künftig/bald/nach vorne: die Transformation am „heiligen Sonntag“

die Wand/Transformation, Stand 01-11-20

Wir waren heute auch im Atelier, Jürgen und ich, am “heiligen Sonntag” – nur kurz zwar, aber immerhin. Jürgen fiel dabei ein, dass die Bibel voller Geschichten ist, in denen “umgewandelt” wird. Zum Beispiel das, was jeder kennt: Jesus soll Wasser in Wein umgewandelt haben. Oder, dass er von den Toten auferstanden sein soll. Oder das seine Worte als geistige Nahrung begriffen werden. Oder das sich die Realität durch den Glauben transformiert. Und und und.

Und ihm fiel ein, was für riesige Anstrengungen seine Oma, die sehr religiös war, unternommen hat, um ihn in seiner Jugendzeit in einen guten Christen umzuwandeln. Oder das sein Cousin als Prediger einer Freikirche mit der ähnlichen Absichten unterwegs ist.

Und wer unter dem Stichwort „Transformation und Bibel“ im Internet sucht, wird mit Bibelzitaten erschlagen. Transformation und Christentum haben wohl einiges mit einander zu tun. Es gibt da immer die Nähe zur Metamorphose und dem Bereich der inneren Umwandlung.

Und ihm fiel Schlingensief mit seiner “Kirche der Angst” ein. Dieses Projekt wäre sicher im Rahmen seiner Untersuchungen zur Transformation eine genauere Betrachtung wert, denn die Präsentation in Venedig hat er ja schon gesehen. Mal schauen.

So, damit wird das“ Wort zum Sonntag“ nun beendet und ich zeige Euch nun zwei Teile, die Jürgen heute auf die Schnelle erstellt hat:

Buchalov

Künftig/bald/nach vorne: Wasser, Musiktitel

Marie vom Blog “mmandarin” gab Jürgen einen Hinweis: sie sah einen Zusammenhang zwischen dem Thema “Wasser” und der Musik.

Den Gedanken hat Juergen aufgegriffen und sich spontan erinnert: Smoke on the water, bridge over troubled water, am Brunnen vor dem Tore, wenn alle Brünnlein fließen, water under the Bridge, Waterloo Sunset, Waterloo, Wassermusik von Händel, spirit on the water, the water is wide, bring me a little water …

Dann hat er bei Spotify “Wasser und water” als Suchbegriff eingegeben und wurde von einer riesigen Menge von Titeln geflutet.

Und jetzt läuft seine persönliche Spotifyliste.

Buchalov

am Zeichentisch …

Ich habe es gesehen: Jürgen saß im Atelier an seinem Zeichentisch und schaute verträumt aus dem Fenster. Als ich kurze Zeit später wieder bei ihm vorbeischaute, zeigte er mir das hier und fragte: könnte das Gott sein?

Buchalov

Projekt ohne Namen #57: “Mein Lebenslauf ist bunt …”

“… and the circle turns around and around and around.”

Als Ergebnis nur ein einziges Bild: das funktioniert nicht mehr. Es entstehen mittlerweile immer viele Varianten eines Motivs, und Juergen kann sich nicht mehr sogleich entscheiden, was er auswählen soll. Wovon rede ich?

Im „Projekt ohne Namen“ senden sich Susanne und Jürgen im Wechsel halbe Sätze zu und der andere muss sie vervollständigen und ein Werk der Visualisierungen dazu erschaffen. Seit 2016 machen sie das schon so. Und dass dabei nur ein Werk entsteht, genau das funktioniert bei Jürgen momentan nicht mehr. Also werde ich Euch hier einige Variationen zeigen.

Und nun zu dem Halbsatz, den Jürgen bekommen hat. Susannes Leben scheint ein bewegtes und vielfältiges und facettenreiches zu sein, oder gewesen zu sein. Wer kann das schon sagen. Gratulation! Ihr Satz für Jürgen lautete daher : “Mein Lebenslauf ist bunt …”

Jürgen hat sich mit mir besprochen wie er damit umgehen soll. Er werde dieses Jahr siebzig Jahre alt, und da stelle sich die Frage nach einem Leben und ob es bunt gewesen sei anders, als wie bei Susanne, die ja einen Lebenslauf geschrieben habe. Für ihn klinge der Satz eher wie eine Aufforderung zur Bilanzierung. Er wisse im Moment gar nicht genau, ob sein Leben bunt gewesen sei. Da müsse er wohl mal länger drüber nachdenken. Denn bunt, das sei so ein Begriff, der sich ihm nur schwer erschließe. Er wisse nicht genau, was das bezogen auf ein Leben bedeutet. Aber ein langes Leben habe er jetzt schon auf dem Buckel, und er hoffe, dass es noch nicht so bald vorbei sei. Ein paar Jahre dürfen es ruhig noch sein. Es gäbe noch einiges zu tun. „The circle can go around and around“, wenn es noch ihm gehe. Er weiß, dass er diesen halben Satz schon einmal verwendet hat: doppelt hält eben besser. Und im Hintergrund lief auch noch der alte Byrdssong “Full circle”. Damit war die Motivlage für sein Werk klar.

