der letzte Dreck

Juergen hatte zu einem kleinen Frühstück in Zelle k4 geladen. Boris der Maler kam, Rudolf der Bildhauer war verhindert. Auch ich war da.

Und sogleich waren sie wieder im Thema: Was ist gute Kunst?.

Juergen erzählte von dem Sammler, der nur solche Bilder kaufte, die nicht wie Kunst daherkämen, die absolut schräg wirkten, die wie der letzte Dreck aussahen. Mit der Zeit allerdings würden die wirklich guten Bilder eine Kraft entwickeln, sich gegen die anderen Bilder behaupten, Bestand haben. Diese Kraft sei die Stärke der Bilder. Was diese Kraft genau sei, konnte er aber nicht sagen.

Und schon gingen die Spekulationen los. Juergen bat mich, dass mal im Blog zu thematisieren. Na ja, Kraft, ich weiß nicht. Irgendwie diffus.

Buchalov

Kommentare

2 Antworten zu „der letzte Dreck”.

  1. Avatar von Klaus (Pseudophilosoph)

    Vielleicht ist die Frage einfach zu komplex und wahrscheinlich auch wirklich kaum zu beantworten…warum bleibt einem ein bestimmtes Musikstück im Ohr, bgeleitet einen ein bestimmter literarischer Text ein Leben lang und andere nimmt man zwar wahr, haben aber keinerlei Relevanz?
    Mir ging es so (und geht es auch mit eigenen Bildern manchmal so), dass oft Dinge bleiben und Bedeutung gewinnen, die sich auf den ersten Blick vielleicht nicht so aufgedrängt haben.
    Aber auch das ist keine Regel.
    Eine kleine Geschichte vom Erlanger Hörkunstfestival, wo ich, ich glaube es war im Januar 2004, könnte auch ein Jahr später gewesen sein, hörenderweise unterwegs war.
    Es gab aufgeregte und technisch aufgemotzte Produktionen, einfache Klangexperimente und vieles mehr, aber zumindest ein Vortragender (dessen Name ich vergessen habe, ich glaube, es war ein Niederländer) hat sich unvergessen eingeprägt: Er saß da vorne an einem Tisch mit elektronischem Bastelkram, Platinen und Kabeln und Potentiometern und links und rechts Lautsprechern. Dann fing er an, an seinen Reglern und Potentiometern zu drehen und aus den Lautsprechern kamen Knister- und Knackgeräusche und während man noch auf das eigentliche Stück wartete, merkte man plötzlich: das ist das Stück! Ein Gratwandeln zwischen „ist das schon was?“ und „das ist doch nix!“, zwischen „ja stimmt, auch das ist Musik“ und „der will uns verarschen“. Viele gingen raus, wenige blieben bis zum Schluß. Aber dieses radikale Hinterfragen dessen, was wann was ist und dass auch dieses gesteuerte Knistern, Knacken und Rauschen ästhetische Qualitäten entfalten kann, war in seiner Radikalität (und auch seinem Mut) ein beeindruckenderes Statement als technisch aufwendig produzierte Hörspiel ind 5-d-Surround-oder-wie-die-immer-heißen…

    Und vielleicht noch ein zweiter Gedanke, der mir grade einfällt: Kunst als Spiel, Symbol und Fest. Zwischen diesen drei Polen verortet Hans-Georg Gadamer in seiner kleinen Schrift „Die Aktualität des Schönen“ das menschliche Kunstschaffen. Und wenn man jetzt denkt: Wann geht man nachhause und denkt: dieses Fest war gelungen? Da gibt es wohl kaum einen großen Unterschied zur Frage: Wann ist ein Kunstwerk gelungen? Wann funktioniert es?

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    1. Avatar von juergenkuester

      Hallo Klaus!

      Vielleicht ist die Frage wirklich nicht beantwortbar. Aber eine Annäherung an mögliche Antworten sollte möglich sein.
      Radikalität in der Darstellung ist sicherlich ein Merkmal. Es ist ja bisweilen wirklich so, dass, was heute als unannehmbar und radikal gilt, schon morgen Akzeptanz findet, weil die ablehnende Postion im Laufe der Zeit dem Veränderungsdruck nicht standgehalten hat. Die Wahrnehmung der Sachlage heute ist eine andere wie später. Konservatismus zeichnet sich ja dadurch aus, dass er genau diese Veränderung nur zögerlich akzeptiert.
      Und auf unsere Kunstwerke übertragen bedeutet es, dass die Radikalität heute im Werk nur dann überdauert, wenn nicht wir uns verändern, sondern der Blickwinkel des Betrachters in Bezug auf das Werk und wir dies vielleicht schon vorausahnten.
      Ich habe mir im Atelier eine Liste an die Wand gepinnt, eine Checkliste, die ich ergänze oder reduziere, und die ich oft nach Abschluss einer Serie oder eines Werkes verwende, um zu schauen, wie viele der Punkte der Liste ich nach meiner subjektiver Einschätzung erfüllt habe. An ihr versuche ich zu „messen“, ob es ein gutes oder schlechtes Ergebnis war.
      Ich weiß aber, dass das subjektive Element, genau wie bei der Beurteilung, ob ein Fest gelungen war, dennoch das Gewichtigste bleibt.

      LG JUergen

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