Bademantelkommentar #3

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Juergen zupfte an seinem Bademantel herum und sagte: „Ausstellungen machen irgendwie keinen Sinn mehr.“

Buchalov

19 Gedanken zu „Bademantelkommentar #3

  1. Ausstellungen machten noch nie Sinn*. Bestenfalls ergaben sie welchen oder erzeugten ihn. 😉 Aber wie auch immer … Viele Dinge bekommen erst dann Sinn, wenn wir sie von diesem Druck, dass sie sinnvoll oder sinnstiftend sein sollten, befreien; das habe ich von einem anderen Jürgen gelernt …
    Vom-Hof-LiebGrüße

    * Ich kanns nicht lassen zu mosern, wenn jemand „Sinn machen“ sagt. Das ist drum nicht wirklich gutes Deutsch.
    http://bastiansick.de/leserpost/wastungegensinnmachen/
    http://perspektiefe.privatsprache.de/das-macht-sinn/

    • Liebe Denise!
      Ich habe mir ein wenig Zeit gelassen mit meiner Antwort.
      Zum einen: Es stimmt, dass Ausstellungen mit Druck, welcher Art auch immer, verbunden sein können und das dieser durchaus manchmal nicht hilfreich ist, sondern den Blick auf die wesentlichen Dinge verstellt. Aber auch das Gegenteil ist möglich.
      Nur die Entscheidung wie man damit umgehen möchte, die muss schon jeder selbst fällen. Ich für meinen Teil habe an Ausstellungen das Interesse fast gänzlich verloren – aus vielerlei Gründen. Auch die von Dir erwähnten Gründe zählen dazu.
      Zum zweiten: Das „Mosern“ über die Formulierung „Sinn machen“ ist bei mir nicht gut angekommen, denn bei mir stellen sich alle Nackenhaare auf, wenn mir jemand „lehrerhaft“ vorschreiben möchte, was gutes und schlechtes Deutsch sei. Das wiederum liegt wahrscheinlich an meiner persönlichen schulichen Sozialisation im Fach Deutsch, die eben genau nicht aufbauend und helfend/unterstützend war, sondern mir sehr oft abwertend Grenzen meinte aufzeigen zu müssen. Und über das, was gutes Deutsch sei, läßt sich darüber hinaus ja auch trefflich streiten.
      Umgangssprachlich halte ich „Sinn machen“ für akzeptabel.
      Liebe Grüße Juergen

      • Lieber Jürgen

        Ich danke dir herzlich für deine ehrliche Rückmeldung.

        Ich wollte gewiss nicht Buchalov oder dir auf die Füße treten. Verzeih bitte! Mir tut manches, was unserer Sprache angetan wird, regelrecht körperlich weh (weil sie mir lieb und teuer ist) und dann bringe ich Kritik an. Aber verletzten wollte ich dich ganz gewiss nicht. Eher versuchte ich daraus ein Wortspiel zu machen & und mit den Links zu inspirieren. Schade, dass deine Deutsch-Sozialisation nicht aufbauend war.

        Und natürlich kann man ich über den Sinn von Ausstellungen schon so seine Gedanken machen, zum Beispiel ganz materiell über das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Und dann ist es auch unbedingt eine Typenfrage.

        Ich kenne da sehr unterschiedliche KünstlerInnen. Jene zum Beispiel, die ihr ganzes Arbeiten in Ausstellungen münden lassen wollen & aber auch solche, für die das eigentliche Kunstschaffen entscheidend ist und die Ausstellung nur ein notwendiges Übel ist um sich sichtbar zu machen. Dann kommt auch noch dieses mysteriöse Ding namens Kunstmarkt ins Spiel. (Analog dazu die Literaturszene mit ihren Lesungen.)
        KünstlerInnen müssten heute auch gleich PerformerInnen sein.

        Mich schaudert. Kunst wird so schnell mal zu einem beliebigen Produkt und das mag ich nicht.
        Andererseits: Vor Ausstellungen kommt nicht selten dieser kreative Schub, der ja schon auch seine positiven Seiten hat … Schwierige Fragen also und ich verstehe dein Hinterfragen sehr gut.

        Wenn das aber Freude macht, ist das vielleicht schon Sinn genug?

        Nochmals: Bitte verzeih, dass ich dich verletzt habe.

