Das ist natürlich Quatsch. Jürgen war mehr als oft im Alten Wasserwerk von Wachtendonk und hat dort sogar schon genächtigt. Denn Juergen zählt zu denen, die das Alte Wasserwerk vor dem Abriss gerettet haben. Und mit künstlerischem Leben in Form von Ausstellungen bzw. als Studio mit vielen Menschen füllte. Lang, lang ist es her.
Und jetzt sind Juergen und ich wieder an an diesem Ort : die Künstlergruppe „MachArt“ ist eine Woche im Gebäude zugange und Juergen darf dabei sein. Er realisiert ein Foto- und Zeichenprojekt. Und genau dieser Titel da oben gefiel ihm. Es sollen Bilder aus dem Alten Wasserwerk werden, nach zehn Jahren der Abwesenheit. Mal schauen, was sich an Altem neu finden läßt und ob die Inspiration des Ortes noch wirkt.
Zuerst gibt es diese Photos hier – kurz bevor alle den Raum belegt haben:
Wahrnehmung, genaues kopieren und freies Zeichnen: diese Stichworte tauchten in einem Kommentar von Gerda Kazakou zu meinem Beitrag über die fotografischen Vorbereitungen zu Jürgens zeichnerischen Arbeiten auf. Jürgen macht sich da so seine Gedanken. Und griff die drei Stichworte auf:
Wahrnehmung: um die Gegenstände wahrzunehmen, benutzt Jürgen sein Auge und dann das fotografische Auge, die Kamera und das Kameraobjektiv. Und manchmal auch die Technik des Zeichnens vor Ort, aber eher selten. Und indem er so vorgeht nimmt er seinen Gegenstand wahr, umkreist ihn und entscheidet sich für den Blickwinkel, die Größe des Objektes, die Komposition, den Hintergrund und und und. Der Hintergrund ist bei Jürgen, seltsam, seltsam, immer sehr wichtig.
genaues kopieren: das macht Jürgen zeichnerisch nie. Dafür fehlen ihm die zeichnerischen Fähigkeiten. Aber das Fotografische, das fotografierte Bild, auch aus dem Internet, helfen da immer.
das freie Zeichnen: wenn dann die Ergebnisse von den ersten beiden Ansätzen vorliegen, ja dann zeichnet Jürgen sie – frei, indem er sich am Photo und der Vorlage orientiert und indem er aus dem Kopf freie Motive abruft -Muster, Figuren, Zeichen, Kompositionen usw.- und diese dann in die Zeichnungen integriert. Tusche und Buntstift haben dabei Vorang. Der Buntstift liefert in letzter Zeit dann auch immer die farbigen Akzente. Die Ergebnisse werden fotografiert.
Und wenn das dann so geschehen ist, dann wird das, was vorliegt, es sind immer viele Bilder, sortiert, geordnet, arrangiert, hin und her geschoben und bewertet. Das geschieht auf seinem großen Tisch oder an der Wand. Dann ist er den Zusammenhängen und der Qualität auf der Spur.
Danach entscheidet er sich dann für ein Motiv und – jetzt endlich – setzt er es entgültig um: als Holzschnitt, als Linolschnitt, als Faltung, als Papierobjekt, als Buch, wie auch immer.
Das hier ist die erste Tuschezeichnung zum Hoogen Dyck, im Januar entstanden. Weitere sind nun gefolgt.
Die Tuschzeichnungen sind der „Ratz Fatz zweite Schritt“ und zeigen etwas von dem, was so links und rechts von diesem Wirtschaftsweg, mit dem sich Jürgen beschäftigt, auffällt. Noch sind die Zeichnungen wild und wenig glatt gebügelt. Noch entstehen sie durch das grobe Abzeichnen von Photos. Noch dienen sie dem Einstieg, der Suche nach einem gedanklichen Faden, der entwickelt werden kann. Qualitativ Gutes und Schlechtes liegen noch dicht beieinander.
Wenn die gedankliche Linie steht, also das, was das Projekt inhaltlich zusammenhält, der Gehalt sozusagen, dann ist das erste qualitative Standbein geschaffen worden. Des Weiteren muss dann jedes Bild, jedes Werk für sich, im einzelnen qualitativ überzeugen. Dann werde aus dem allen ein Ganzen, so Jürgen: ein Projekt, das Tiefe habe. Er sei auf einem guten Weg.