über Fehler

IMG_5981Juergen stand mit „Rudolf, dem Bildhauer“ im „rosa Zimmer“, gegenüber „Zelle k5“. Sie sahen sich die Ergebnisse von Juergens letzten Drucken an und philosophierten über Sinn und Unsinn von Fehlern.

Juergen erzählte, dass er, wenn Fehler im geplanten Druckprozess aufträten oder aus welchen Gründen auch immer Abweichungen von Druck zu Druck vorlägen, dass er sich angewöhnt habe, das als etwas Positives wahrzunehmen. Das öffne die Sache. Manchmal verfolge er so etwas auch weiter und merke, dass das Ergebnis besser sei als das, was er sich vorgenommen habe. Er sei mit der Zeit auch sensibler geworden für diese Abweichungen, die dann aber zum Zentrum würden. Das mache ihm Spaß. Und er zeigte einen Computerausdruck, der im Drucker hängengeblieben war.

Rudolf sagte, dass er sich das nicht leisten könne. Er wolle die Perfektion und wenn das bildnerische Ergebnis nicht so sei wie er es geplant und entworfen habe, dann sei er unzufrieden, mehr als unzufrieden. Das sei schließlich sein Markenzeichen, diese perfekten, makellosen Oberflächen, die hundertprozentige technische Qualität seiner Skulpturen. Deshalb könne er auch mit den „hingeschmissenen“ bildhauerischen Ergebnissen nichts anfangen. „Baumarktbildhauerei“ nannte er das. Er nannte keine Namen. Aber wir wussten, wen und was er meinte.

Buchalov

For my english readers:

Juergen stood in the „rosa Zimmer“, with „Rudolf, dem Bildhauer“. They looked at the results of Juergens last prints and philosophized about sense and nonsense of errors.

Juergen said, that if there are errors in the planed process or if there are any deviations from print to print, that he was in the habit of doing it as something positive.

12 Gedanken zu „über Fehler

  1. das passt zu dem letzten eintrag, zu dem ich kommentiert habe hier. damals ging es um schubladen und chaos. und hier wieder um „scheinbare“ gegensätze, um das technisch perfekte und um die schönheit der abweichungen. wiederum (auf die gefahr hin, langweilig zu erscheinen) wähle ich den kompromiß, den mittelweg, ich denke beides hat seine berechtigung, wirkliche schönheit aber, lebt für mich durch klitzekleine makel. alles andere scheint leblos und auf die dauer langweilig.

    • Beides hat, da gebe ich Dir recht, seine Berechtigung. Wenn ich in meinen Arbeiten allerdings die Perfektion der Ausführung stark betone, leidet tatsächlich immer die Aussagekraft und Lebendigkeit des Ergebnisses. Daher versuche ich ein Gespür für das Kreative im Fehler zu entwickeln und lasse ihn auch verstärkt im Arbeitsprozess und als Teil des Ergebnisses zu.
      LG Juergen.

      • Du schreibst, wenn du in Deinen Arbeiten die Perfektion der Ausführung betonst, leide die Aussagekraft und Lebendigkeit. Das finde ich sehr interessant. Einleuchtend zwar, andererseits wäre ich selbst nicht zu diesem Schluss gekommen, bezüglich bildender Kunst. Aber es ist vermutlich bei jeglicher Art von Kunst derselbe Balanceakt zwischen Unbewusstem, lockerem kreativem Prozess und handwerklicher Geduld.

  2. Ich bin auch eher ein Typ, der aus Fehlern etwas macht. Aber was sind schon Fehler in der Kunst! Gibt es das überhaupt? jaaaaaaaaaaaa… wenn man realistisch malt auf jeden Fall…..
    Aber ohne Fehler wüßten wir dummen Europäer vielleicht immer noch nicht, wo Amerika liegt… *grins* – da können wir nur sagen, Columbus sei Dank!

  3. Ich frage mich generell, was ein Fehler überhaupt ist? Eine Abweichung vom gedachten vorkonstruierten Weg? Marcel Duchamp sagte „art and life are processes of random chance and willful choice“ Ein Fehler fällt für mich in die Kategorie „Random chance“

    • Hallo Dietlind!
      Ja, die Definition dessen, was ein Fehler ist, hat schon Bedeutung. Für mich ist es eine Abweichung von einer Norm in einem Prozess, aus welchen Gründen auch immer, die zu einem nicht standardisierten Ergebnis führt. Ich sehe den Fehler als eine kreative Chance, als Bereicherung.
      In diesem Sinne passt Dein Zitat von Duchamp, das ich nicht kannte, sehr genau.
      Alles Gute
      Juergen

  4. Was ist richtig, was ist falsch? Eine kleine Anekdote fällt mir dazu ein, eigentlich weniger eine Anekdorte als eine gängige Kunstpraxis: In der japanischen Kalligraphie ist (und war) es durchaus üblich, einzelne Wörter auch wieder durchzustreichen und sie durch ein anderes zu ersetzen, um die Sponatnität und Emotionalität des Ausdrucks zu betonen. „Fehler“ wurden also bewusst eingebaut, um den künstlerischen Ausdruck zu steigern (!). Anderes Beispiel (und dem perfektionistischen Bildhauer zur Besichtigung empfohlen): Im Landesmuseum Mainz findet sich eine erkleckliche Anzahl von Torbögen, Tafeln und sonstigem Gestein mit römischen Inschriften. Also gemeißelter Schrift. Und wenn am Ende einer Schriftzeile nicht mehr genügend Platz war, um das Wort fertig zu schreiben, dann hat man entweder die letzten drei-vier Buchstaben enger zusammengerückt als in den vorhergehenden Wörtern oder den Buchstaben kleiner gemacht oder in die nächste Zeile gerückt. Schludrige Römer? Fehler? Oder Freiheit, die (ästhetisch) nicht schadet? Auch das Klavierspiel von Thelonius Monk kann einen hübschen Beitrag zur Diskussion liefern. Auch er hat manchmal bei Auftritten Dinge bewusst anders und „falsch“ gespielt, um seine Mitspieler dazu zu provozieren, über sich hinauszuwachsen… In diesem Sinne!: Es gibt kein richtiges Leben im Valschen!

  5. Danke für den link. Das ist ein prima Tipp! (Und was würdest Du davon halten, wenn wir uns mit einem gemeinsamen Projekt daran beteiligen würden? Ist jetzt eine ganz sponatane Regung und noch ein wenig vage – – – ich schreibe Dir mal was dazu per E-mail).

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