      • Liebe Denise!
        Es ist alles gut, ich danke Dir Dir für Deine lieben Worte. Sie haben geholfen.

        Deine Gedanken zur „Typenfrage“ gefallen mir, denn auch das spielt eine ganz wichtige Rolle bei der Frage, ob man Ausstellungen realisieren möchte oder nicht. Ich lande dann auch schon mal beim Begriff der „Eitelkeiten“.
        Tja, und der Kunstmarkt als weiters Stichwort, ist ein weiterer dicker Brocken, der in diesem thematischen Feld im Wege liegt, da geb ich Dir recht.
        Alles Gute, Liebe Grüße
        Juergen

  2. Ausstellungen?
    Habe ich nie gemacht. Es gab Versuche, mich reinzuziehen, als Co-Aussteller.

    Ich habe mal Stallwache gehalten bei einer Gemeinschaftsausstellung von ein paar Freundinnen. Ein Besucher meinte, etwas verächtlich: „Ja, Spitzweg, das war noch ein Maler!“.

  3. ausstellungen dienen, entgegen der vorherrschend meinung, nicht dem künstler. sie schmücken in der regel innenräume, kuratoren und die anderen artpussies und wichtigtuer. das kann man immer wieder bei großen schauen und großen museen feststellen. am besten mit ausstellungen lange bekannter, verstorbener künstler, die die deutungshoheit über ihre arbeit nicht mehr mitbestimmen. wen vernimmt man im zuge einer ausstellung, die ausstellungsmacher, den kurator, den galeristen, die rezitierenden medien und wenn der künstler selbst zu wort kommt, wünscht man sich allzuoft er würde das besser sein lassen.
    daraus ergibt sich aber auch das dilemma. ohne ausstellung gibt es keine öffentlichkeit. ohne öffentlichkeit wird eben auch kein bild verkauft. anständige aussteller und galerien kommen daher nicht nur für alle kosten auf, sondern kümmern sich um eine richtige kommunikation, wahrnehmung und wertschätzung des künstlers mit seiner arbeit.
    ich finde galerien gut. es ist klar das hier kunst verkauft wird. nur so kann der künstler überleben. und ich kann mir eine schöne und mein leben bereichernde arbeit kaufen ohne ständig an dummes geschwätz oder eine hässliche visage denken zu müssen (außer der galerist ist der mit geshwätz und hässlicher visage, dann geht gar nix).
    der ausstellungstätigkeit entkommt man nur mit finanzieller und sozialer unabhängig, dann kann man sich als künstler den wahnsinn sparen.

    • Liebe Heike, ich glaube, das sprengt den Rahmen hier. Aber einige der Kommentare hier im Blog zu diesem Ansatz gehen ja in die Richtung, die die meine ist. Ich schlage vor, dass wir uns mit diesem Thema noch einmal beim nächsten persönlichen Treffen auseinandersetzen. Verschoben ist nicht aufgehoben.
      Liebe Grüße Juergen

  4. Ich finde, es ist dann ein Freude für den Künstler selbst – die Arbeiten im Ausstellungsraum zu sehen. Sie in einer anderen Wirkungsstätte gehängt wahrzunehmen.
    Was hat man geschaffen, wie wirkt es? Kommt es an bei den Besuchern? Gespräche….!
    Komische Kommentare hört man immer mal wieder. Der Besucher wollte dann halt nur Gegenständliches sehen.
    Ausstellungen, um was zu verkaufen, tja, das ist so eine Sache.

    • Liebe Sabine!
      Ja, Ausstellungen können durchaus gut sein fürs eigene Selbstwertgefühl und erfüllen einen dann auch mit Freude und Stolz, wenn man sie für gelungen hält.
      Auch die Reaktionen der Betrachter halte ich nicht für unwichtig, denn man möchte ja schon wissen, ob die beabsichtigte Bildaussage auch ins Schwarze trifft. Aber überbewerten möchte ich seine Meinung auch nicht. Meine eigene Postion zu meinem Werk ist mir da wichtiger.
      Ja, und das liebe Geld ist eine ganz besonderer Aspekt in diesem „Spiel mit den Ausstellungen“. Ich jedenfalls bin froh, dass ich nicht vom Verkauf meiner Bilder leben muss und beneide keinen meiner Künstlerfreunde, der bei dem es nicht so ist. Das ist einer der Gründe, warum ich für ein bedingungsloses Grundeinkommen bin.
      Liebe Grüße Juergen

      • Lieber Jürgen, kann ich zustimmen. Mir geht es ja ähnlich wie dir. Man ist nicht abhängig vom Verkauf der Arbeiten.

