas mit diesem momentan so überstrapazierten Thema „Heimat“ zu tun? Steht der fehlende Baum für die Klimakathastrophe? Wie soll man darauf humorvoll antworten? Das waren Jürgens spontane Äußerungen in meine Richtung als er das las.

    Da bliebe dann eben nur der Hinweis auf die „Baumschutzsatzung“, sagte er. Schreckliches Wortungetüm, aber in manchen urbanen Bereichen ein durchaus sinnvolles Unterfangen zum Schutz der Bäume. Also hat er ergänzt mit: „…da fehlte im Ort bestimmt eine Baumschutzsatzung“.

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    Damit ist er dann ins Atelier gezogen. Und nachdem der Probe-Druck stand, überkam Jürgen wohl ein Anfall von digitalem Spielen. Also hat er auf seinem iPhone mit einer Gestaltungsapp und dem Photo des Abdrucks herumgespielt. Was natürlich zur Folge hat, das eine Vielfalt von Ergebnissen entstand und er auswählen musste. Übrig blieb dann das hier:

    Als Ganzes lautet der Satz nun so: Ein Dorf ohne Baum: da fehlte im Ort bestimmt eine Baumschutzsatzung.

    Für Susanne hat Jürgen nun folgenden Satzanfang: Mir wachsen Flügel, glaube ich, denn …

    Buchalov

  • Buchalovs Tour 2020: seltsamer Mix

    Die eine Seite des Westerwaldes begrenzt die Sieg. Da waren Juergen und ich letzte Woche. Die südliche Begrenzung bildet die Lahn. In Limburg stehen wir momentan. Kalt war es in der Nacht, kein Vergleich zu den milden Temperaturen des Rheingaus. Aber der Blick auf die Lahn ist schön, bei aufkommender Sonne und der Ruhe. Im Hintergrund läuft „early morning rain“ – beruhigend. So langsam aber wächst die Sehnsucht nach der Wärme des Niederrheins.

    Limburg, das ist für Jürgen ein Besuch bei seiner Schwester. Limburg, das war aber gestern und heute auch ein Besuch in der Kunstsammlung der Stadt und ein Farradrundgang durch den historischen Ortskern – in Coronazeiten ein Wagnis, wegen der vielen Menschen

    In der Altstadt liegt der Dom, erhöht. Das Diözesanmuseum hatte leider zu, Montag. Aber der Dom lockte Juergen an und eine Begehung war notwendig und zeigte: ein Gebäude voller Symbolik und christlicher Ikonographie.

    Und dann treffen wir auf zwei Frauen, die uns ansprechen, und es stellt sich heraus: es ist ein missionarischer Heilungsdienst mehrere Frauen einer freikirchlichen Einrichtung, darf ich Sekte schreiben?, die gezielt Menschen ansprechen und für Gott in ihrem Sinne gewinnen wollen. Gesprächsaufhänger sind Themen wie das Fahrrad, das Wetter, die Körperhaltung, und und und. Belangloses eben. Juergen fragte sich im Nachhinein, was seine Signale waren, die zur Kontaktaufnahme führten. Man wird offenbar stärker beobachtet als man denkt. Die Damen dieser Freikirche waren auf Seelenfang, verunsicherten im Gespräch, redeten vom Heilen, dem körperlichen heilen, vom Heilen der Sünden, dem Heilen von körperlichen Gebrechen oder biographischen Verfehlungen. Die Bibel gilt als einzige Wahrheit. Wir sahen ein Heilsversprechen auch per Handauflegen, so im Vorbeigehen: irre das Ganze, und perfide.

    Hier sind das Alte und das Geschäft und der Tourismus und Gott überall präsent. Es ist dieser seltsame Mix aus Historie, aus Geld und kleinen Geschäften, aus christlichen Zeichen und dem Segen der Kirche. Hoch oben der Dom mit seiner aufgeladenen Symbolik von der himmlischen Stadt Jerusalem. Und mittendrin der Versuch dem Leben über eine Zuwendung zu Gott Sinn zu geben. Hier ist der alte Gott. Das ist der Ort, an dem man sich schnell sündig fühlt und um Vergebung bittet. Hier geht es im Verfehlungen im Vergangenen und die Hoffnung auf Erlösung in der Zukunft. Jürgen denkt ja mehr an eine Erlösung im Hier und Jetzt. Sagte er. Aber es ist schon mehr als verwunderlich, das sich an allen Orten der vergangenen Tage die Religion, das kirchliche und ihre Symbolik wie ein roter Faden durchzieht. Wahrscheinlich ist es historisch bedingt. Oder es hat mit Jürgens Überempfindlichkeit in diesen Dingen zu tun.

    Heute geht es nach jedenfalls nach Hause.

    Buchalov

  • Buchalovs Tour 2020: Loreley, Tag zwei

    Heute war nicht viel. Jürgen und ich haben in einem Weltkulturerbe gesessen und uns ausgeruht. Wir schauten die Loreley an, und sie schaute zu uns. Wir haben uns ausgeruht, ein Nickerchen, und sie sang mit lieblicher Stimme dazu. Wir waren glücklich und zu jeder Dummheit bereit. Dann wachten wir auf.

    Über Mittag hatten wir einen Energieschub. Also wurde gespült, Fahrrad gefahren, die Toilettenkasette geleert und Nachdenkenswertes gezeichnet. Die kleine Fahrradtour ging über Oberweser, Bacharach, Lorch und Kaub incl. zweimal die Rheinfähre. Es ist traumhaft schön hier. Das findet auch Jürgen.

    Wir haben unterwegs eine Kerze für euch mit den besten Wünschen angezündet. Juergen hatte das in Kloster Marienstatt vergessen und Ursula hat zurecht auf dieses Versäumnis hingewiesen.

    Aber auch das Perfekte hat bisweilen einen Makel: Es ist ziemlich laut hier. Und viele sind hier unterwegs. Jürgen hatte Zweifel, ob man die Loreley überhaupt singen hören könne. An jedem Rheinufer verläuft eine dicke Straße, eine zweigleisige Bahnstrecke, dann der Schiffsverkehr und auch in der Luft tummelt sich so einiges. Der Raum ist wirklich begrenzt hier. Und so ein Güterzug macht ganz schön Radau. Die Anwohner sind zu bedauern und manche sind erbost. Das zeigen die Protestschilder.

    Buchalov