Und so setzen sich die zwei Teile nun zusammen: “Mein Lebenslauf ist bunt and the circle turns around and around and around.”

Und Susanne bekommt von ihm jetzt folgenden Halbsatz: “Mit diesen in den Raum gesprochenen Worten werde ich die Realität gewaltig verändern: …“

Buchalov

Projekt ohne Namen #52: „Endlich werden wir EINZELNE aufgefordert, …”

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S: „Endlich werden wir EINZELNE aufgefordert …

Ich vermute, dass Susanne diesen Halbsatz geschrieben hat, weil sie die Erwartung hatte, dass Juergen ihr vielleicht bei der Auflösung einer schwierigen Situation behilflich sein könnte. Denn scheinbar setzen ihr die momentanen gesellschaftlichen Prozesse und Geschehnissen sehr zu und beunruhigen. Jürgen geht es ebenso. 

Aber Juergen kann diese Erwartung nicht erfüllen. Der „arme“ Juergen hat nur den eigenen Humor und die Methode des Nonsens um das uns Bedrückende zu ertragen, um damit umzugehen. Und das Anhören der lauten Musik, zu der er immer und überall mitsingt – das hilft ihm.

Für die neuen Leser: Susanne und Juergen senden sich immer halbe Sätze zu, die der andere dann vervollständigen muss, und die er visuelle umsetzt. Dieses gemeinsame Projekt läuft nun schon seit Jahren und beglückt beide. 

Juergen hat diesmal zwei Ergänzungen erstellt:

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… in die Gartenlaube zu gehen und den Transformator anzuwerfen.

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… nackt auf einem Bein zu stehen und uns frei zu fühlen.

Und im Zusammenhang klingt das dann so:

Variante 1: „Endlich werden wir EINZELNE aufgefordert, in die Gartenlaube zu gehen und den Transformator anzuwerfen.“

Variante 2: „Endlich werden wir EINZELNE aufgefordert, nackt auf einem Bein zu stehen und uns frei zu fühlen.“

Tatim tati tata, Tatim tati tata, Tatim tati tata!

Juergen schickt Susanne jetzt zwei Halbsätze zu: “Ich glaube an Dich, mein Engel…“

„Wenn ich über das Wasser der Förde sah, konnte ich dich zwar nicht sehen, …“

Juergen hat mir gesagt, dass er nun sehr gespannt sei, ob Susanne nur einen Halbsatz aufgreife und beantwortet, oder ob beide Sätze etwas in Gang setzen können.

Buchalov

Projekt ohne Namen #50 „Der Jubel-Satz ist auch nur …“

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Susanne schrieb: „Der Jubel-Satz ist auch nur …“ Es ist der „Fünfzigste Satz Austausch“ zwischen den Beiden. Kaum zu glauben, aber wahr.

„Da da da daaaaaaa!“

Sie können jubeln, die Beiden, klar, denn das Projekt läuft jetzt schon seit 2016, mal mehr, mal weniger intensiv, aber es läuft. Und es läuft in letzter Zeit immer besser.

„Tscha peng da puh da Bing“.

„Auch nur“: diese beiden Worte in Susannes Halbsatz machten es diesmal schwierig. Denn sie lassen den Satz ins Negative abdriften. Und Juergen soll ihn ja vervollständigen. So die Abmachung mit Susanne Haun. Und er will das eigentlich immer positiv oder humorvoll hinkriegen. Deshalb war seine Antwort: … ein Satz, der wie das Halali im Wald am Ende der Strecke verhallen wird.“

Drei visuelle Antworten hat er erstellt. Favorisieren kann er keine:

Und jetzt im Zusammenhang: „Der Jubel-Satz ist auch nur ein Satz, der wie das Halali im Wald am Ende der Strecke verhallen wird.“

Und Juergen gibt nun folgenden Satzanfang an Susanne weiter: „Die Zecke, die Strecke, die Macht, …“

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Satzbilder/Zinbeelden 3

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„Zinbeelden“ bedeutet das übersetzt „Satzbilder“? Oder besser „Redensart“? Oder @Wortbilder?“ Sein Niederländisch sei nicht so gut, dass er dies entscheiden könne, meinte Juergen zu mir. Sein Mittun im Projekt, das man hier auf der Kunstseite in Millingen einsehen kann >>> http://kunstinmillingen.nl/zinbeelden/<<<  schmälert das nicht. Auch nicht die große Anzahl an Künstlern, die mittlerweile daran beteiligt sind. Ja, man gehe da schon ein wenig unter, aber das Verfahren und die Ergebnisse seien gut. Es bereite ihm richtig Freude da mitzuwirken.

