künftig/bald/nach vorne – Faltungen: Faltungen der Kinderzeit und ihre Variationen

Er hat sich entschlossen da zu beginnen mit seinen Faltungen, wo er mit dieser Technik die ersten Kontakte hatte: in seiner Kindheit. Die Hexentreppe, Himmel und Hölle, ein Dach, die Ziehharmonika, den Flieger, das Lesezeichen und den Drachen hat er nachgefaltet mit Papier, das im Atelier herumlag. Und zwei freie Faltungen.

Wieder war da dieses sich Treibenlassen, dieses sich nicht genau an Faltanweisungen halten. Einige Arbeitsschritte waren im Gedächtnis verschüttet und mussten erst wieder frei gelegt werden. Aber: es wurde gefaltet, geklebt, gefaltet, geklebt, geschnitten und und und.

Danach wurde das Ganze im Ensemble fotografiert und anschließend dann einzeln und landete anschließend an der Atelier- Wand. Hier eine kleine Auswahl:

Erkenntnisse? Ja, die gäbe es auch: Die Oberflächen sind bedeutend, das Falten dient dem Zeigen der Oberfläche. Die Objekte sind und werden plastisch. Die kindliche Funktionalität der gefalteten Dinge weicht der neuen Funktion als Fläche für Motive. Das Ganze bekommt eine dekorative Funktion. Und auch der Zufall ist wieder im Spiel: Motiv und Kompostion sind als Ergebnis nicht exakt vorher planbar. Sie unterliegen einem Faltnetz. Flächen verkleinern sich. Und es entsteht eine Dominanz der neuen plastischen Form gegenüber der Fläche.

Buchalov

10 Gedanken zu „künftig/bald/nach vorne – Faltungen: Faltungen der Kinderzeit und ihre Variationen

  1. Nicht wahr, es macht Freude, das Spiel mit dem Papier. Es scheint ein tiefes Bedürfnis zu sein, etwas zu Falten und wieder Glätten und wieder Falten. Ich denke lange nicht mehr darüber nach, warum das so ist. Liebe Grüße Marie

    • Meiner Meinung kann man nur in die Zukunft, nach vorne, blicken, wenn man sich auf die Elemente besinnt, die einen geprägt haben. Einige dieser kindlichen Faltarbeiten gehören dazu. Dabei geht es nicht nur um die Technik des Falten, sondern auch um den Abruf habtischer Momente. Ähnlich get es mir mit dem Material Holz.

  2. Mir wird plötzlich klar, dass uns die gleichen Kindheitserfahrungen verbinden, was das Falten betrifft. Wir scheinen alle diese Grundformen zu kennen, sie sind Teil unseres Bestands an Kulturtechniken.
    Und sie bilden unsere Grundfertigkeit zur Herstellung von Stabilität – vorausgesetzt, Papier o.ä. ist bereits erfunden.
    Hier formt sich die Frage: gibt es Naturmaterial, das sich von Menschen so definiert und dauerhaft falten lässt? Mir fällt keines ein …

    • Ja, so sehe ich das auch: Diese Techniken haben wir als Kinder gelernt, wir sind von Ihnen geprägt. Es sind Kulturtechniken und Grundformen. Das gilt aber auch für Gerüche und anders haptische Material. wie Holz. Anderes Naturmaterial? Ja, die Zweige, die Blätter, die Blüten, das geschnitzte Holz, der Wald insgesamt, und das Material, das sich in der Kellerwerkstatt meines Vaters befand.
      Liebe Grüße
      Jürgen

      • Aber Zweige, Blätter … biegen sich nach menschlichen Faltversuchen wieder in Richtung Ausgangszustand zurück oder zerbrechen. Papier bleibt als gefaltete Form und stabiler als vorher.

  3. Die Erinnerung an grobe Falttechniken aus der Kindheit stehen mir auch vor Augen, nachdem ich mich ein wenig mit den Faltungen bzw. Entfaltungen in der Natur befasst habe. Neben der künstlerischen Perspektive, die du hier ausdruckstark demonstrierst, gibt es den Aspekt Schaffens- und Gestaltungsfreude, der auf relativ einfache Weise (der Hut, das Boot etc.) erreicht werden kann. In der Natur sind es wohl vor allem material- und energieökonomische Aspekte, die dem Falten und Entfalten zugrunde liegen. LG, Joachim.

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