        Der Raum, indem du die Arbeiten ausgebreitet hast, ist schlicht, bringt gutes Licht; damit wirken die farbigen Arbeiten von dir. So weit ich es hier vom Foto beurteilen kann.
        Mal sehen, ob ich noch ein Foto sehe, wenn die Kunstwerke hängen… LG Sabine

  5. …vielleicht dazu noch ein Satz von Deinem Held aus Kleve, den ich immer sehr schön fand in diesem Zusammenhang, Joseph Beuys soll also gesprochen haben, er stelle nicht „aus“, sondern „ab“. Wie gesagt: Deine Aus“legungen“ oben gefallen mir natürlich auch sehr schön – aber was ist das anderes als eine Ausstellung? Bloß weil die Sachen auf dem Boden liegen und es vielleicht nur für Dich oder einen noch kleineren Kreis gedacht war? „Ich habe nichts zu sagen und das sage ich und das ist Poesie wie ich sie brache“ (JOhn Cage) Herzliche Grüße Klaus

    • Lieber Klaus!
      Beuys ist inspirierend, sicherlich. aber mein Held ist er nicht.
      Und Die Formulierung „Ablegungen“ halte ich eher für eine verbale Provokation oder einen geistigen Anstoß von ihm.
      Jeder Beitrag, sobald er das Atelier in welcher Form auch immer verläßt, ist Teil einer Inszinierung, Teil einer Ausstellung, natürlich. Diese Art von Ausstellung war allerdings in meinem Bademantelkommentar nicht gemeint.
      Gruß Jürgen

  6. Naja, das war mir schon klar, dass der Bademantelkommentar nicht ganz so gemeint war, aber wenn man zu dem Schluss kommt, dass Ausstellungen keinen Sinn mehr ergeben, dann lässt sich mein Hirn halt nicht bremsen und denkt gleich weiter in die Richtung: Vielleicht sind nur die Modelle für Ausstellungen falsch, in denen wir denken? Vielleicht muss sowieso alles mal komplett anders gedacht (und gemacht) werden? Und wo, wenn nicht auf künstlerischem Gebiet, habe nicht nur die Möglichkeiten, vielleicht sogar die Verpflichtung, alles mal ganz anders zu machen? Ich hab vor vielen Jahren ja mal beschlossen, mich nur noch an Ausstellungen zu beteiligen, die eines von folgenden Kriterien erfüllen: entweder kommt ökonomisch was bei rum oder das ganze taugt irgendwie für`s Renommé, oder das ganze findet in Räumen statt, die mich schon immer mal interessiert hätten. Bestenfalls überschneidet sich auch das ein oder andere Kriterium. Letztens hab ich mich sogar einmal nicht dran gehalten – und das hätte ich auch besser gelassen, das war eine wirklich unnötige Veranstaltung. Nungut.
    Ausstellungen sollten mir als Künstler dienen und nicht als Deko für`s Ego für Wichtigtuer.
    Hält man sich an gewisse Regeln, dann klappt das sogar.
    Zu sehen, wie die eigenen Sachen in anderen Räumen funktionieren, diese umdeuten und verwandeln, ist fast, wie ein Bild oder eine Zeichnung machen. Und dabei etwas über sich und die eigene Arbeit zu lernen ist für mich immer wieder Grund genug, es zu tun.
    Liebe Grüße

    • Lieber Klaus,
      ich habe auch noch einmal nachgedacht. Was ich nicht im Blick hatte war die Tatsache, dass bei einem weitgefassten Begriff von „Ausstellung“ jede Öffentlichwerdung eines Werkes ja schon eine Ausstellung sein kann. Danke für den Hineis.
      Neue Ausstellungsmodelle – das ist ein guter Gedanke von Dir. Aber wie, diese Frage bleibt.
      Deine Auflistung von Kriterien, die Du Dir gesetzt hast, wenn Du die Entscheidung über eine Ausstellungsbeteiligung triffst, finde ich sehr hilfreich und sinnvoll. Ich nehme sie gerne als Anregung auf.
      Bis dahin, alles Gute, Liebe Grüße Juergen

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