„Daarom ziet ze de slang, die zijn eigen weg gaat, in de richtung van de wetering, flonkerend.“ Den Satz hat er letzte Woche nach einem Würfel – und Nummernverfahren bekommen. Die Übersetzung: „Deshalb sieht sie die Schlange, die ihren eigenen Weg geht, in der Richtung des Wassers/ der Entwässerung, funkelnd.“

Schlangen sind nicht Jürgens Ding. Er sagte mir, dass er Angst vor diesen Tieren habe. Insbesondere die Würgeschlangen möge er gar nicht. Im Atelier lag noch eine Skizze von einem Baumwürger, vor längerer Zeit gezeichnet. Der wurde nun zum Motiv für seinen Linolschnitt.

Und so sehen die einzelnen Ergebnisse aus:

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die Energie

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Herumstöbern, im Atelier am Ostwall, von Raum zu Raum, fast wie getrieben, suchen, auf den Zufall bauend, in alten Papieren blätternd, sortieren, Blätter intuitiv auswählen: so erlebe ich Juergen momentan. Planvoll geht er nicht vor. Er läßt sich treiben, vertraut auf den Instinkt und die Erfahrung und verbrämt das mit dem Satz, „das er prozesshaft unterwegs sei“. Alles Quatsch: Juergen versucht da etwas in den Griff zu bekommen, Bilder zu finden, Bilder für Corona, die ihm weiterhelfen in seiner Betroffenheit. Ein Thema ist dabei „die Energie“.

 

Ich durfte wieder einen Blick in sein digitales Notizbuch werfen. Da steht, skizzenhaft:“Energien treiben uns an, in allem, mit der Krise ist ein großer Aufwand an Energien und ihrem Verbrauch verbunden, Krisenbewältigung kostet Kraft, der energetische  Kampf ist körperlich und geistig, Energie verpufft nie, sie ist ewig und verändert ihre Form und Intensität, aber nicht ihre Existenz, sie ändert die Anwesenheit an bestimmten Orten, sie ist ortsbezogen, der Lebenswille ist eine sehr starke Energie, liegen Seele und Energie nahe beieinander?“

Vier Motive als Linolschnitte sind entstanden und wurden in diesem Themenbereich auf alten, verworfenen Papieren zusammenmontiert.

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Latos kasachisch – kaskadischen Skizzen

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Vor Jahren schon, so Juergen,  habe er diese Idee gehabt: die Vorstellung von einem Ordner, einer Schublade, in der er alle die Zeichnungen und Skizzen und Drucke und Fotos sammle und horte, die erst einmal durchs Raster gefallen seien, die thematisch keinen Platz gefunden hätten, deren Qualität zweifelhaft sei, die man aber nicht Vernichten könne und solle. Die Überschrift zu diesem Ordner sei „Latos kasachisch kaukasische Skizzen“. Zugegeben; ein sperriger Titel. Aber auch fremd und auch komplex und zudem auf die Weite weisend. Mittlerweile habe sich darin schon ganz schön vieles angesammelt.

Hier ein paar Beispiele:

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„als Lato sich isolierte“: Tag 4 bis 7

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Zu sagen gibt es nicht viel. Jürgen bespricht mit mir jeden Tag voller Fassungslosigkeit die Anzahl der Toten in Deutschland und weltweit, wir schauen kopfschüttelnd dem Anstieg der Infizierten zu, und wir bleiben zuhause, kochen uns etwas, sehen fern, lesen, trinken unterm Dach Kaffee, während Jürgen zeichnet, hören viel Musik, singen Karaoke, sitzen in der Sonne auf der Terrasse, halten den Kontakt über das Internet mit allen, die uns lieb sind, versuchen den Humor nicht zu verlieren und versuchen zu begreifen, zu begreifen, zu begreifen.

Tag 4: die Dinge stehen Kopf

Tag 5: die Dinge verengen sich

Tag 6: es bildet sich ein Kokon

Tag 7: der Druck wird erhöht

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